Fernsehen Ein deutsches Leben

Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Frau Hannelore genießen am 04.08.1998 auf der Jausenstation Holzingerbauer bei St. Gilgen am Wolfgangsee eine kräftige Brotzeit. Foto: dpa

Der Produzent Nico Hofmann plant eine TV-Biografie über Hannelore Kohl

 

Der Sender steht zwar ebenso wenig wie ein Sendetermin. Aber Nico Hofmann ist entschlossen, das Leben der verstorbenen Kanzlergattin als Zweiteiler ins Fernsehen zu bringen. Auf die Hauptrolle können drei Schauspielerinnen hoffen: Annette Frier, Katja Riemann und Ann-Kathrin Kramer.

AZ: Warum haben Sie sich entschieden, aus dem Leben von Hannelore Kohl einen Zweiteiler zu machen?

NICO HOFMANN: Hannelore Kohls Leben ist in mehrfacher Hinsicht spannend und interessant. Da ist die historische Dimension. Ihr Leben spannt sich vom Krieg über die Nachkriegsjahre bis zum Fall der Mauer und der Wiedervereinigung. Es ist ein sehr deutsches Leben, wenn man so will. Und da ist, neben Politisch und Historischem aber auch die private Seite der Familie Kohl. Das bietet viel an emotionalem Stoff. Dazu kommt, dass ich Hannelore Kohl persönlich kannte. Auch deshalb ist mir dieser Film ein Anliegen.

Wie haben Sie Hannelore Kohl kennengelernt?

Meine Eltern waren mit den Kohls befreundet, mein Vater hatte als politischer Journalist fast täglich mit Helmut Kohl zu tun. Meine Mutter war vor allem mit Hannelore Kohl eng verbunden. Hannelore Kohl war oft bei uns zuhause, zu diversen Festen wie Geburtstagspartys zum Beispiel.

Was war Hannelore Kohl für ein Mensch?

Sie war eine unglaublich kluge Frau. Es hat mich immer geärgert, wenn sie anders dargestellt oder beschrieben wurde. Das stimmt einfach nicht. Sie war entwaffnend ehrlich. Sie hatte die Gabe, Dinge sehr schnell auf den Punkt zu bringen. Und sie besaß großen Witz, war charmant, sensibel und warmherzig. Eine dynamische, lebensbejahende Frau, die ich sehr gemocht habe.

Wann haben Sie Hannelore Kohl das letzte Mal gesehen?

Das war etwa drei Monate vor ihrem Selbstmord, bei einer Feier bei uns zu Hause. Sie kam, als es dunkel genug war. Wegen ihrer Krankheit. Aber das war nicht ungewöhnlich. Wir in unserer Familie wussten ja schon lange von der Lichtallergie.

Waren Sie überrascht, als sie vom Suizid Hannelore Kohls erfuhren?

Überrascht? Nein. Ich war entsetzt, fassungslos. Ich hätte nie damit gerechnet, weil ich sie immer als lebensfrohe Frau erfahren habe.

Warum hat Hannelore Kohl Ihrer Meinung nach Selbstmord begangen?

Es war eine Mischung vieler Gründe. Die Krankheit zum einen, die sie sich ja nicht eingebildet hatte, die Symptome waren ja da. Dazu kamen tiefe Depressionen und natürlich die Spendenaffäre, die ihr unglaublich zu schaffen machte. Es muss schrecklich für sie gewesen sein, als „Spendenhure" tituliert zu werden. All das ging über ihre Kräfte.

Wird Maike Richter-Kohl, die neue Frau Helmut Kohls, eine Rolle in Ihrem Film spielen?

Nein. Der Film geht um Hannelore Kohl, nicht um Maike Richter-Kohl.

Werden Sie bestimmte Ereignisse aus Rücksichtnahme auf die Familie in dem Film nicht ansprechen werden? Gibt es Tabus?

Nein, Tabus wird es nicht geben, dazu wurde zu viel über Hannelore Kohl geschrieben, dazu ist jetzt auch zu viel bekannt. Der Film kann hier nicht zurückbleiben. Das ist aber auch im Sinne der beiden Brüder Walter und Peter Kohl, die selbst sehr offen und ehrlich mit ihrer Familiengeschichte umgehen.

Sie sind sehr emotional, wenn Sie über Hannelore Kohl sprechen. Ist das ein Vorteil bei dem Filmprojekt, oder ein Nachteil, weil es für Sie schwieriger ist, die für einen Produzenten notwendige Distanz einzuhalten?

Ich bin bei jedem Projekt emotional und tief involviert, das muss ich auch sein. So ein Projekt dauert vier, fünf Jahre, in dem man sich damit beschäftigt, da muss man Lust auf das haben, was man macht. Anders geht es gar nicht.

Wie weit ist das Projekt bisher gediehen?

Ich habe gemeinsam mit Peter Kohl und Dona Kujacinski, auf deren Buch „Hannelore Kohl - ihr Leben” der Film basiert, jetzt die wichtigsten historischen Stationen im Leben von Hannelore Kohl aufgelistet. Es ist aber noch nicht entschieden, welche Stationen wir verfilmen. Da sind wir gerade dabei. Ich denke, dass wir mit den Dreharbeiten Ende nächsten Jahres beginnen. 2013 ist der Zweiteiler wahrscheinlich im Fernsehen.

 

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