Festival in der Schlosskulisse Puls Open Air: Die Quote stimmt

Frauenpower: Alli Neumann bei ihrer Performance auf der Waldbühne des Puls Open Air Foto: br/Hans-Martin Kudlinski

Konzerte, Workshops, Live-Podcasts: Das Puls Open Air auf Schloss Kaltenberg lockte am Wochenende fast 12.000 Besucher an. Das Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks setzte dabei auf überdurchschnittlich viele weibliche Acts.

 

Die Frauenquote am Arbeitsplatz spielt schon lange eine große Rolle. Umso erstaunlicher ist es, dass das Thema erst jetzt schleichend auf den Bühnen von Musikfestivals ankommt. Puls, das Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks, setzte dieses Jahr mit dem Puls Open Air ein Zeichen. Erstmalig bestand das Line-up des zum vierten Mal stattfindenden Festivals auf Schloss Kaltenberg nahe Landsberg am Lech zu mehr als 50 Prozent aus weiblichen Künstlerinnen.

"Ich finde es gut, aber es ist schon komisch, dass das erst 2019 durchgezogen wird. Das Puls Open Air ist das beste Beispiel dafür, dass es auch locker geht", sagte die 30-jährige Rapperin Nura aus Berlin vor ihrem Auftritt und fügte lachend hinzu: "Ich finde sowieso, dass Frauen schöner anzusehen sind!" Neben der Musikerin, die am Freitagabend auf der Bühne zwischen den mittelalterlichen Spitztürmen ihren Rapgesang darbot, äußerte sich auch Sängerin Mine (33) am Samstag während ihres Gigs positiv zum ausgeglichenen Geschlechter-Booking: "Man sieht ja, dass es doch funktioniert!"

"Man muss die Leute noch daran gewöhnen"

Die Kieler Band Leoniden ist kritisch mit sich selbst und will das Thema "50/50" sensibilisieren. "Wir selber müssen auch ehrlich sein, dass wir als Fünf-Männer-auf-der-Bühne-Band auch zu der problematischen Konstellation Boyband gehören. Man muss die Leute einfach noch daran gewöhnen, dass Frauen auch auf der Bühne stehen können", findet Sänger Jakob. Egal ob Mann oder Frau, das Puls Open Air stand ganz im Zeichen von guter Musik und großem Gemeinschaftsgefühl.

Dazu setzten die Veranstalter auch auf einen barrierefreien Zugang zum Gelände, die Einrichtung einer Servicehotline und die Übersetzung von mehr als 20 Konzerten in Gebärdensprache. Letzteres fand bei vielen Festivalbesuchern, insgesamt waren es rund 12.000, großen Anklang. So wurde ab Tag 2 nicht nur geklatscht, sondern auch mit den Händen gewedelt - die Geste für Beifall in der Gebärdensprache.

Vielfalt großgeschrieben

Der Vielfalt des Line-ups kam es zugute, dass Puls als Musikradio versucht, alle Musikgeschmäcker einzufangen. So rappte sich Kelvyn Colt durch die Nacht, tanzte Bosse (39) zu seiner Feel-Good-Musik über die Bühne, ließen die Rikas zum "Swabian Samba" die Hüften kreisen und drehte Christian Löffler (34) die Regler seines Electronic-Sounds hoch. Als Höhepunkt des Festivals schallte am Samstagabend Henning Mays (27) tiefe, melancholische Stimme durch die Ritterturnier-Arena. So gab er mit seiner Band Annenmaykantereit die traurig schönen Lieder "Sieben Jahre", "Weiße Wand" und "Pocahontas" zum Besten.

Den Schlussact gab jedoch die Band KYTES. Für die Münchner war dies nicht der erste Auftritt auf dem Puls Open Air. 2015 eröffneten sie das Festival - ein Zeichen dafür, dass Puls auf die anhaltende Unterstützung von Newcomern setzt. "Das Puls Open Air ist ein friedliches und fröhliches Festival. Wir haben keine abgerissenen Bäume oder Äste. Es herrscht immer eine freundliche und angenehme Atmosphäre", zog Prinz Luitpold von Bayern (68) als Fazit.

Und so freute sich auch der Gastgeber, dass mit dem Festival an diesem langen Wochenende ein anderer Wind durch die Schlossgasse wehte. "Ich hoffe, dass wir das 20-Jährige erleben werden!" Für das nächste Jahr steht diesem Plan nichts im Wege: Das Puls Open Air findet 2020 vom 5. bis 6. Juni statt.

 

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