Feierlicher Akt am Mittwoch Eisen mit Symbolwert: KZ-Tor zurück in Dachau

Das schmiedeeiserne Tor wird künftig in einer Vitrine im Museum der KZ-Gedenkstätte zu sehen sein. Foto: dpa

Auf einer Müllkippe in Norwegen hat man es wieder entdeckt: Das Tor der Dachauer Gedenkstätte. Seit Mittwoch ist es zurück.

 

Dachau -  Es ist Punkt 12.14 Uhr, als zwei Mitarbeiter einer Spedition die Türen des Lasters öffnen. Sie lösen die Gurte, mit denen die sorgfältig verpackte Ladung gesichert ist.

Als die Männer das Paket behutsam anheben und wie zerbrechliches Glas auf ein Gestell legen, herrscht andächtige Stille. Die Ladung sind 100 Kilo rostiges Eisen – mit hohem Symbolwert – für die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten.

Karl Freller, Stiftungsdirektor für die Gedenkstätte, packt gestern Mittag selber mit an, als das eiserne Stück mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ vorsichtig von etlichen Schutzhüllen aus Wellpappe und Luftpolstern befreit wird. Bayern Kultusminister Ludwig Spaenle ist auch vor Ort und spricht von einem „bedeutenden Tag für die Gedenkstätte“. Den Diebstahl des Tores nennt er eine Aggression gegen den Ort des Erinnerns, die durch die Rückkehr aber nun ein Stück weit gelindert worden sei.

Tor wird nicht mehr aus den Augen gelassen

Das Aufatmen, das bei Stiftungsdirektor Freller mit der Rückkehr des Tors verbunden ist, kann man spüren. Und der Direktor legt auch gleich das Versprechen ab, das Tor künftig nicht mehr aus den Augen zu lassen. Die Umstände, die vor zwei Jahren zum Verschwinden des geschichtsträchtigen Eisenstücks führten, sind bis heute nicht aufgeklärt. Schon entschieden wurde, dass das Original jetzt ins Museum kommt . Nach dem Diebstahl war am Eingang eine Replik des Tores angebracht worden, sie wird dort bleiben.

Der Diebstahl vor über zwei Jahren, in der Nacht auf 2. November 2014, hatte für weltweites Aufsehen gesorgt. Zwar gab es eine ganze Reihe von Spuren, darunter auch der Hinweis auf ein Auto mit skandinavischem Kennzeichen, das in der Nähe der KZ-Gedenkstätte gesehen worden sein soll, doch eine heiße Spur auf die Tor-Diebe gab es nicht.

"Schändung der Gedenkstätte"

Der Präsident des Internationalen Dachaukomitees, Jean-Michel Thomas, sagt, er sei „nach wie vor äußerst bestürzt über die Schändung der Gedenkstätte“. Es handele sich ebenso wie im Vernichtungslager Auschwitz um einen abscheulichen Angriff auf den Ort der Erinnerung. Dort war im Dezember 2009 der Schriftzug „Arbeit macht frei“ über dem Eingangstor gestohlen worden.

Die überraschende Wende in dem schier unlösbaren Fall um das Dachauer Tor trat Ende vergangenen Jahres ein: Die norwegische Polizei hatte einen anonymen Hinweis erhalten und das bereits an Griff und Metallstreben angerostete Tor auf einer wilden Müllkippe am Rande Bergens entdeckt. „Wir haben Fotos übermittelt und auf bestimmte besondere Merkmale hingewiesen. Danach war schnell klar, dass es sich eindeutig um das Originaltor handelt“, berichtet Freller über den Abgleich. Es dauerte drei Monate bis zur Rückkehr des Eisentors. Bürokratische Erschwernisse durch lange Urlaubszeiten und dienstliche Verpflichtungen von Entscheidungsträgern in den Ministerien zehrten etwas an den Nerven des Stiftungsdirektors, doch am Ende funktionierte alles reibungslos. „Jetzt bin ich froh und dankbar“, sagte er gestern.

Bei der Feier zum 72. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau am 30. April wird das Tor erstmals in der Dauerausstellung der Gedenkstätte zu sehen sein. Das Konzentrationslager war das erste große, dauerhaft angelegte KZ der Nationalsozialisten. Zwischen 1933 und 1945 waren dort mehr als 200 000 Menschen inhaftiert, 41 500 starben. Bis zum Jahrestag der Befreiung soll das Tor fachmännisch konserviert werden. Um es vor Diebstahl zu sichern, wird es künftig in einer alarmgesicherten Vitrine zu sehen sein.

 

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