FC Bayern Vital wie Jürgens

Beim FC Bayern kriselt es, doch Jupp Heynckes gibt sich weiter bestens gelaunt. „Ich weiß, dass wir das Blatt wenden”, verspricht der Cheftrainer vor den entscheidenden Partien gegen Hoffenheim und Basel

 

München - Der Verdacht lag nahe. Na klar, Weltfrauentag. Doch Jupp Heynckes entkräftete die Unterstellung sofort. „Nein, so etwas gehört sich immer”, sagte der Bayern-Trainer. Er hatte einer Reporterin beim Rausgehen ein heruntergefallenes Handy aufgehoben. Danke, bitte, gerne. Er war guter Laune. Er hatte die Fragerunde an der Säbener Straße hinter sich. Es war ein guter Auftritt in Tagen der Krise als Verteidiger seiner selbst – und das als ehemaliger Stürmer.

Gleich die erste Frage hatte Pfeffer. „Herr Heynckes, sind Sie in der nächsten Saison noch Bayern-Trainer?” Seine Antwort: „Die Frage überrascht mich natürlich nicht, aber ich denke, ich bin so lange im Geschäft, um zu wissen wie die Automatismen sind. Das alles belastet mich überhaupt nicht.” Es folgte ein Plädoyer in eigener Sache, flott und nachvollziehbar vorgetragen: „Ich habe Vertrag hier und gehe davon aus, dass ich diesen Vertrag erfüllen werde. Ich führe meinen Beruf mit großer Leidenschaft und Engagement aus. Der Trainerjob ist für mich keine Arbeit.” Leichtigkeit in schweren Zeiten – da will er seinen Spielern ein Vorbild sein.

Ob er an seine (körperlichen) Grenzen stoße, ihm der Stress, der Druck zu viel werde? „Ich fühle mich vital und ausgeruht. Ich bin 66 – und Sie kennen doch den Song von Udo Jürgens.” Also folgerte Heynckes: „Ich weiß, dass wir das Blatt wenden”, sagte er vor den „immens wichtigen Spielen” am Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) gegen Hoffenheim und kommenden Dienstag (20.45 Uhr/Sky) in der Champions League gegen den FC Basel. Vital wie Jürgens – fehlt nur noch, dass sein Ensemble ebenfalls wieder frisch und kraftstrotzend daherkommt.

Sieben Punkte haben die Bayern nach dem 0:2 in Leverkusen auf Spitzenreiter Borussia Dortmund angesammelt. Dennoch sieht Präsident Uli Hoeneß die Meisterschaft „nicht entschieden”, wie er im „Kicker” sagte, „aber wir müssen endlich einmal mit guten Ergebnissen Druck auf Dortmund machen”. Heynckes stimmte ein und fragte: „Wurde die Meisterschaft schon einmal am 24. Spieltag entschieden? Am Ende der Saison wird abgerechnet.” Auch, was sein Wirken betrifft.

„Keiner bringt seine Leistung. Alle spielen unter Niveau”, monierte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. Seiner Truppe verordnete Heynckes auch am Donnerstag verschärftes Torschusstraining – für den Kopf. „Wir wissen mit Druck umzugehen”, sagte er, „ich bin sehr zuversichtlich für Samstag. Wir wollen gewinnen und so einen Schub bekommen für das Basel-Spiel.” Mit Mittelfeld-Chef Bastian Schweinsteiger, der am Donnerstag im Mannschaftstraining mitmischte und im Kader für das Hoffenheim-Spiel stehen soll. Zur Not lediglich als psyocholgische Stütze.

„Es ist meine Aufgabe, die Mannschaft wieder dahinzuführen, wo wir im ersten Drittel der Saison waren”, sagte Heynckes, „wir haben eine sehr gute Stimmung, das wird sich zeigen.” Ende der Fragenstunde. Wirklich? „Ich dachte, dass zu Christian Wulff noch eine Frage gekommen wäre.”

Heynckes lachte. Sein Zapfenstreich scheint ihm noch weit entfernt. 

 

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