Formel-1-Auftakt GP in Australien: Der doppelte Lauda

Formel-1-Experte Niki Lauda sitzt bei Mercedes im Aufsichtsrat – und spart trotzdem nicht mit Kritik

 

MELBOURNE Er hat es nicht anders gewollt. Und doch hat es etwas Komisches, Niki Lauda diese Saison bei der Arbeit zuzuschauen. Als die Formel-1-Legende nach dem Auftakt-Rennen die Boxenstrategie von Mercedes rügte („Der Stopp kam fünf Runden zu spät”), wusste man nicht so genau, ob da der Formel-1-Experte in Diensten von RTL oder der neue Aufsichtsratschef von Mercedes GP spricht.

Zum ersten Mal seit 2002, damals war er für ein Jahr Teamchef bei Jaguar, ist Lauda heuer wieder in einer Doppelfunktion unterwegs im Vollgas-Zirkus. Als RTL-Experte soll er den Fans die Formel 1 erklären, als Aufsichtsratsboss die Silberpfeile endlich zu Siegautos machen. Einen Interessenskonflikt befürchtete Lauda dabei vor der Saison nicht. Zumindest nach dem ersten Rennen scheint klar, dass er Mercedes auch weiterhin nicht mit Samthandschuhen anfassen wird – und er sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt hat. „Ich war immer ein Querkopf”, sagte Lauda im Vorfeld der „BamS”. Natürlich werde er weiterhin seinen Rennstall auch in der Öffentlichkeit kritisieren. „Wer so einen Schmarrn erzählt, dass ich das nicht mehr machen würde, der kennt mich nicht”, sagte er dem Blatt.

Lauda trägt weiterhin sein Kapperl mit seinem Privatsponsor, er isst im Fahrerlager immer noch am liebsten bei Red Bull zu Mittag, kritisiert sein Team und lobt weiterhin seine Lieblinge im Fahrerfeld. Zu diesen gehören seit jeher Sebastian Vettel, den er am Sonntag eine „ordentliche Leistung” attestierte, Rennsieger Kimi Räikkönen („Kimi gefällt mir, weil er sich um nichts schert. Der wird sich später einen schönen Schluck genehmigen”) und auch Fernando Alonso („Der ist ein Guter und weiß, wie es geht”).

Als Aufsichtsratsvorsitzender der Silberpfeile dagegen scheint es nicht nur seine Aufgabe, die Handlungen des neuen Mercedes-Motorsportchefs Toto Wolff und von Teamchef Ross Brawn zu kontrollieren, sondern auch ins strategisch-operative Geschäft einzugreifen. Dazu gehört für Lauda offenbar, wenn nötig, auch ein selbstkritischer Blick auf die Dinge. So nahm er gestern die Schuld für den Ausfall von Nico Rosberg auf sich. „Nico Rosberg ist der Strom ausgegangen. Die Batterie ist leer geworden”, erklärte er, „das war ein Fehler der Motorenabteilung. Darum muss ich den Fehler auf meine Kappe nehmen.”

 

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