Formel 1 Ein Münchner macht Hispania flott

Fährt in der nächsten WM-Saison für Honda in der Formel 1: Bruno Senna. Foto: Bongarts/Getty Images

Der Campos-Rennstall, den der Münchner Colin Kolles leitet, startet unter neuem Namen in der Formel 1.

 

MÜNCHEN Zum Zähneziehen hat Colin Kolles momentan keine Zeit. Der Münchner, der in Ingolstadt die Zahnarztpraxis Kolles & Kollegen betreibt, ist mal wieder unterwegs in Sachen Formel 1.

Bis Ende 2008 war Kolles Teamchef eines Rennstalls, der erst Midland F1 hieß, dann Spyker und heute Force India heißt. Kolles brachte den Gräfelfinger Adrian Sutil in die Formel 1 und erwarb sich in der Vollgaswelt den Ruf, ganz besonders krisenfest zu sein und mit geringen Mitteln viel erreichen zu können.

Seine neue Mission ist aber ungleich schwerer. Am 19. Februar wurde Kolles in einer Nacht- und Nebelaktion als Teamchef bei Campos F 1 eingesetzt, einem der vier neuen Rennställe, die in dieser Saison an den Start gehen sollten. Campos hatte in Bruno Senna, dem Neffen des verstorbenen Superstars Ayrton Senna, einen Fahrer mit klangvollem Namen verpflichtet. Aber noch vor dem Start in die Saison drohte das Geld auszugehen, der Rennstall hatte kein Auto, konnte Motor und Getriebe nicht zu bezahlen.

Der spanische Geschäftsmann Jose Ramon Carabante übernahm mit Hilfe von Formel-1-Oberzampano Bernie Ecclestone den Rennstall – mit der Bedingung, dass Kolles Teamchef wird. „Sie hatten nichts, hier war nur Chaos“, beschrieb Kolles nach seinem ersten Besuch in der Fabrik die Situation. Er machte sich an die Arbeit, bezog mit einem kleinen Team Büroräume in Parma, handelte neue Verträge mit Chassisbauer Dallara und Motorenlieferant Cosworth aus. Nun, in nur zwei Wochen, scheint die Herkulesaufgabe geschafft zu sein.

Am Mittwoch gab der Rennstall bekannt, das Team in Hispania Racing umbenannt zu haben, heute will Kolles zusammen mit Senna in Murcia, wo das Team künftig seine Zentrale haben soll, das neue Auto vorstellen.

„Der neue Name unterstreicht die Neugeburt unserer Formel-1-Ambitionen und die unglaublichen Mühen, die wir investieren, um am 14. März in Bahrain am Start sein zu können“, sagte Kolles, „wir sind zwar neu im Fahrerlager, aber sehr stolz darauf, dass wir neben legendären Namen wie Ferrari, McLaren, Williams und Lotus antreten dürfen, während wir in den nächsten Jahren unsere eigene Reputation aufbauen wollen.“

Der Rennstall US F1 wird das nicht mehr schaffen. Das amerikanische Projekt, das bis zuletzt nicht einmal angefangen hatte, das Auto zu konstruieren, hat nun kapituliert. Teamchef Ken Anderson verzichtete, wie von den meisten Experten erwartet, auf den Startplatz für 2010 und schickte alle 60 Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub. „Für die Mitarbeiter gibt es nichts zu tun, also haben wir ihnen gesagt, sie sollen nicht mehr am Auto arbeiten, bis wir eine Entscheidung haben“, sagte Anderson, der darauf hofft, 2011 in die Formel 1 kommen zu dürfen.

Filippo Cataldo

 

0 Kommentare