FIFA: Blatter-Nachfolge Beckenbauer setzt sich für Sexwale ein

Tokyo Sexwale - hier im Jahre 2009 an der Seite von Sepp Blatter - hat sich in Südafrika einen Ruf als erfolgreicher Industrieller erarbeitet. Foto: dpa

FC-Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer würde den Freiheitskämpfer Tokyo Sexwale gerne auf dem Thron von Joseph S. Blatter sehen - viele Alternativen gibt es nicht.

 

Kitzbühel - Ein Freiheitskämpfer aus Südafrika soll mit deutscher Unterstützung das FIFA-Trauerspiel beenden. "Wir wissen um die Qualität der Südafrikaner und um die Qualität von Tokyo Sexwale", sagte Franz Beckenbauer am Dienstag in Kitzbühel.

Damit Sexwale am 26. Februar zum Nachfolger von Joseph S. Blatter (79) beim Fußball-Weltverband gewählt werden kann, würde der Kaiser sogar für den 62-Jährigen unterschreiben.

"Ich bin sicher, dass der Deutsche Fußball-Bund ihn bei einer Kandidatur unterstützen würde", sagte Beckenbauer. Dann würden dem noch zurückhaltenden Südafrikaner nur noch drei der fünf für die Zulassung nötigen Unterschriften aus den Nationalverbänden fehlen - die seines Heimatlandes gilt allein wegen Sexwales großer Verdienste um die WM 2010 als sicher.

An der Integrität des früheren Anti-Apartheid-Aktivisten dürfte im Gegensatz zu anderen Kandidaten kaum ein Zweifel bestehen.

"Ich überlege und denke nach, lasst uns abwarten", sagte Sexwale am Rande des "Camp Beckenbauer". Bis zum 26. Oktober läuft die Bewerbungsfrist, sollte das Chaos im Weltverband die Wahl nicht verschieben oder verhindern.

Gegen Blatter wurde in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet, der Vorwurf lautet Untreue. Auch Michel Platini (60), Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), steht wegen einer Millionen-Zahlung im Zwielicht.

Seinen Favoritenstatus für die Wahl ist der Franzose derzeit los: Der Integritätscheck könnte für Platini, den der DFB zumindest bis zum "Blatter-Beben" offen unterstützt hatte, ebenso zum Stolperstein werden wie für den früheren FIFA-Vizepräsident Chung Mong-Joon (63), dem laut eigenen Angaben eine 19-jährige Sperre durch die FIFA-Ethikkommission droht.

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"Sie sabotieren damit die Präsidentschaftswahl und die FIFA selbst", sagte Chung: "Viele sagen, die Ethikkommission würde Blatter zur Strecke bringen. Dabei attackiert sie niemals ihn, sondern immer nur seine Gegner."

Nach SID-Informationen wird aber auch gegen Blatter längst ermittelt, vielleicht wird der Schweizer noch vor Ende Februar suspendiert. Dann droht ein gefährliches Machtvakuum.

Platini, ein Freund von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (64), und Chung im Visier der Ethiker, der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein (39) und Brasiliens Idol Zico (62) quasi ohne Unterstützer - Sexwales Chancen stünden nicht schlecht. Zumal der DFB als weltgrößter und Weltmeister-Verband eine mächtige Stimme hat.

"Wir sind alle betroffen von dem, was bei der FIFA passiert", sagte Sexwale, der bereits als Berater für den Weltverband arbeitet und mit bürgerlichem Namen Mosima Gabriel Sexwale heißt. Bis 1990 saß der heutige Politiker und Geschäftsmann 13 Jahre im Hochsicherheitsgefängnis auf Robben Island, in dem auch Nelson Mandela inhaftiert war.

Er wäre die von vielen geforderte externe Lösung für die FIFA-Krise. "Was ist Schuld - sind es die Menschen? Natürlich. Oder das System? Möglicherweise auch", sagte Beckenbauer, der mit Sexwale eine Freundschaft pflegt: "Da kam irgendwann die Möglichkeit auf, den Präsidenten extern zu bestellen. Einen aus der Wirtschaft, aus der Politik. Ich habe dann Tokyo genannt. Er hat zwar eine andere, eine politische Vergangenheit, aber er kennt sich im Sport aus. Er hat den Geruch der Neutralität und deswegen glaube ich, dass er eine gute Lösung wäre."

 

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