Felix Magath im Interview Magath: "Die Bayern sind mal wieder fällig"

Vor dem Duell seiner beiden Ex-Klubs traut Felix Magath dem VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern die Überraschung zu. Für die nächste Saison ernennt er Schweinsteiger und Co. zum Favoriten auf die Champions League.

AZ: Herr Magath, am Freitag spielen zwei Ihrer Ex-Vereine gegeneinander: Wolfsburg empfängt den FC Bayern. Werden Sie vor Ort sein? Und sind Sie dort nach Ihrer Entlassung überhaupt erwünscht?

FELIX MAGATH: Es gibt Leute, die sehen mich gerne. Und es gibt Leute, die sehen mich nicht so gerne. Ich habe am Wochenende frei, werde nicht für "Liga total!" als Experte im Einsatz sein. Unwahrscheinlich, dass ich mir das Spiel am TV anschaue.

Sie haben sechs Kinder. Wie viele verschiedene Trikots werden da an einem Bundesliga-Wochenende getragen?

Keines mehr. Das letzte, was sie angezogen haben, war ein grünes, also vom VfL. Das hat sich seit ein paar Monaten aber erledigt.

Ist eines Ihrer Kinder noch Bayern-Fan?

Nein, da ist keiner hängengeblieben.

Uli Hoeneß meint über Ihre Zeit in München: "Wenn du es mit zwei Titeln in Folge schaffst, 80 Prozent der Spieler gegen dich aufzubringen, stimmt etwas nicht."

Wenn Erfolg ausbleibt, wird der Trainer entlassen - das ist auch beim FC Bayern so. Nehmen Sie mal die letzten zehn Jahre: Da gab es keinen Trainer, der länger beim FC Bayern gearbeitet hat als ich. Nun sind Sie überrascht, oder?

Nein, nein. Außerdem haben Sie das doppelte Double geholt.

Das stimmt! Aber ein Vereinsverantwortlicher muss eine Trainerentlassung immer irgendwie begründen. Ich habe diese beiden Double auf meine Art und Weise gewonnen, damals war es in Ordnung, wie ich meine Arbeit gemacht habe. 2004 hat Uli Hoeneß gesagt, wir brauchen wieder einen Trainer, der Disziplin reinbringt und richtig arbeiten lässt. Das habe ich gemacht.

Schafft es Wolfsburg, sich souverän zu retten?

Na ja, von "retten" kann keine Rede sein, mit dem Abstieg hat der VfL nichts zu tun. Ich traue der Mannschaft noch einen Europa-League-Platz zu. Auch wenn die Bayern in dieser Saison überragend sind – aber irgendwann sind sie wieder fällig. Das könnte genau jetzt vor einem Champions-League-Spiel (am Dienstag bei Arsenal, d. Red.) sein, das ist dem BVB ja gegen den HSV auch passiert.

Wie beurteilen Sie die Saison von Bastian Schweinsteiger?

Durch van Gaal ist er zu einer neuen Rolle gekommen. Mir gefällt er da sehr gut, er scheut sich nicht, in Zweikämpfe zu gehen, ist dazu noch technisch versiert, torgefährlich, kann flanken und schießen. Er macht viel aus dieser Position, jeder Trainer wäre dankbar, ihn zu haben.

Günter Netzer und Olaf Thon haben ihn stark kritisiert: zu defensiv, zu risikolos.

Das ist in dieser Saison eben das Spiel des FC Bayern. Anders als Borussia Dortmund, die recht schnell aufs Tor spielen, hat Bayern eine Spielanlage, die eher auf Ballbesitz ausgerichtet ist. Er spielt das, was die Mannschaft braucht, kann aber auch nach vorne aktiv werden. Von seiner Präsenz, seiner Persönlichkeit und seinem Können her ist Schweinsteiger nach wie vor überragend und auch für die Nationalelf unverzichtbar.

Sie haben gesagt, dass Sie sich vorstellen können, dass BVB-Stürmer Robert Lewandowski zu Bayern wechselt.

Es würde zu dem Schema passen, von einem direkten Konkurrenten Spieler zu holen. Davon hat Uli Hoeneß in den letzten Jahrzehnten immer sehr geschickt Gebrauch gemacht.

Glauben Sie, dass Bayern und Dortmund die Liga über Jahre hinaus dominieren werden?

So gut wie in dieser Saison habe ich die Bayern noch nie gesehen. In der Bundesliga ist man sicher durch. Wenn sie im DFB-Pokal die Dortmunder bezwingen, wäre der größte Konkurrent ausgeschaltet. Dazu könnte sich wiederholen, dass die Bayern wie 1999 und 2011 nach einem verlorenen Champions-League-Finale wieder eins gewinnen.

Also trauen Sie den Bayern das Triple zu?

Selbstverständlich. Ich sehe die Bayern wieder im Finale.

Das Triple wäre aber auch vom neuen Trainer Pep Guardiola schwer zu toppen.

Pep Guardiola wird zur Zeit als eine Art Messias gefeiert, als würde er den Fußball in München revolutionieren können. Es wird aber schwer, die überragend spielenden Bayern entscheidend zu verbessern. Mit Guardiola sind die Bayern nächste Saison Favorit für den Gewinn der Champions League, entsprechend groß wird der Druck sein. Aber das ist er ja gewohnt.

 

17 Kommentare