FC Bayern vs. TSG Hoffenheim Ancelotti gegen Nagelsmann: Duell der Gegensätze

Am Samstag erstmals Gegner: Bayerns Ancelotti (l.) und der Hoffenheimer Nagelsmann (r.). Foto: dpa/firo/Augenklick

Am Samstag treffen mit Bayerns Ancelotti (57) und dem Hoffenheimer Nagelsmann (29) zwei der aktuell erfolgreichsten Trainer aufeinander. Die AZ vergleicht die beiden – von Erfolgen bis Privatleben.

 

München - Als Julian Nagelsmann am 23. Juli 1987 in Landsberg am Lech auf die Welt kam, hatte sich Carlo Ancelotti gerade der Unsterblichkeit genähert. Weit entfernt von der oberbayerischen Kleinstadt, in der Metropole Mailand. Der damals 28-jährige Ancelotti wechselte im Sommer 1987 vom AS Rom zum AC Milan, er hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine italienische Meisterschaft und vier Pokalsiege errungen. In Mailand war Ancelotti dann noch erfolgreicher: Zwei Triumphe im Europacup der Landesmeister, insgesamt sechs Titel in zwei Jahren, das Team um die Topstars Baresi, Maldini und van Basten wurde nur noch "Gli Immortali" gerufen: die Unsterblichen. Und Julian Nagelsmann? Der flitzte in dieser Zeit wohl in Windeln über den Wohnzimmerteppich.

Fast 30 Jahre später sind die Unterschiede zwischen Ancelotti und Nagelsmann natürlich noch vorhanden, aber nicht mehr ganz so auffällig. In der Bundesliga sind es gerade vier Punkte, die den Coach der TSG Hoffenheim von Ancelotti und Tabellenführer FC Bayern trennen, bei einem Sieg am Samstag (15.30 Uhr/Sky, und im AZ-Liveticker) in der Allianz Arena wäre 1899 plötzlich im Meisterkampf. Nagelsmann (29), der jüngste Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte, gegen Ancelotti (57), den Mann von Welt: Das hat was! Vor dem Spitzenspiel vergleicht die AZ die beiden Trainer.

Karriere als Spieler

Ancelotti, der Titelsammler. 14 nationale und internationale Trophäen gewann der Italiener, der bei seinen Klubs AC Parma, AS Rom und AC Mailand im Mittelfeld spielte. 1990 wurde er mit der Nationalmannschaft Dritter bei der Heim-WM. Nagelsmann kickte in der Jugend für den FC Augsburg und den TSV 1860. Für die Profikarriere reichte es aus Verletzungsgründen (Knie) nicht: 2007 war seine Laufbahn im Alter von nur 20 Jahren beendet.

Karriere und Erfolge als Trainer

Auch als Coach hat Ancelotti alles gewonnen. Gleich dreimal die Champions League (zweimal mit Milan, einmal mit Real Madrid), zudem Meisterschaften und Pokale in Italien, Spanien, England und Frankreich. "Ich habe größten Respekt vor ihm. Jeder trägt den Traum in sich, nur einen Bruchteil seiner Titel zu gewinnen", sagt Nagelsmann über seinen Kollegen. Er selbst wurde mit der Hoffenheimer A-Jugend 2014 Deutscher Meister, sein bisher größter Erfolg. 2015 wollten ihn deshalb auch die Bayern verpflichten, Nagelsmann saß schon in Uli Hoeneß’ Büro, sagte dann aber den Job als U17-Coach ab, weil er zunächst seinen Fußballlehrer machen wollte.

Bilanz in der Bundesliga

Der aktuelle Tabellenplatz der Hoffenheimer täuscht nicht. Seit Nagelsmann das Team im Februar übernahm, holten nur Bayern (58) und Dortmund (48) mehr Punkte als die TSG (42). Eine Champions-League-Bilanz! Noch besser ist Ancelotti. Der erreichte in neun Spielen 23 Punkte, pro Partie sind das 2,6. Nagelsmann kommt auf einen Schnitt von 1,8.

Trainertyp

Die auffälligste Gemeinsamkeit zwischen beiden Trainern? Ihr Kaugummi-Konsum! Beide kauen während des Spiels ohne Unterbrechung, Nagelsmann bevorzugt die Geschmacksrichtung Kirsch/Cassis. Davon abgesehen, begleitet der Hoffenheimer Coach seine Mannschaft an der Seitenlinie etwas emotionaler als Ancelotti.

Bayern gegen Hoffenheim: Spitzenspiel die Zweite

Kürzlich geriet er mit Leverkusens Trainer Roger Schmidt heftig aneinander. Nagelsmanns Vorbild ist Thomas Tuchel. Für den heutigen Coach von Borussia Dortmund arbeitete Nagelsmann in seiner Zeit beim FC Augsburg II, analysierte Gegner. Bei der Mannschaftsführung ähneln sich Ancelotti und sein junger Kollege, sie lassen ihren Spielern Freiheiten, schenken Vertrauen. "Mein Türöffner war Empathie", sagte Nagelsmann einmal der "WAZ". Er halte es "nicht für richtig, draufzuhauen".

Privates Umfeld

Auch hier gibt es Parallelen zwischen Nagelsmann und Ancelotti. Beiden lassen sich gern von Dingen außerhalb des Fußballs inspirieren, Ancelotti etwa interessiert sich für die Filmbranche, Nagelsmann fürs Kite-Surfen, wie er der "Sport Bild" verriet: "Schöne Freizeitgestaltungen sind für mich Luxus. Deshalb muss man auch mal den Fernseher ausschalten, wenn ein gutes Fußballspiel läuft. Gesundheit und eine glückliche Familie sind wichtiger", sagt der Vater eines Sohnes. Ancelotti hat zwei Kinder, Katia und Davide. Den Filius hat er mit zu den Bayern gebracht, er arbeitet als Fitnesscoach.

 

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