Filmfest München Der TV-Film: Der Fall Barschel

Szene aus "Der Fall Barschel" Foto: ARD/Degeto

Der TV-Polit-Thriller „Der Fall Barschel“ gräbt in der deutschen Skandalgeschichte

 

Für 20 000 Mark – „und ein lecker Fischbrötchen“ ist dann auch ein Medienprofi wie Reiner Pfeiffer bereit, vor den Journalisten auszupacken. Wie einst die beiden „Washington Post“-Redakteure Bob Woodward und Carl Bernstein bei der Watergate-Affäre machen sich in Kilian Riedhofs starkem Polit-Thriller „Der Fall Barschel“ die Hamburger Journalisten David Burger (Alexander Fehling) und Olaf Nissen (Fabian Hinrichs) daran, den mysteriösen Fall und Tod des schleswig-holsteinischen CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel zu untersuchen.


Es ist eine gute Zeit für Polit-Thriller: Gerade erst ist im Kino Christoph Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger“ angelaufen, nun ist auf dem Filmfest München die dreistündige TV-Produktion „Der Fall Barschel“ zu sehen. Hochhäuslers Spielfilm zeigt an einem Beispiel, wie der Staat sich von der Industrie kaufen lässt.


Riedhof und sein Drehbuch-Co-Autor Marco Wiersch hingegen graben sich tief in einen einzigen Fall ein, der wie kaum ein anderer die Bonner Republik erschütterte. Wir erinnern uns: Im Herbst 1987 tritt der CDU-Star Uwe Barschel von seinem Amt als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein zurück. Er soll mit Hilfe des Medienreferenten Reiner Pfeiffer seinen charismatischen SPD-Konkurrenten Björn Engholm bespitzelt haben. Der Fall scheint abgeschlossen – kurz darauf wird Barschel tot in der Badewanne des Hotels Beau Rivage in Genf gefunden. War es Selbstmord? Oder doch Mord?
Die Journalisten Burger und Nissen recherchieren, Burger verbeißt sich in den Fall, arbeitet sich an ihm regelrecht auf. Die Geschichte geht bald weit über die Landesgrenzen Schleswig-Holsteins hinaus. Es geht um illegale Waffengeschäfte, den Bundesnachrichtendienst, eine schöne, undurchschaubare Frau, die Fotografin Giselle Neumayer (Antje Traue). Bald weiß man nicht mehr, welcher Theorie man glauben soll, welchem Akteur man vertrauen kann.


Ein atemberaubend spannender Ausflug in die Politik-Geschichte
Im Zentrum des Films steht nicht Uwe Barschel, den Matthias Matschke als nervösen, zunehmend unsicheren und sehr norddeutsch sprechenden Aufsteiger und Abstürzer spielt. Vielmehr geht es um die aufzehrende Suche nach Fakten in einem politischen Skandal, der wie gemacht ist als Vorlage für einen Krimi.


Die zweite Hälfte des Films erzählt vor allem von David Burger und davon, wie er mehr und mehr von dem Fall Barschel aufgefressen wird. Aus dem Buddy-Movie mit zwei strahlenden Journalisten wird bald ein Einsamer-Cowboy-Drama. Alexander Fehling liefert eine Meisterleistung ab. Seine allmähliche Verwandlung vom korrekt gekleideten Journalisten-Ehrgeizling und Jäger hin zum Getriebenen hält den Film leicht über seine drei Stunden zusammen.


Der Film ist nicht nur ein atemberaubend spannender Ausflug in die bundesdeutsche Politik-Geschichte, sondern auch eine Erinnerung an die Popkultur der 80er und 90er Jahre: Man tanzt zur Musik der Pet Shop Boys, später zu Techno, dazu wirft man Speed ein, um wachzubleiben.
„Der Fall Barschel“ ist ausdrücklich keine Dokumentation, dennoch hält er sich hart an die Fakten und entwirft wenigstens eine mögliche Lösung. Unbedingt sehenswert!    


Weltpremiere Samstag,  27. Juni. 19.30 Uhr im Carl-Orff-Saal im Gasteig; Wiederholung am Sonntag, 28. Juni, 10 Uhr, City-Kino

 

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