Salzburger Festspiele Netrebko in Salzburg: Musik, Schampus und Teetassen

, aktualisiert am 07.08.2017 - 06:05 Uhr
Stilikone: Anna Netrebko vor dem Festspielhaus in Salzburg. Foto: dpa

Am Sonntag debütiert Anna Netrebko als Aida in Salzburg. Doch Teodor Currentzis könnte der Diva den Rang als Superstar der Festspiele streitig machen.

 

Salzburg - Für seine hymnisch gelobte und heftig kritisierte Interpretation von Mozarts "La clemenza di Tito" und das Konzert mit Gustav Mahlers erster Symphonie am Donnerstag gibt es längst keine Karten mehr. Und im Festspielshop sind sogar die drolligen Postkarten mit dem Konterfei des Dirigenten Teodor Currentzis ausverkauft. "Die gehen weg wie nichts. Wir haben gerade nachbestellt", sagt Inhaber Andreas Vogl. Die Fotokarten zu zwei Euro das Stück stammen von dem syrischstämmigen Künstler Maroine Dib, der sie eigens für Vogl kreiert hat.

Die beiden Postkarten mit Anna Netrebko sind noch zu haben. Eine zeigt sie zusammen mit ihrem Gatten, dem aserbeidschanischen Tenor Yusif Eyvazov, eine andere nur sie allein in einem tief dekolletierten schwarzen Abendkleid. Currentzis scheint der Diva, die seit ihrem phänomenalen Debüt als Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" im Jahre 2002 regelmäßiger Gast an der Salzach ist, den Rang abzulaufen. Zumindest vorläufig. Auch das von Netrebko designte 15-teilige Teeservice wartet in einer Vitrine des Shops noch auf zahlungskräftige Kunden. Das mit Motiven aus Verdis "Aida" verzierte Set, hergestellt in der Imperial Porcelain Manufactory in St. Petersburg, kostet in der Basisversion stolze 2.399 Euro. Vogl hofft, dass der Verkauf anzieht, wenn "Anna gesungen hat".

Denn am Sonntag steht die wohl wichtigste Premiere der diesjährigen Salzburger Festspiele ins Haus, zumindest in punkto Glamourfaktor. Der italienische Maestro Riccardo Muti dirigiert Giuseppe Verdis "Aida“ in der Regie der iranischen Multikünstlerin Shirin Neshat. Und Anna Netrebko singt zum ersten Mal die Titelrolle der äthiopischen Sklavin, die sich am Hofe zu Memphis in den ägyptischen Feldherren Radames verliebt. Eine prekäre Affäre, die natürlich mit dem Tod der Opernhelden endet.

"Aida ist eine unglaubliche Rolle"

Die Aida ist eine von drei großen Rollen-Debüts des laufenden Jahres für Netrebko: Gerade erst gab sie zum ersten Mal die Adriana in Francesco Cileas "Adriana Lecouvreur". Die Maddalena in Umberto Giordanos "Andrea Chenier" ist für Dezember an der Mailänder Scala annonciert. "Aida ist eine unglaubliche Rolle, eine Frau voller Liebe und Leidenschaft, hin und her gerissen zwischen ihrem Volk und dem Mann, den sie liebt", sagte Netrebko in einem von den Festspielen verbreiteten Statement, eine echte "Superwomen“.

Seit der Geburt ihres Sohnes im Jahre 2008 wird Netrebko schrittweise zum dramatischen Sopran. An der Dresdner Semperoper hatte sie unter Christian Thielemann bereits die Elsa in Wagners "Lohengrin" gesungen. Ihr Debüt am Grünen Hügel, bei den Bayreuther Festspielen, wo sie für 2018 ebenfalls als Elsa annonciert war, wurde jüngst zum Verdruss ihrer Fans ohne Angabe von Gründen abgesagt.

Mit von der Partie ist in Salzburg natürlich ihr Gatte. Er singt den Radames als Zweitbesetzung, also nicht zusammen mit seiner Frau. Die darf sich in den italienischen Tenor Francesco Meli verlieben. "Rein dispositionelle, keine persönlichen Gründe", teilt die Pressestelle dazu auf Anfrage vorsorglich mit.

Netrebko, eine Luxus- und Society-Diva?

Nach der Kunst gibt es wieder eine große Gala-Soiree für 360 Gäste mit Diner im Carabinierisaal der Salzburger Residenz und anschließendem Tanz im Kaisersaal. Die Karten zum Preis von 750 Euro sind seit Monaten ausverkauft. Der Erlös kommt der Jugendarbeit der Festspiele zugute. Das Essen liefert Feinkost Käfer, dekoriert werden die Räume mit einem Arrangement aus Swarovski-Kristallen. Es gibt auch eine Cocktail- und Kaviarbar. Und an Schampus soll nach auch nicht fehlen. Wasser auf die Mühlen derjenigen, die in Netrebko vor allem eine Luxus- und Society-Diva sehen. Das Magazin Forbes hatte das Jahreseinkommen der in Wien lebenden Sängerin jüngst auf umgerechnet 6,34 Millionen Euro taxiert. Die wies die Zahl auf Facebook postwendend zurück. "Ich beschwere mich nicht über mein Einkommen, aber eure Zahlen sind EINFACH LACHHAFT."

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Eine vergleichbare Sause für den mönchisch strengen Currentzis und seine musikalischen Jünger vom Ensemble musicAeterna wäre eher unvorstellbar. Obwohl auch der im russischen Perm wirkende, exzentrische Grieche einen Hang zur Selbstdarstellung besitzt. Ein Reporter des Deutschlandfunks, der den stets schwarz gewandeten Meister in seinem Büro im Permer Opernhaus besuchte, wähnte sich in einem "ein wenig schwülstig eingerichteten Proust’schen Boudoir". Im Anschluss an das Interview präsentierte Currentzis dem Journalisten eigene Schuh- und Taschenentwürfe sowie ein von ihm kreiertes Unisex-Parfüm. Im Festspielshop und den Salzburger Innenstadt-Parfümerien sucht man den Duft vergeblich, er würde sich wohl besser verkaufen als Netrebkos unbezahlbares Teeservice.


Verdis „Aida“ mit Anna Netrebko wird am 12. August, um 20.15 Uhr in ORF 2 und gleichzeitig auf Arte ausgestrahlt. Am 25. August ist sie um 23 Uhr im ZDF zu sehen

 

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