Filmfest München Helmut Lohners letzte TV-Rolle in "Das Dorf des Schweigens"

Helmut Lohner (3. von rechts) spielt das Familienoberhaupt. Foto: ZDF

Hans Steinbichlers neuer TV-Film ist ein prominent besetztes und abgründiges Familiendrama

 

Lydia (Ina Weisse) kehrt nach Jahrzehnten in ihren Heimatort zurück. Die Freude der Familie wandelt sich bald in Wut und Unverständnis, als sie ihr überraschendes Auftauchen nutzt, um mit der Vergangenheit abzurechnen: Sie klagt Christian (Simon Schwarz), den Verlobten ihrer jüngeren Schwester Eva (Petra Schmidt-Schaller), an, sie als Vierzehnjährige vergewaltigt zu haben. Doch was geschah wirklich in dem alten Sommerhaus der Familie oben in den Bergen? Regisseur Hans Steinbichler hat mit „Das Dorf des Schweigens“ einen abgründigen Familienfilm gedreht - mit großer Besetzung.

AZ: Herr Steinbichler, Ihr Film „Das Dorf des Schweigens“ ist nun der letzte Auftritt von Helmut Lohner vor seinem Tod vor wenigen Tagen. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

HANS STEINBICHLER: Meine Casterin Franziska Aigner hat mich beim Lesen des Drehbuchs von Martin Ambrosch auf die Rolle des Vaters aufmerksam gemacht und Helmut Lohner vorgeschlagen. Und obwohl ich ihn wirklich aus vielerlei Gründen verehre, hatte ich ihn gar nicht auf dem Schirm gehabt. Aber den Vorschlag fand ich genial. Den mussten wir besetzen.

War es schwer, Lohner für das Projekt zu begeistern?

Helmut Lohner hatte ja eigentlich mit diesem ganzen Geschäft überhaupt nichts mehr am Hut, aber er fand es dann wahnsinnig nett, dass noch jemand an ihn gedacht hat. Wenn man in diesem Geschäft nicht dauerpräsent ist, dann wird man von der Branche irgendwann vergessen. Er war sich sicher, dass niemand mehr an ihn denken würde – diese Einschätzung fand ich schon krass. Er hatte auch keine Agentur mehr. Wir haben über Umwege seine Telefonnummer bekommen und ihn dann kontaktiert. Er war auch ganz erstaunt, dass er Geld dafür erhalten sollte. Letztendlich aber mochte er auch denn Stoff und den Drehort Bad Gastein, wo wir ausschließlich gearbeitet haben.

Nimmt man besondere Rücksicht auf einen 82-jährigen Darsteller?

Auf jeden Fall. Er hatte lange Textpassagen, die wir dann gesplittet haben, damit es für ihn einfacher ist. Er ist natürlich vom alten Schlag. Er hatte Respekt vor dem, was ich bislang gemacht habe, und ich habe wahnsinnig intensive Gespräche mit ihm gehabt über Liebe und Tod, die Themen, die ihn am meisten interessiert haben, und die auch mich an seiner Figur am meisten interessiert haben. Es war für mich ein unglaublicher Gewinn, mit einem Menschen, der so einen Erfahrungsschatz hat, zusammenzuarbeiten.

Der Ort ist für die Atmosphäre des Films sehr entscheidend. Absolut.

Ich bin da vor Jahren mal gewesen und hatte immer den Wunsch, unbedingt dort einen Film anzusiedeln. Ich habe lange nach einer Geschichte für diesen Ort gesucht. Und diese war es. Warum dieser Ort? Bad Gastein ist, so glaube ich, auf der Welt einmalig. Die Konzeption des Ortes ist eigentlich so, dass es ihn gar nicht geben dürfte. Durch den Ort rauscht ein tosender Wasserfall, man kann sich fast nicht verständigen, weil der so laut ist. Und alle Gebäude verfaulen wegen der ständigen Gischt. Das Ganze in einem engen Taleinschnitt. Dort überhaupt einen Ort anzusiedeln, konnte nur in einer Art Größenwahn begangen werden.

Können Sie große Gefühle in so einer Umgebung besser inszenieren?

Das war ja auch schon der Trick bei meinem Film „Hierankl“: Theater vor großer Berglandschaft. Man hätte die Geschichte auch in Neukölln ansiedeln können, aber diese Geschichte würde ich dann nicht gerne sehen.

Wieder kehrt in Ihrem Film ein Mensch zurück in ein Bergdorf, es gibt ein Familiengeheimnis...

Natürlich ist der Film eine Art „Hierankl reloaded“. So habe ich das auch gesehen. Ich will schon lange gerne 15 Jahre nach „Hierankl“ die Geschichte mit den noch lebenden Protagonisten weiter schreiben und schauen, was mit den Menschen geschehen ist. Mitten hinein in diese Überlegungen kam dann „Das Dorf des Schweigens“. Das fand ich sehr interessant und bezeichnend.

 

 

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