Formel-1-Finale Fragen und Antworten zum GP von Abu Dhabi

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel beim freien Training. Foto: dpa

Das Formel-1-Jahr 2017 ist fast vorbei, in Abu Dhabi dreht das Fahrerfeld um Weltmeister Lewis Hamilton am Sonntag die letzten 55 Grand-Prix-Runden der Saison. Weil die WM schon entschieden ist, kreisen die Debatten im Fahrerlager schon um 2018.

Abu Dhabi - Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg wünscht sich in seiner neuen Rolle als TV-Experte für die Zuschauer mehr emotionale Einblicke.

"Es spielen sich Dramen ab in den Cockpits. Der Schlagabtausch kann ähnlich sein wie im Boxen. Eben noch obenauf, alles unter Kontrolle, dann eine Blöße ausgenutzt und der andere geht k.o. Dieser Fight im Cockpit kommt leider nicht rüber. Schade", sagte der 32-Jährige im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Rosberg war im Vorjahr nach dem Titelgewinn überraschend zurückgetreten und ist beim Saisonfinale in Abu Dhabi am Wochenende als Fachmann am RTL-Mikrofon dabei. "Vor allem sehe ich, was man nicht sieht", sagte Rosberg. Den Wunsch nach einer Rückkehr in die Rennserie verspürt er aber nicht. Er sei weiter glücklich mit seiner Entscheidung und dankbar, von größeren Verletzungen verschont geblieben zu sein.

"Das Risiko ist enorm, nach wie vor. Vor einem Jahr habe ich darüber nicht nachgedacht. Heute denke ich schon mal: Soll ich meine Gesundheit riskieren, nachdem ich alles erreicht habe, was mir vorschwebt?", sagte der gebürtige Wiesbadener. Lust auf eine Spritztour in den aktuellen Boliden, die schneller und schwerer zu fahren sind als in den Vorjahren, verspürt Rosberg aber durchaus. "Wenn ich einen halben Tag in Barcelona die neuen Autos mal testen dürfte, dann würde mich das schon reizen", sagte er.

Fragen und Antworten zum Saisonfinale in Abu Dhabi...

Was steht an?

Mit dem Großen Preis von Abu Dhabi (Sonntag, 14 Uhr/RTL und Sky) endet die Formel-1-Saison 2017. Nach dem dramatischen WM-Finale vor Jahresfrist, bei dem der mittlerweile zurückgetretene Nico Rosberg den Titel vor seinem Mercedes-Teamrivalen Lewis Hamilton gewann, deutet diesmal alles auf einen ruhigen Ausklang hin. Der neue Weltmeister Hamilton geht auf seine zweite Ehrenrunde, auch Mercedes hat die Teamwertung längst in der Tasche.

Worum geht es überhaupt noch?

Zumindest die Vize-Weltmeisterschaft ist rechnerisch noch nicht entschieden. Ferrari-Star Sebastian Vettel (Heppenheim) geht allerdings mit 22 Punkten Vorsprung auf Hamilton-Teamkollege Valtteri Bottas (Finnland) ins 20. Saisonrennen. Damit sich die Reihenfolge noch ändert, muss Bottas gewinnen und Vettel maximal Neunter werden - keine sehr wahrscheinliche Konstellation. In erster Linie geht es auf dem Yas Marina Circuit daher für Fahrer und Teams darum, sich mit einem guten Resultat in die viermonatige Pause zu verabschieden. Das Reglement bleibt weitgehend stabil, jede positive Entwicklung kann sich beim Startschuss in die Saison 2018 (25. März in Melbourne) auszahlen.

Wer gewinnt?

Der Trend der letzten Rennen sollte sich fortsetzen, sprich: Mercedes, Ferrari und Red Bull begegnen sich auf Augenhöhe. Besonders Vettel und Ferrari sind heiß darauf, nach dem unnötigen Verlust der WM im "schwarzen Herbst" dem großen Rivalen Mercedes mit einem Sieg über den Winter Kopfzerbrechen zu bereiten. Hamilton imponierte vor zwei Wochen in Brasilien nach seinem Qualifying-Patzer mit einer Aufholjagd aus der Boxengasse bis auf Platz vier. Im Rennen war der Brite der schnellste Fahrer. Der konstanteste Pilot der letzten fünf Rennen ist aber Red-Bull-Pilot Max Verstappen mit zwei Siegen und durchweg fehlerlosen Vorstellungen. Für 2018 deutet sich ein Dreikampf dieser Alphatiere an. Wer an Vorzeichen glaubt: Der Abu-Dhabi-Sieger der letzten drei Jahre wurde in der folgenden Saison Weltmeister.

Was macht Pascal Wehrlein?

Er wartet und wartet. Noch immer hat der Sauber-Pilot kein Cockpit für die kommende Saison, Williams ist die letzte Option. Das englische Traditionsteam gewährt allerdings nach dem Saisonfinale dem ohnehin favorisierten Polen Robert Kubica eine Test-Chance im aktuellen Auto. Steht Wehrlein tatsächlich ohne Cockpit da, dann starten 2018 erstmals seit 22 Jahren nur zwei Deutsche in eine Formel-1-Saison: 1996 waren Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen dabei.

Was macht den Großen Preis von Abu Dhabi aus?

Nach dem Start in der Abenddämmerung hetzen die Piloten durch die - allerdings exzellent ausgeleuchtete - Wüstennacht. Ungewöhnlich ist das Rennen auf dem 5,554 km langen Kurs auch unter architektonischen Gesichtspunkten: Ein Teil der Boxenausfahrt verläuft unterhalb des Kurses, wie aus einer Tiefgaragenausfahrt kommend fädeln die Fahrer wieder auf die Strecke ein. Zudem ist in den Yas Marina Circuit ein Luxushotel integriert.

Wer nimmt Abschied?

Felipe Massa, mal wieder. Schon vor einem Jahr wurde der Brasilianer in Abu Dhabi in den Ruhestand begleitet. Zwei Monate später kehrte allerdings er zurück, weil Williams Bottas zu Mercedes ziehen ließ. Nun macht Massa (wohl) endgültig Schluss. Zu Ende geht zudem die Chaos-Ehe zwischen McLaren und Honda. Für beide kann es mit den neuen Partnern Renault beziehungsweise Toro Rosso nur besser werden. Verabschieden muss sich die Formel 1 nach 68 Saisons auch vom komplett offenen Cockpit: 2018 wird das umstrittene System "Halo" eingeführt, dessen Titanstreben die Köpfe der Fahrer vor größeren umherfliegenden Teilen schützen sollen.

Was kommt 2018?

In der kommenden Saison wird die Reifenpalette der Formel 1 noch breiter und farbenfroher. Statt fünf stehen den Teams dann sieben Gummimischungen zur Verfügung. Neu ist ein extrem weicher Reifen, der "hypersoft" heißen wird. Am anderen Ende des Spektrums gibt es eine Mischung mit dem Namen "superhart", die künftig durch einen orangen Streifen gekennzeichnet ist. "Die neue Bandbreite besteht aus schnelleren Reifen, die zu härteren und spektakuläreren Rennen führen sollten", sagte Pirelli-Direktor Mario Isola. Ziel sei, dass es bei den meisten Rennen mindestens zwei Boxenstopps pro Fahrer gebe. 

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