FC Bayern Van Gaal: Einer gegen alle – alle gegen einen

2:3 in Rom, trotzdem Erster. Macht für Louis van Gaal zusammen: ein lachendes und weinendes Auge. Foto: dapd

ROM - Hoeneß, Rummenigge und nun auch noch Ribéry: Bayerns sturer Trainer Louis van Gaal stößt Bosse und Stars gleichermaßen vor den Kopf – und bekommt nun vermehrt Widerstand zu spüren.

 

Es ist ja nicht so, dass die Situation alle total kalt erwischt. Louis van Gaal hatte wohl schon im April so eine Ahnung. Damals, als die Bayern-Welt noch in Ordnung war, als sich Mannschaft, Coach, Bosse und Fans noch berauschten am schönen Spiel, an Robbens Toren, an Triumphen in letzter Minute, an van Gaals lustigen Wort-Neuschöpfungen und dem Beinahe-Triple. Damals meinte Louis van Gaal: „Wenn wir alle drei Titel holen, dann gehe ich weg. Dann kann ich nichts mehr verbessern." Bayern holte das Double, der Trainer verlängerte im September seinen Vertrag bis 2012 – wider besseren Wissens?

Vor dem Champions-League-Spiel der Bayern in Rom (Spiel bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht begonnen) nämlich ist die Situation folgende: Bayern hat in der Bundesliga in 13 Spieltagen 14 Punkte Rückstand auf Dortmund aufgebaut, Arjen Robben ist noch lange verletzt, seine Kollegen haben schon lange keine Spiele mehr in der letzten Minute gedreht – und seit Wochen gibt es Konflikte wie zu besten FC-Hollywood-Zeiten. Immer mittendrin: Mijnher Louis van Gaal. Allein gegen alle. Oder, je nach Blickwinkel: Alle gegen einen.

Rund um den Trip nach Rom, der dank der vier Siege zum Auftakt der Champions-League-Saison eine Vergnügungsreise hätte sein können, tun sich, zusätzlich zum Konflikt mit Präsident Uli Hoeneß, zwei weitere Fronten auf:

Ribéry gegen van Gaal:

Am Montag gab der Franzose dem TV-Sender „Sky" ein Interview. „Ich gebe mein Bestes, tue alles, um wieder fit zu sein. Aber wenn der Trainer immer schlecht über einen redet, wenn er einen immer wieder runter zieht, dann wird es schwierig", sagte er da. Es ist die enttäuschte Reaktion eines allzu sensiblen Kickers, der vom Coach zuletzt kritisiert worden war. „Er hat sich nicht bemüht, schade!", hatte van Gaal über Ribérys Leistung beim Testspiel gegen Haching geurteilt. Doch Ribéry geht sogar weiter: Er könne nicht sagen, dass er viel Spaß mit van Gaal habe oder eine besonders Beziehung zu ihm. „Ich mache meinen Job, er macht seinen." Wenn dies keine Einzelmeinung ist, dann könnte van Gaals größter Trumpf, das gute Verhältnis zum Team, bröckeln.

Rummenigge gegen van Gaal:

Am Montagvormittag hatte sich der Vorstandsboss gezwungen gesehen, den Coach in die Schranken zu weisen – und van Gaal klar zu machen, dass der Vorstand entscheidet, ob Bastian Schweinsteiger verkauft wird oder nicht. „Bastian bleibt sicher mindestens bis 2012. In diesem Fall nehme ich mir das Recht heraus, das letzte Wort zu haben", sagte Rummenigge und sprach dem Trainer jedwede Kompetenz in Sachen Transferpolitik ab. Van Gaal akzeptierte, drehte den Spieß aber prompt um. Den von Rummenigge beiläufig daher gesagten Satz, dass in Rom Reservisten zum Zug kommen könnten, konterte der Coach biestig: „Ich glaube nicht, dass der Vorstandsvorsitzende die Aufstellung macht."

Hoeneß gegen van Gaal:

Der Präsident hatte den Coach vor drei Wochen im TV abgewatscht, van Gaal sei schwierig, lasse sich nichts sagen. Es folgte die Pro-Forma-Versöhnung in Cluj. Hoeneß will eigentlich bis Weihnachten nicht reden, hält aber jede Woche Vorträge, in denen er auch über den FC Bayern spricht. Außerdem muss van Gaal ihm nun regelmäßig wieder bei den turnusmäßigen Sitzungen seine Ideen vortragen.

Filippo Cataldo

 

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