FCB-Vorstand im Interview Wacker: "Robben nach China? Da freue ich mich"

Der FC Bayern war 2015 auf China-Reise. In der Mitte Jörg Wacker. Foto: dpa

Bayern-Vorstand Jörg Wacker spricht im AZ-Interview über die Reise des FC Bayern nach Fernost, das neue Interesse an Südamerika und den möglichen Wechsel eines FCB-Stars in die chinesische Liga.

Jörg Wacker (49) ist seit 2013 Vorstandsmitglied beim FC Bayern und zuständig für die Themen Internationalisierung und Strategie.

AZ: Herr Wacker, letzte Woche trafen Sie Bundeskanzlerin Angela Merkel und den chinesischen Präsident Xi Jinping. Wie war's? Wie ist es um Ihr Chinesisch bestellt?
Jörg Wacker:
Es war spannend und beeindruckend. Es passiert einem nicht so oft, dass man dem chinesischen Staatspräsidenten und der Bundeskanzlerin die Hand schüttelt und noch ein bisschen Smalltalk macht und über Fußball und den FC Bayern spricht - wirklich außergewöhnlich. Und wenn der chinesische Staatspräsident auch noch weiß, wer der FC Bayern ist und Fragen zum Klub stellt, dann fühlt sich das sehr gut an.

Was will er denn so wissen? Er ist ja bekanntlich ein großer Fußballfan.
Dass ich nicht ins Detail gehe, verstehen Sie sicher. Klar ist allerdings: Fußball ist in China gerade ein sehr großes Thema, das nun auch auf die politische Agenda gehievt worden ist.

Letztes Jahr in den USA hieß es: Note 1 mit Stern. Ist das die Benchmark?
Das ist immer die Benchmark, wenn Sie beim FC Bayern München arbeiten. 2016 war herausragend, und wir versuchen, erneut eine erfolgreiche Tour auf die Beine zu stellen. Dieses Jahr sind wir nicht nur in China, wir gehen auch nach Singapur. Diese Reise wird sicherlich anders werden, aber ich hoffe wieder auf eine Bestnote.

In den USA haben Sie 109 Fanklubs ...
... über 120 sind es jetzt schon.

Wie ist es in China?
In China sind wir erst dabei, das richtig zu verstehen. Dort gibt es keine vergleichbare Fanklub-Kultur. Wir analysieren gerade, wie wir mit unseren Fans besser in Kontakt treten und kommunizieren können.

Kann man denn sagen, wie viele Fans es in China gibt? Bayern-Fans?
Aktuelle Statistiken sprechen von Sympathisanten und nicht von Fans. In China haben wir demnach mehr als 130 Millionen Sympathisanten, insgesamt gibt es mehr als 200 Millionen Fußball-Sympathisanten in China.

Uli Hoeneß hat kürzlich angesprochen, dass es sein großer Traum sei, einen chinesischen Fußballer zu holen. Seine Vision sei es dann, dass die Chinesen einen Euro pro TV-Spiel des FC Bayern bezahlen würden. 300 Millionen Euro wären dann angeblich möglich.
Mit Blick auf die Vermarktung wäre es für jeden Fußball-Klub in Europa ein Traum, einen chinesischen Star zu haben. Aber es gibt aktuell keinen chinesischen Spieler, der die Qualität hat, beim FC Bayern München zu spielen. Und bei uns wird über den Kader ausschließlich sportlich entschieden. Der VfL Wolfsburg hat vergangene Saison Zhang Xizhe verpflichtet – das war ein Riesenhpye bei der Vorstellung des Spielers und danach kam er nicht zum Einsatz. Das ist jedenfalls nicht der Weg des FC Bayern München.

Welche Fußballmarken liegen international noch vor dem FC Bayern?
Wir sind unter den Top 4: Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United und wir.

Ihr Ziel ist, in diesem Zirkel die Nummer 1 zu werden?
Das Ziel des FC Bayern München ist es immer, die Nummer 1 zu werden. Es geht aber auch darum, nachhaltig in der Spitze zu bleiben.

Sie haben bereits Südamerika im Blick.
Ja, aber mit kleinen Schritten. In den USA läuft es sehr gut, und wir haben nun im Vorstand entschieden, von dort aus unsere Fühler nach Südamerika auszustrecken. Dieses Jahr bestreiten wir zwei Spiele in China und zwei in Singapur. Es ist gut möglich dass wir im kommenden Jahr auch ein Spiel in Südamerika machen - sollte die Tour wieder in den Westen gehen.

Haben Sie in Südamerika schon ein Kernland im Blick?
Es gibt in Südamerika kein spezielles Land. Chile liegt wegen Arturo Vidal auf der Hand. Mexiko ist sehr spannend, weil die Mexikaner extrem fußballbegeistert sind. Und nun ist natürlich auch mit der Verpflichtung von James Kolumbien im Fokus. Wie gesagt, wir schauen uns das an - step by step.

Wie steht es generell um die Belastung für die Spieler?
Sie ist hoch, keine Frage. Aber um die Worte von Karl-Heinz Rummenigge zu wiederholen: Internationalisierung ist alternativlos. Und man sollte die Kirche im Dorf lassen. Das Jahr hat 52 Wochen. Wir sind zwölf Tage in Asien und sechs, sieben Tage im Wintertrainingslager in Katar. 49 Wochen sind wir in Deutschland und Europa. Da kann man schon von einer guten Balance sprechen. Und wir müssen diese Wege gehen, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Wie ist Ihre Meinung zu den Gedankengängen, den deutschen Supercup oder Ähnliches mal in Asien stattfinden zu lassen?
Das ist eine sportliche Entscheidung. Ich finde, so wie alles gerade ist, mit dem Supercup, ist es ganz gut so.

Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, der FC Bayern sollte sich nicht in Ländern engagieren, bei denen beispielsweise der Umgang mit den Menschenrechten anzuprangern ist?
Der FC Bayern München, wo immer er sich aufhält, vertritt die verbindenden Werte des Sportes, der Vielfalt und Toleranz, auf die wir in Deutschland stolz sind. Dafür beziehen wir in unseren Gesprächen in den Ländern, in denen wir zu Gast sind, Stellung. Natürlich findet man dann nicht immer 100 Prozent Übereinstimmung. Wir nehmen unsere Verantwortung ernst, aber wir sind in erster Linie ein Fußball-Verein.

Wäre es für den FC Bayern auch wünschenswert, dass beispielsweise ein Arjen Robben nach seiner Zeit in München für ein paar Spielzeiten nach China wechselt?
Klar! Das gilt für jeden Spieler und ehemaligen Spieler, der die Marke des FC Bayern weltweit transportiert. Da bin ich der Erste, der sich freut und applaudiert.

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