Filmreife Szenen So wurde der Münchner Maibaum 1964 entführt!

Zehn Hektoliter haben die Entführer des Münchner Maibaums 1964 als Lösegeld gefordert. Die Abendzeitung hat damals darüber berichtet, von damals stammt auch dieses Foto. Rechts im Bild: Heinz Jahnel, links von ihm sitzen sein Spezl und die Burschen. Foto: Hans Enzwieser/AZ-Archiv

Vor 50 Jahren war der Münchner Maibaum vom Viktualienmarkt plötzlich verschwunden. Wer hat den riesigen Baum in der Stadt geklaut?

 

Altstadt - Es ist jetzt 50 Jahre her: Der Münchner Maibaum der Stadt und der Braureien war weg. Geklaut! Im bayerischen Oberland war so etwas längst Brauch. „Aber in der Stadt hatte es das noch nie gegeben“, blickt Heinz Jahnel zurück.

Er schmunzelt. Der gebürtige Münchner hat den Maibaum vom Viktualienmarkt damals, im Jahr 1964, mit seinem Spezl Georg Bauer entführt. „Das war das erste Mal in München, und auch das letzte Mal!“

Die Abendzeitung hatte damals über den spektakulären Klau berichtet, das ist 1964 passiert: Der junge Heinz und sein Spezl Georg, beide Zahnärzte, kamen bei einem Ball im Bayerischen Hof mit dem zweiten Münchner Bürgermeister Albert Bayerle zufällig ins Gespräch.

Bloß im Scherz sagten sie: „Passen’S auf, dass wir den Maibaum nicht mal stehlen...“

Der Bürgermeister nahm's mit Humor: „Das lasse ich mir was kosten!“

So enstand die Idee, den städtischen Maibaum – wie sonst nach alter bayerischer Sitte nur in den Dörfern und Gemeinden üblich – erstmalig zu entführen.

Geholfen haben bei dem Maibaumklau 1964 vier Burschen aus Massenhausen bei Freising – dort landete das 30 Meter lange und 25 Zentner schwere Monstrum nach einem recht ausgefuxten Entführungsplan – und einem nicht ganz einfachen Transport.

Die Szenen von damals sind filmreif: „Das Problem war zunächst, den Maibaum zu finden“, sagt der Münchner. Er lag zum Lackieren im Sendlinger Holzhof, wie die Burschen herausfanden. Sie müssten den Baum für einen besonderen Anstrich extra abholen, gaben die Entführer vor.

Der Lagerverwalter ließ sie im guten Glauben mit dem Traktor in den Hof. Zu sechst hievten die Burschen das Monstrum auf den Unimog.

Im Schneckentempo ging’s mit dem Anhänger über den Mittleren Ring nach Freising. Eine beschwerliche Fahrt. Vor Massenhausen mussten sie in der Not über einen Grünstreifen, „weil wir im Kreisel nicht um die Kurve kamen“.

Die Ankunft in Massenhausen war nachts um halb eins, den Baum haben die Entführer in einem Gasthaus versteckt.

Der Münchner Bürgermeister erfuhr am Telefon davon: „Das is' a Gaudi“, soll Bayerle in einer ersten Reaktion gesagt haben.

Die Entführer wollten zehn Hektoliter Bier von den Brauereien als Lösegeld. Sie haben es bekommen.  

 

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