Flughafen Tumulte um 3. Startbahn: Pfiffe für Ude

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Spott vor der Podiumsdiksussion: Startbahn-Gegner mit Ude-Maske und aufblasbarem Airbus. Foto: SZ/Einfeldt

Die betroffenen Bürger in Freising lassen die Startbahn-Befürworter spüren, dass sie sich nicht beschwichtigen lassen – ein schwerer Stand für Münchens OB

 

Freising - Gleich am Eingang werden den Besuchern der Podiumsdiskussion im Freisinger Wissenschaftszentrum Weihenstephan Tröten, Transparente und Flaschen abgenommen – vorsichtshalber. Dafür fliegen während der emotional aufgewühlten Diskussion die Fetzen. OB Christian Ude, Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon und Flughafenchef Michael Kerkloh haben sich keine Freunde gemacht. Im Gegenteil – es kommt zu tumultartigen Szenen.

Ude schlägt viel Antipathie und Unmut entgegen. Fast alle seine Beiträge werden von „Ude raus“-Rufen begleitet. Er lehnt sich weit aus dem Fenster, als er von der Umsiedlung betroffener Bürger spricht: Der Strukturwandel zwinge „zahlreiche Menschen, ihre Heimat zu verlassen“. Auf „Einzelschicksale“ könne er „keine Rücksicht“ nehmen. „Die Politik kann nicht das Versprechen machen, dass ein Mensch Zeit seines Lebens an einem Ort bleiben kann.“ Die Reaktion: ohrenbetäubender Lärm – fast alle Zuhörer stehen auf, schreien und buhen.

Schon bei der Vorstellung der Gäste wird deutlich, auf wessen Seite die gut 600 Besucher stehen. Die sechs Diskussionsteilnehmer sind dramaturgisch geschickt angeordnet. Abwechselnd wird geklatscht oder gebuht. Die Argumente sind hinlänglich bekannt, prallen am Freitag beim SZ-Forum aber unversöhnlich aufeinander.

Der Freisinger Landtagsabgeordnete Christian Magerl erklärt, auch für Münchner Bürger gebe es gute Argumente gegen die dritte Startbahn – nicht nur im Münchner Norden. Die Münchner würden das hohe Kostenrisiko für einen Ausbau tragen, der „nicht notwendig“ sei. Die Flugbewegungen seien unter dem Stand von 2006, das Wachstum, mit dem man kalkuliere, forciert. Das kommt bei den Zuhörern im Hörsaal 14 gut an.

Hartmut Binner, Sprecher des Aktionsbündnisses „Aufgemuckt“, trifft mit drastischen Worten den Nerv der Zuschauer. Er erklärt: „Die bayerische Staatsregierung plant etwas Menschenverachtendes. Das ist vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge.“ Als Beispiel nennt er das vermehrte Auftreten von Krebserkrankungen durch Kerosinrückstände.

Minister Fahrenschon begrüßt den kommunalen Bürgerentscheid, der noch am Freitag von den Grünen angekündigt worden ist. Doch allein die Entscheidung in München „wird nicht das Ende der Debatte darstellen“, orakelt er. Zudem erklärt er, dass weder vom Bund, noch vom Freistaat oder der Stadt München Geld für den Ausbau in die Hand genommen werde. Er erntete dafür Zwischenrufe wie „Quatschkopf“ und wieder Pfiffe.

Freisings Landrat Michael Schwaiger (Freie Wähler) weist immer wieder darauf hin, dass Freising schon jetzt mit der sozialen Infrastruktur Probleme habe. „Wie viel Wachstum ist verträglich?“

Michael Kerkloh versucht, für die Belange des Flughafens zu werben. Vergeblich. Appelle wie „Versetzen Sie sich doch mal in meine Lage!“ werden von höhnischem Gelächter geschluckt. Sein Argument, „wir haben einen Infrastrukturauftrag, der über Bayern hinaus geht“, verhallt.

Zuletzt fühlen sich die Gegner in ihrer Wut bestärkt. „Ihr habt noch nicht kapiert, wie betroffen wir wirklich sind“, sagt Ex-Polizist Binner, „wenn es soweit ist, dann lasse ich mich anketten. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“.

 

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