Flüchtlingsrat klagt an "Katastrophale Zustände!"

Der Bayerische Flüchtlingsrat beklagt eklatante Missstände im Erstaufnahmezentrum an der Baierbrunner Straße. Foto: Google Maps Foto: Google Maps

Der Bayerische Flüchtlingsrat beklagt eklatante Missstände im Erstaufnahmezentrum an der Baierbrunner Straße.

 

Obersendling - Fatale Fehler bei der Aufnahme der persönlichen Daten, eine lasche Kontrolle der Gesundheit der Flüchtlinge, Sauerstoffmangel im Wartebereich und eine gedankenlose Verteilung in weitere Einrichtungen – die Liste ist lang. Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat prangert äußerst bedenkliche Zustände im Erstaufnahmezentrum (EAZ) an der Baierbrunner Straße an.

Dünnwald bezieht sich dabei auf interne Informanten, die anonym bleiben wollen. Die Berichte sind erschreckend: So werden die persönlichen Daten bei der Selbstauskunft von den Wachen eines privaten Sicherheitsdienstes aufgenommen - inklusive fataler Fehler, wie falschen Herkunftsländern oder falsch geschiebenen Namen.

Für die Flüchtlinge kann der scheinbar formale Fehler schwerwiegende Folgen haben. „Bei den Asylanträgen geht es vor allem um Glaubwürdigkeit. Wenn verschiedene Formulare verglichen werden und der Name oder die Herkunft abweichen, stehen die Flüchtlinge schnell im Verdacht der Identitätsverschleierung“, verdeutlicht Dünnwald.

Gleichzeitig würden entscheidende Informationen, beispielsweise, ob ein Familienmitglied in Deutschland lebt, gar nicht abgefragt. Die Weiterverteilung erfolgt holprig. Behinderte Kinder landen so in Einrichtungen ohne Sozialbetreuung.

Auch die medizinischen Kontrollen kritisiert der Flüchtlingsrat scharf. Die Untersuchungen beschränken sich nach den Informationen Dünnwalds auf Krätze- und Läusekontrollen und kurzes Fiebermessen. Akut Behandlungsbedürftige werden immerhin ins Krankenhaus gebracht, Krätzepatienten bekommen eine Creme und frische Kleidung von der Diakonie. Allerdings sei bei der Anamnese kein Dolmetscher dabei.

Erst im Januar hatte die Grünen-Fraktion im BA 19 das EAZ an der Baierbrunner Straße als ungeeignet für die Unterbringung von Menschen befunden. Begründung: Die unsägliche Bausubstanz, der für die Unterbringung von Menschen ungeeignete Zuschnitt, die mangelnden Aufenthaltsflächen im Freien, die teils massive Überbelegung, die Mängel bei der Infrastruktur und die starke personelle Fluktuation einer Erstaufnahmeeinrichtung haben in den vergangenen Jahren zu Problemen für die Bewohner und Anwohner der Baierbrunner Straße 14 geführt. Auch Stephan Dünnwald berichtet von Flüchtlingen, die aufgrund des Sauerstoffmangels im Wartebereich einen Kreislaufkollaps erlitten hätten.

Die Fraktion der Linken hat die Vorwürfe des Bayerischen Flüchtlingsrates in einer Anfrage an den Stadtrat aufgegriffen und fordert, die Missstände in Gesprächen mit der Regierung von Oberbayern zu thematisieren.

Dabei soll auch geklärt werden, warum sich die Eröffnung des Aufnahmezentrums im Norden der Stadt verzögert und für wann sie vorgesehen ist.

 

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