Formel 1 Nach Heimsieg: Seb, der bessere Schumi?

Sebastian Vettel hat mit seinem ersten Sieg in einem Heimrennen gezeigt, dass er die perfekte Show liefern kann. Rennlegende Klaus Ludwig sagt ihm insgesamt neun Weltmeister-Titel voraus.

 

Nürburg - So ausgelassen ist Sebastian Vettel noch nie aufs Siegerpodest gesprungen. Und auch seinen berühmten Finger hat er noch nie so weit nach oben gestreckt. Der erste Heimsieg auf dem Nürburgring war bislang der wohl schönste Erfolg in der Karriere des 26-Jährigen. Es schien, als wollte der dreimalige Weltmeister im Glücksrausch die ganze Welt umarmen.

Es war vor allem die Art und Weise, wie Vettel dieses Rennen gewann. Abgezockt, eiskalt und fehlerfrei raste er allen davon. Fast wie ein Renn-Roboter drehte er seine letzten Runden, in denen er den heißen Atem vom „Iceman” Kimi Räikkönen spürte. Doch Vettel war einfach brillant und raste vor seinem wohl baldigen Teamkollegen ins Ziel.
„Das ist ein besonderer Tag für mich. Dieser Sieg fühlt sich süß an”, sagte Vettel und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht: „Und es war einer der härtesten.” Als letzter Deutscher hatte Michael Schumacher 2006 das Heimrennen gewonnen. Nach der perfekten Vettel-Show stellt sich ganz Formel-1-Deutschland plötzlich die Frage: Ist Super- Seb besser als Schumi?
Für den einstigen Tourenwagen-König Klaus Ludwig (63) ist Vettel schon jetzt der bessere Rennfahrer. „Er hat im eigenen Team und von außen viel mehr Druck gehabt als Michael damals. Deshalb ist Sebastian für mich schneller ein kompletterer Rennfahrer geworden”, sagt der dreimalige DTM-Champion und Le-Mans-Sieger im AZ-Gespräch. Vettel beeindrucke ihn auch außerhalb des Rennautos. Der Red-Bull-Pilot habe im Gegensatz zu Schumacher keine Allüren: „Der Junge ist einfach natürlicher und sympathischer. Er ist ein Weltsportler auf höchstem Niveau. Davon gibt es nur wenige.”

Vettels Erfolgsbilanz ist einzigartig. Sollte er so weitermachen wie bisher, dann hätte er am Saisonende seinen vierten WM-Titel in Serie geholt - und das in nur sechs Jahren oder im Alter von gerade mal 26 Jahren. Schumacher dagegen brauchte zehn Jahre bis zur dritten WM-Krone und war da schon 31 Jahre alt. Noch vor kurzem galten Schumachers sieben Titelgewinne als Rekord für die Ewigkeit. Ludwig hat da erhebliche Zweifel: „Vettel wird Michael übertreffen, da bin ich absolut sicher”, sagt der Tourenwagen-König und rechnet vor: „Sebastian kann nach dieser Saison noch zehn Jahre in der Formel 1 fahren. Selbst bei einer Titel-Erfolgsquote von nur 50 Prozent wäre er am Ende neunmal Weltmeister."

Etwas nüchterner analysiert Rennfahrer-Legende Hans-Joachim Stuck (62) die Zahlenspiele. „Schumi ist Schumi. Und Vettel ist Vettel. Das kann man nicht vergleichen", sagt der Strietzel der AZ. Und besser, statistisch gesehen, sei Sebastian erst, wenn er einen WM-Titel mehr als Schumacher gewonnen habe. Wie aber hat ihm Vettels Vorstellung auf dem Ring gefallen? „Fahrerisch war es fehlerfrei. Aber das erwartet man auch von den Piloten dieser Klasse", sagt Stuck, der am Sonntag als einer der allerersten Gratulanten bei Vettel war, denn in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) war der Ex-Rennfahrer bei der Siegerehrung hautnah dabei.

Die Zahlen lügen nicht. Vettel ist bislang 110 Formel-1-Rennen gefahren, von denen er 30 gewann. Macht eine Siegquote von 27,27 Prozent. Schumacher schraubte seinen Rekord zwar auf sensationelle 91 Siege. Doch dafür hat er auch 307 Grand Prix auf dem Buckel und liegt schon jetzt mit einer Quote von 29,64 Prozent nur hauchdünn vor Vettel. Dafür hängt der aktuelle Weltmeister sein einstiges Vorbild in der Pole-Statistik locker ab. Vettel stand bereits 39 Mal auf der Pole Position (35,45 Prozent). Schumachers 68 erste Startplätze bedeuten allerdings eine Trefferquote von nur 22,15 Prozent. Vettel startete schon in seinem 22. Grand Prix von der Pole Position, Schumacher stand in seinem 42. Rennen erstmals ganz vorne.
Sieht so aus, als habe Vettel bald Schumi überholt. 

 

0 Kommentare