Fernab der Prostitution Das Leben als Escort-Dame – Ein Blick hinter die Kulissen

Freitag, 22 Uhr, Joleen guckt ein letztes Mal in den Spiegel. Perfekt geschminkt, dezent, attraktiv und kaum von einer erfolgreichen Business-Frau zu unterscheiden. Joleen ist Escort-Dame.

 

Berlin - „Ein eleganter Look wird bei unseren Kunden vorausgesetzt“, sagt die 22-jährige Studentin, die sich ihr Pseudonym bei ihrer Escort-Agentur ganz eigenständig aussuchen durfte. Seit einem Jahr arbeitet die angehende Zahnmedizinerin nun schon als Begleitdame, ebenso wie zahlreiche andere junge Frauen aus ganz Deutschland. Escort Services versuchen sich von ihrem schlechten Ruf zu lösen und als seriöses Dienstleistungsunternehmen in breiten Teilen der Gesellschaft zu etablieren.

Fernab der Prostitution

Stunden bevor ihre Agentur sie anrief, saß Joleen noch vor ihren Büchern. Mittlerweile befindet sie sich im zweiten Semester. Ihre Noten sind nicht überragend, aber annehmbar, wie sie selbst sagt. Das erste Mal arbeitete sie vor knapp einem Jahr als Begleitdame. „Eine Freundin hatte mir davon erzählt. Ich habe relativ früh gemerkt, dass mein Einkommen nicht ausreicht, um über die Runden zu kommen. Also wollte ich es einfach mal versuchen. Zu Anfang hatte ich erwartet, mich dreckig zu fühlen, aber überraschenderweise hat mir die erste Verabredung richtig Spaß gemacht“, erinnert sich die hübsche Brünette mit italienischen Wurzeln an ihre erste Verabredung, die ihr von Escort 77 aus Berlin vermittelt wurde. Und in der Tat ist die Dienstleistung einer Escort-Agentur nur bedingt mit dem schäbigen Gewerbe der Prostitution zu vergleichen. Es handelt es sich hierbei in der Regel um Unternehmen, bei denen die Mitarbeiterinnen auf freiberuflicher Basis arbeiten, ganz offiziell. „So wie jeder andere Freiberufler gebe auch ich meine Einkünfte in der jährlichen Einkommensteuererklärung an“, äußert sich Joleen.

Rechtliche Voraussetzungen für die Legalität von Escort Services

- Jede Begleitdame muss das 18. Lebensjahr abgeschlossen haben und somit volljährig sein.
- Das sexuelle Selbstbestimmungsrecht darf laut „§ 181a StGB – Zuhälterei“ nicht durch Überwachungs- oder Zwangsmaßnahmen unterlaufen werden.
- Die Agenturen dürfen ihre Mitarbeiterinnen nicht durch Ausnutzung einer Zwangslage zur Prostitution zwingen. Hierunter fällt beispielsweise „§ 232 StGB – Menschenhandel“ zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.

Und tatsächlich ist es in keiner Weise illegal, einen Escort Service in Deutschland anzubieten. Die Agenturen besitzen in der Regel ein breites Portfolio an Begleitdamen. Kunden wählen ihre gewünschte Begleitung aus und der Service-Anbieter vermittelt die Kontaktdaten. Dafür erhalten sie eine Provision. Was die Kunden und Begleitdamen mit ihrer Zeit anstellen, das entscheiden diese selber. „Niemand hat mich jemals gezwungen, etwas zu tun, was ich nicht wollte“, antwortet die brünette Schönheit auf die Frage, ob sie sich jemals in einer Situation unwohl fühlte.

Für viele ein lohnendes Geschäftsmodell

Joleen gibt sogar Einblicke in ihre Verdienstspanne. Wie viel sie an ihre Agentur weiterleiten muss, das möchte sie jedoch nicht verraten. „Betriebsgeheimnis“, nennt sie dies, verweist aber darauf, dass sie so viel Geld in kurzer Zeit verdient, dass sich die Arbeit mehr lohne als fünf Nebenjobs. Außerdem habe sie Freude an ihrer Arbeit.

„Früher habe ich mich mit jungen Studenten in einer Bar getroffen. Heute gehe ich am Wochenende in schicke Restaurants, darf mich mit eloquenten Geschäftsmännern unterhalten, die mir oftmals sogar teure Geschenke machen. Und dafür werde ich sogar bezahlt“, verkündet die Halbitalienerin ganz stolz.


