Formel 1 Ein Riese erwacht: McLaren will zurück an die Spitze

Mit zwei Podestplätzen zum Auftakt ist McLaren in den Kreis der Titelanwärter vorgestoßen. Der Traditionsrennstall könnte zum echten Problem für Sebastian Vettel und Nico Rosberg werden.

Kuala Lumpur – Das Selbstvertrauen ist zurück bei McLaren, keine Frage. Wenn die Engländer in diesen Tagen über ihre Ziele in der Formel 1 sprechen, dann scheint das Seuchenjahr 2013 vergessen. Dann klingt es wie eine Warnung an Sebastian Vettels Red-Bull-Team, an Mercedes und Ferrari. "Wir sind nicht hier, um Zweiter oder Dritter zu werden", sagt Geschäftsführer Ron Dennis vor dem Großen Preis von Malaysia: "Wir sind erst zufrieden, wenn wir gewinnen. Und das werden wir."

Mit den Plätzen zwei und drei durch Rookie Kevin Magnussen (Dänemark) und Ex-Weltmeister Jenson Button (England) hinterließ McLaren beim Saisonauftakt in Australien gewaltig Eindruck und führt vor dem Rennen am Sonntag (10.00 MEZ/RTL und Sky) nun die Konstrukteurs-WM an.

Für den zweitältesten Rennstall der Königsklasse ist das eine große Erleichterung, denn im vergangenen Jahr war es still geworden um McLaren, ungewöhnlich still. Eine Saison ohne jeden Podestplatz musste das erfolgverwöhnte Team aus Woking ertragen – das hatte es zuletzt 1980 gegeben. Die Ansprüche sind andere. Das ergibt sich aus der fünfzigjährigen Geschichte des Rennstalls, aus insgesamt 20 WM-Titeln mit Fahrern wie Niki Lauda, Alain Prost, Ayrton Senna und Lewis Hamilton.

Einiges hat sich vor der Saison daher geändert, und besonders die Rückkehr von Ron Dennis hatte Symbolcharakter. Der erfolgreichste Teamchef der Formel-1-Geschichte sitzt wieder in der Geschäftsführung, und mit ihm kehrten gleich die Ergebnisse zurück. McLaren will wieder an die Spitze, spätestens 2015, wenn Honda als Motorenpartner in die Königsklasse zurückkehrt. Schon heute profitieren die Briten derweil vom starken Mercedes-Aggregat – aber auch von einer mutigen Personalentscheidung.

Der erst 21-jährige Magnussen erhielt die Chance, sich an der Seite des erfahrenen Button zu bewähren, und das ist bemerkenswert. Der Sohn des früheren Formel-1-Piloten Jan Magnussen hatte sich zuvor kaum auf der Strecke zeigen können, musste sein Können aufgrund der strengen Regularien überwiegend im Simulator beweisen. "Heutzutage ist es sehr riskant für ein Top-Team, einem Rookie die Chance zu geben", sagt Magnussen selbst: "Aber McLaren hat mir vom ersten Moment an vertraut."

Dass sich das auszahlen könnte, hat bereits der zweite Platz in Australien gezeigt, wenn auch begünstigt durch die Disqualifikation von Vettels Teamkollegen Daniel Ricciardo. Doch Magnussen kann noch viel mehr, da ist man sich bei McLaren sicher. "Er hat alle Eigenschaften, um eines Tages Weltmeister zu werden", sagt Dennis, "ich mache mir keinerlei Sorgen um sein Gemüt oder seine Hingabe. Er muss nur in einem konkurrenzfähigen Auto sitzen."

Ein wenig wird das noch dauern, "man kommt nicht über Nacht ans Ziel", sagt Dennis. Doch schon für das Rennen am Sonntag wagt der 66-Jährige eine Prognose: "Aus ganz verschiedenen Gründen glauben wir, dass wir dann bereits eine halbe Sekunde schneller sein werden." Für Vettel und Co. sind das keine guten Nachrichten.

 

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