Film „Sommer in Orange“: gehemmter Kulturen-Aufprall

Bei der Filmpremiere von "Sommer in Orange" von Marcus H. Rosenmüller am Donnerstag im Matthäser Kino in München zeigten sich die Darsteller von ihrer besten Seite. Foto: dapd

Spitze Begeisterungsschreie und euphorische Umarmungen sind nicht jedermanns Sache. Bei den Bhagwan-Jüngern in Marcus H. Rosenmüllers neuem Film schon. Mit ihren Urschrei-Therapien und ihrem lockeren Leben versetzt die Gruppe ein ganzes bayerisches Dorf in Aufruhr.

 München Es gibt Filme, die wecken große Erwartungen. „Sommer in Orange“ ist so ein Werk. Nicht nur, dass er von dem bayerischen Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller stammt, der bereits mit „Wer früher stirbt ist länger tot“ Erfolge feierte. Auch die Ankündigung zu „Sommer in Orange“ liest sich verlockend: Eine Culture-Clash-Komödie, in der Bhagwan-Jünger aus Berlin 1981 ausgerechnet in einem oberbayerischen Dorf eine Kommune samt Therapie-Zentrum gründen wollen.

Tanzende Sannyasins in orange-farbenen Wallegewändern und lockerer Moral auf der einen Seite, konservative und strengkatholische Dorfbewohner mit Familienidylle auf der anderen. Gegensätze, die komisches Potenzial haben, die aber in dem Film nicht ausreichend zum Tragen kommen.

Im Mittelpunkt steht Lili. Mit der Mutter (Petra Schmidt-Schaller) und ihrem Bruder Fabian zieht sie von Kreuzberg nach Talbichl in Oberbayern in eine neu gegründete Kommune zu Ehren des indischen Gurus und Sektenführers Bhagwan Shree Rajneesh. Die Dorfbewohner beäugen das Treiben dort argwöhnisch. Von gruppendynamischen Urschrei-Therapien und halbnackten Morgenritualen halten sie wenig.

Den Erwachsenen der Kommune ist die Ablehnung egal. Doch Lili (Amber Bongardt) leidet. In der Schule ist sie die Exotin, mit der keiner spielen will. Mit aller Macht will die Zwölfjährige deshalb so normal wie die anderen werden. Ein Vorhaben, dass sie zu Hause verheimlicht. Dass die Komödie trotz einiger gelungener Szenen insgesamt nicht so gut funktioniert, liegt vor allem an der zerfaserten Geschichte. Ständig wechselt sie zwischen den Perspektiven von Lili, ihrer Mutter und den Dorfbewohnern. So entsteht kaum Nähe zu den Figuren. Zudem wirkt vieles plakativ und vorhersehbar.

Ein Film konsequent aus der Sicht der Kinder hätte der Geschichte vielleicht mehr Tiefe verliehen und Lilis Gefühlen mehr Raum verschafft. So lassen sich die Beweggründe für ihren Wunsch nach Normalität nur erahnen, ebenso wie das Rumoren im Dorf, in dem die Fantasie der Bewohner vom Leben in der Kommune aberwitzige Blüten treibt. Erst gegen Ende nähern sich die Handlungsstränge an. Einer der lustigsten Momente läuft erst im Abspann: Das Bürgermeister-Ehepaar will den wilden Sannyasins nacheifern und probiert unter allerlei Verrenkungen neue Stellungen beim Liebesspiel aus.

 

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