                                                                                                    Grafik: abendzeitung-muenchen.de

Und tatsächlich reift der Escort Service für viele junge Frauen zu einem lohnenden Geschäftsmodell. Joleen verdient circa 150 Euro in einer Stunde. Von diesem Stundenlohn können manche Studenten nur träumen. Besonders in den USA sind „High Class Escort Girls“ in der Geschäftswelt gefragt – und werden dementsprechend entlohnt. Einen Stundenlohn von 2.000 US-Dollar kann Joleen zwar nicht vorweisen, so wie es Avery Moore, eine berühmte Begleitdame aus den USA, kürzlich publik machte, ihr Einkommen reicht aber für mehr als nur zum Überleben.

Dabei sind es nicht nur ihre eigenen Sachen, die den Reiz ausmachen. Joleen besucht schicke Hotels, in denen sie sich nicht einmal eine einzige Übernachtung leisten könnte. Einmal ist sie sogar in einem Privatjet mitgeflogen und hat einen Kunden im Ausland für mehrere Tage begleitet. „Solche Buchungen sind natürlich selten und müssen zeitlich passen. Der Extraverdienst bei Auslandsaufenthalten ist aber sehr reizvoll, weil dies auch eine Art kostenloser Urlaub ist, “ schwelgt Joleen in Erinnerung.

Kunden kann man sich nur bedingt aussuchen

Mittlerweile hat sich Joleen einen Stammkundenkreis erarbeitet. Hier wisse sie stets, woran sie ist. „Gerade zu Anfang war es schwierig, weil man nicht genau wusste, worauf man sich einlässt. Die meisten Männer sind aber sehr nett“, plaudert Joleen aus dem Nähkästchen.

Diskretion ist hingegen ein Muss. In der Regel müssen Escort-Damen Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen und dürfen geheime Informationen über ihren Arbeitgeber und auch über Kunden nicht weitergeben. „Wer die Namen von Kunden öffentlich macht, hat zum letzten Mal als Begleitdame gearbeitet“, ist sich die Studentin sicher. In ihrem Kollegenkreis sei dies aber noch nie vorgekommen.


 An der Bar in einem Nachtclub.                                                                                        Foto: Fotolia

Überraschenderweise seien viele ihrer Begleiter verheiratete Männer, die bereits jahrelang verheiratet sind und sogar Kinder haben. Viele von ihnen seien gar nicht auf der Suche nach einem erotischen Abenteuer. Vielmehr drehe sich vieles ums Reden und Zuhören.

„Einmal hat ein Kunde urplötzlich angefangen zu weinen. Das ist zwar erst einmal passiert, es zeigte mir aber, dass viele Männer nur eine nette Begleitung für einen Abend suchen, vielleicht weil sie aus einer zerrütteten Ehe kommen oder es beruflich nicht gut bei ihnen läuft“, ist sich die angehende Zahnmedizinerin sicher. Private Fragen stelle sie aber nie. Gerade unter Begleitdamen gebe es eine Art Etikette. Da müsse der Kunde schon von sich aus etwas aus seinem Privatleben erzählen.

Viele Männer sind paranoid

Joleen selbst empfindet ihren Beruf nicht als Schmach. Viel mehr ist sie stolz, dass andere sie attraktiv finden und sogar Geld dafür bezahlen, einen Tag oder Abend mit ihr verbringen zu dürfen. Bis auf eine Freundin weiß aber dennoch niemand, womit genau sie ihr Geld verdient. „Essen, Schlafen, Liebe sind doch alles Dinge, die jeder von uns benötigt. Leider stehen nicht viele dazu“, muss die 22-Jährige konstatieren.

In der Tat versuchen viele Männer geheim zu halten, dass sie einen Escort Service in Anspruch genommen haben. Einmal habe Joleen eine halbe Weltreise auf sich nehmen müssen, musste sogar einmal die Limousine wechseln und über eine Stunde im Hotel warten, bevor ihr Kunde erschienen ist. Dieser habe sich darum gesorgt, dass ihn Kollegen bei seiner Verabredung ertappen könnten.

„Vermutlich wird es niemals soweit kommen, dass ein Kunde ehrlich dazu steht, eine bezahlte Verabredung an seiner Seite zu haben. Vielleicht sind viele auch ein wenig zu stolz, um zugeben zu können, dass sie für eine weibliche Begleitung bezahlt haben“, meint Joleen, bevor sie sich endgültig auf den Weg macht. Dieses Mal trifft sie sich mit einem Stammkunden in einem Berliner Edelrestaurant. „Morgen geht es dann früh in die Universität. Ich hoffe, ich muss heute keine Überstunden machen“, äußert sich Joleen zuletzt und macht sich auf den Weg zu einem ganz normalen und gut bezahlten Arbeitstag.

 

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