Flüchtlinge, Familie, Wahlumfragen AfD kurios: Alternative Logik für Deutschland

Petry-Gatte Marcus Pretzell überraschte in der NRW-Wahlarena mit Widersprüchen zum eigenen Parteiprogramm. Foto: dpa

Dass Logik im Wahlkampf nicht immer die Hauptrolle einnimmt, ist alles andere als ungewöhnlich. Aber die Aussetzer, die sich die AfD vor den Wahlen in Schleswig-Holstein und NRW leistet, sind dennoch bemerkenswert.

Düsseldorf – In gut einer Woche wird in Nordrhein-Westfalen gewählt, der Kampf um die Plätze im Düsseldorfer Landtag ist also in seiner heißesten Phase. Da können natürlich ein paar Zusätzliche Wahlplakate nicht schaden, schließlich kommt es auf jede Stimme an. Das dachte sich wohl auch Christoph Kukulies, der in Emmerich am Rhein für die AfD kandidiert.

Praktischer Weise fand Kukulies auch schnell zwei willige Helfer, die für ihn durch die Stadt zogen und die Plakate aufhängten. Doch die Sache hat einen Haken: Mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch hatte Kukulies zwei syrische Flüchtlinge überredet, für ihn zu arbeiten. Kukulies hatte ihnen erklärt, dass diese Tätigkeit gut für Deutschland sei. Und weil Deutschland gut zu ihnen war, willigten die Syrer ein, ihm zu helfen. Ohne zu wissen, was sie da eigentlich taten, unterstützten die Flüchtlinge so die Partei, die unter anderem für eine jährliche Mindestabschiebequote und gegen jeglichen Familiennachzug ist.

Als die beiden jungen Männer schließlich von einem Flüchtlingshelfer erfuhren, wofür sie da Werbung machten, seien sie entsprechend empört gewesen, berichtet rp-online.de. AfD-Mann Kukulies hingegen versteht die Aufregung nicht. Er ist überzeugt: "Viele Flüchtlinge stehen in weiten Teilen hinter unserem Programm, etwa, was den Stellenwert der Familie oder die Abschiebung krimineller Flüchtlinge anbelangt."

Traue keinen Umfragen, die du nicht selbst addiert hast


AfD-Kandidat Lenz und seine Interpretation der Umfrage-Ergebnisse. Screenshot: Facebook

Mindestens genauso kurios wie Kukulies' Weltanschauung ist auch die seines Parteifreundes Karl-Heinz Lenz aus Schleswig Holstein. Der hat nicht nur als Autor im Eigenverlag Bücher wie "Kalles linke Spinner" und  "Grundrecht Steuerhinterziehung" verfasst, sondern hat für sein Bundesland auch eine klar Mission: "Nur mit einer AfD über 5% kann die Küstenkoalition verhindert werden!"

Derzeit sieht es den Umfragen zufolge für die regierende Koalition aus SPD, Grünen und SSW tatsächlich nicht allzu rosig aus, doch das liegt nur zu einem deutlich geringeren Teil an der AfD, als Lenz recht sein dürfte. Denn die droht tatsächlich an der Fünfprozent-Hürde zu scheitern, wie die aktuellen Prognosen von Forsa, Infratest Dimap, Forschungsgruppe Wahlen und GMS zeigen.

Doch Karl-Heinz Lenz macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Laut ihm liegt die AfD bei 20 Prozent, wäre damit wohl drittstärkste Partei hinter CDU und SPD sowie vor den ach so verhassten Grünen. Wie Lenz auf diese deutschlandweit einmalige Prognose für die AfD kommt? Durch simple Addidtion: "Wir haben bei Forsa 5%, bei Infratest 5%, bei der Forschungsgruppe Wahlen 5% und bei GMS 5%. Zusammen sind das 20% - schließlich fragen die doch nicht die selben Leute."

Was interessiert mich mein Wahlprogramm von gestern?

Frauke Petry: Demnächst drei Jahre in Elternzeit?
Frauke Petry: Demnächst drei Jahre in Elternzeit? Foto: dpa

Sicherlich ist es noch ein weiter Weg, bis wir in Deutschland eine tatsächliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreicht haben. Aber zumindest sind die ersten Schritte dorthin schon absolviert. So muss beispielsweise niemand mehr nach der Geburt eines Kindes drei Jahre lang zu Hause bleiben, bis der Nachwuchs in den Kindergarten kommt. Denn ab dem ersten Lebensjahr gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz.

Das scheint auch dem AfD-Spitzenpaar Petry/Pretzell gelegen zu kommen, denn immerhin sehen die werdenden Eltern langjährigen Mandaten im Landtag von NRW (Pretzell) beziehungsweise dem Bundestag (Petry) entgegen. Kein Wunder also, dass Marcus Pretzell sich gestern in der NRW-Wahlarena des WDR für  eine Wahlfreiheit bei der Kleinkindbetreuung aussprach. Und er geht noch weiter: Pretzell, der schon vier Kinder aus einer früheren Beziehung hat, ist überzeugt davon, dass denen die frühe Fremdbetreuung nicht geschadet hat.

So weit, so gut. Doch die Sache hat einen Haken: Die Ansichten des AfD-Spitzenkandidaten aus NRW stehen im klaren Widerspruch zum Wahlprogramm und Grundsatzprogramm der Bundespartei. Dort heißt es unter anderem: "In der Familie sorgen Mutter und Vater in dauerhafter gemeinsamer Verantwortung für ihre Kinder. [...] Es sollte wieder erstrebenswert sein, eine Ehe einzugehen, Kinder zu erziehen und möglichst viel Zeit mit diesen zu verbringen."

Von einer Moderation damit konfrontiert, dass die AfD in ihrem Wahlprogramm die Kita-Betreuung von Kindern ablehnt, gestand Pretzell kleinlaut ein: "Das steht da in der Tat drin." Die Wahlfreiheit der Eltern schränke das aber überhaupt nicht ein. Logik á la Pretzell.

 

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