Finanzielle Situation der Deutschen Jeder Vierte spart nichts mehr

Immer weniger Sparer legen Geld auf die Seite. Foto: dpa

Relativ wenig Menschen sorgen fürs Alter vor – obwohl es den Bürgern finanziell ganz gut geht. Was Sparkassen vom Staat fordern und Experten an den Banken kritisieren.

Am Freitag heißt’s wieder: Sparschweinderl in die Hand und ab zur Hausbank. Denn dort steigt – zumindest für die Mädls und Buben – ein großes Fest zum Weltspartag. Auch erwachsene Verbraucher können den Tag zum Anlass nehmen, ihre Anlagen neu zu überdenken – wenn sie überhaupt Geld auf die hohe Kante legen. Denn eine aktuelle Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zeigt: Fast ein Viertel der Deutschen spart inzwischen überhaupt nicht mehr – auch wenn 90 Prozent aller Bundesbürger ihre finanzielle Situation als gut bis mittelmäßig bewerten.

Verbandspräsident Georg Fahrenschon warnt: „Auf keinen Fall sollte man sein Einkommen zu 100 Prozent auf den Kopf hauen.“ Insgesamt habe sich das Sparverhalten der Deutschen aber leicht verbessert, sagt Fahrenschon gestern in Berlin: „Sparen ist nicht aus der Mode gekommen – aber auch dringend nötig.“ Sorge macht vor allem, dass immer weniger Menschen regelmäßig fürs Alter vorsorgen. 40 Prozent der Deutschen gehören der Umfrage zufolge zu den absoluten Vorsorge-Verweigerern. 2013 lag dieser Wert noch bei 32 Prozent.

Für die Zeit nach dem Berufsleben legen sie überhaupt nichts regelmäßig zurück. „Da reißt eine Versorgungslücke auf“, warnt der Verbandspräsident. Die Sparkassen fordern politische Anreize fürs Sparen auch mit unteren und mittleren Einkommen. Die klassischen Instrumente wie vermögenswirksame Leistungen müssten wiederbelebt und Wertpapiersparen erleichtert werden.

Finanzexperte: „Die Form, wie gespart wird, ist sehr mangelhaft“


Bankeinlagen waren auch im Jahr 2014 der Studie zufolge die beliebteste Anlageform der Bundesbürger. Sie investierten hier 40 Prozent ihres Vermögens. Nur 23 Prozent des Vermögens verteilte sich auf Wertpapiere. Experten kritisieren aber, dass Verbraucher oft an renditearmen Investitionsformen festhalten. „Wir haben das Dilemma, dass wir eine hervorragend laufende Wirtschaft haben, aber man ist kaum am Produktivvermögen beteiligt“, sagt Finanzexperte Uwe Eilers. Das komme daher, dass die Verbraucher risikoscheu sind. „Die Form, wie gespart wird, ist halt doch sehr mangelhaft.“ Die meisten hielten ausschließlich an Anlagen wie Tages- und Termingeld oder Lebensversicherungen fest. Diese Anlagen würden aber auch in Zukunft relativ wenig Rendite versprechen.

Grundsätzlich empfiehlt Eilers jedoch eine Streuung auf Anleihen und Aktien. Natürlich müsse der Sparer auch darauf achten, dass das Risiko, sein Vermögen zu verlieren, nicht zu groß wird. Verbraucherschützerin Dorothea Mohn sieht die Ursache für die wenig risikofreudige Anlagetaktik in schlechter Beratung durch Banken. „Die Berater sind nicht darauf eingestellt, langfristige Anlagestrategien für ihre Kunden aufzustellen und Risiken breit zu streuen“, sagt Mohn. Genau das sei aber die Strategie, mit der mehr Verbraucher davon überzeugt werden könnten, einen Teil ihrer Gelder in Aktien oder Aktienfonds zu investieren. „Solche Langfriststrategien liegen aber nicht im Interesse der Berater. Ihr Interesse ist es, durch den Abschluss neuer Verträge immer wieder Provisionen einzunehmen“, ergänzt Mohn.

 

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