Um 22 Uhr ist in den Zelten der Oidn Wiesn Schluss – der Wirt der Schönheitskönigin findet das zu früh.

Grad wenn’s am schönsten ist, ist Schluss. Dann singt Programmchef Jürgen Kirner mit seiner Couplet-AG ein letztes Mal "Oh, wie herrlich ist das Leben, oh, wie schön ist doch die Welt, mia verkaffa d’Schwiegermuatta und versaufa ihra Geld".

22 Uhr müssen Besucher der Oidn Wiesn raus

Denn um 22 Uhr müssen die Besucher die Zelte der Oidn Wiesn schon verlassen haben, während auf dem großen Oktoberfest noch bis 22 Uhr frisches Bier ausgeschenkt wird. So hat’s der Stadtrat 2011 beschlossen, als nach der Jubiläumswiesn 2010 die Oide Wiesn auf dem Gelände des Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfestes zum geliebten Bestandteil der Wiesn wurde. Der Grund für den früheren Schluss: Der Besucherverkehr soll entzerrt werden.

Jetzt fordert Peter Reichert, Wirt der "Schönheitskönigin", dass die Oide Wiesn länger geöffnet hat. "Es ist absurd. Unsere Gäste feiern genauso wie auf der anderen Wiesn. Warum sollen wir früher Schluss machen?" Er will die Öffnungszeiten verlängert bekommen. Auch, weil "wir kleinere Zelte haben, aber ein kostspieliges Kulturprogramm. Es wäre nur fair, wenn wir in die Nacht rein noch Umsatz machen könnten, wie die Wirte auf der großen Wiesn."

Auf der Wiesn wird bis 22 Uhr ausgeschenkt

Diese Kulturprogramm würdigt der Stadtrat schon in einem Beschluss von diesem Jahr. Das sogenannte Kulturfuchzgerl geht sogar rückwirkend an die drei Zelte auf dem historischen Oktoberfest. Demnach sollen die Wirte vom Verkauf jeder Eintrittskarte zusammen 50 Cent erhalten. Dabei soll abhängig von Größe und Programm in der Regel das Festzelt Tradition 30 Cent erhalten, das Musikantenzelt 10 und das Volkssängerzelt 10 Cent.

Beppi Bachmaier vom Herzkasperlzelt, in dem die Musikanten aufspielen, wägt ab: "Da habe ich das gespaltene Herz eines Wiesnwirtes, denn in der Stunde könnten wir mehr verkaufen. Wenn wir allerdings zur selben Zeit zumachen wie das Oktoberfest, stoßen all die Gäste aufeinander." Toni Winklhofer vom Familienzelt "Festzelt Tradition" hat einen pragmatischen Vorschlag: "Eine halbe Stunde mehr würde mir reichen, dann sind die Besucherströme immer noch entzerrt und wir haben einen kleinen wirtschaftlichen Vorteil zu den vorangegangenen Jahren."

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Entscheiden müsste über die längeren Öffnungszeiten allerdings der Stadtrat, macht ein Sprecher vom Referat für Arbeit und Wirtschaft klar. Reichert wird ab 2019 in seiner Schönheitskönigin sowieso mehr Bier verkaufen können. Weil Lager nach draußen oder in den ersten Stock umgebaut werden, können dann statt knapp 800 Besuchern etwas über 1.000 die Couplets hören.

Am Donnerstag am Ammersee in seinem Hotel Seehof in Herrsching hat Peter Reichert mit Jürgen Kirner und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die Neuerungen im Zelt vorgestellt. Aigner stimmte da das "Rehragout" an, weil das heuer auf der Speisekarte steht. Außerdem gibt’s mehr Programm, das in dem Volkssängerzelt ja sowieso nie nur Beiprogramm ist, sondern zum Mitmachen und Mitsingen auffordert. Und eine Schönheitskönigin wird heuer gekrönt. Sie heißt Ilse Aigner und ist laut Kirner "die Königin der Herzen in Bayern".