FC Bayern „Trau dich, Franck!“

Schon beim Spiel in Mönchengladbach am Samstag könnte Franck Ribéry zurück in die Mannschaft kehren. Foto: firo/Augenklick

Hier erklärt Daniel van Buyten, warum er nicht mehr länger Ribérys Dolmetscher sein muss. Und spricht zudem über seine sportliche Zukunft, seine Rolle als Vater – und das Windelnwechseln

 

AZ: Glückwunsch, Herr van Buyten! Sie sind nach drei Jahren die Rolle als Dolmetscher los, Franck Ribéry spricht jetzt sogar Deutsch.

DANIEL VAN BUYTEN: Franck kann schon länger Deutsch. Wenn wir zusammen unterwegs waren, hat er sich mit den Leuten immer auf Deutsch unterhalten. Bei Interviews hatte er aber Angst, dass er falsch verstanden wird. Ich habe ihm jetzt aber gesagt, dass er sich einfach mal trauen und Deutsch sprechen soll.

Hatten Sie keine Lust mehr, ständig für ihn zu übersetzen?

Das ist es nicht. Ich glaube, dass ich Franck damit einen Gefallen getan habe. Er hat seinen Vertrag beim FC Bayern um fünf Jahre verlängert, er identifiziert sich mit dem Klub. Da gehört es dazu, dass man auch die Sprache spricht. Jetzt ist er gezwungen, Deutsch zu sprechen. Ich finde, er macht seine Sache gut und ich glaube, er freut sich auch.

Als Ribéry damals nach München kam, hatten Sie keinen Stammplatz. Haben Sie nie befürchtet, nur als Dolmetscher von Ribéry wahrgenommen zu werden und nicht als Spieler?

Quatsch. Uli Hoeneß hatte mich damals darum gebeten, Franck zu helfen. Das habe ich gerne gemacht, für den FC Bayern, für die Mannschaft, für Franck. Ich wollte, dass er sich wohl fühlt und sofort seine beste Leistung bringt. Und wir haben uns dann auch angefreundet. Es stimmt, dass ich damals viel auf der Bank gesessen bin. Aber ich habe mich immer als Teil der Mannschaft gesehen.

Was geht in einem vor, wenn er plötzlich regelmäßig auf der Bank sitzen muss?

Für mich war das ein völlig neues Gefühl, bevor ich zum FC Bayern kam, war ich nie Ersatzspieler. Es verändert sich alles. Du musst mehr Gas geben im Training, jeden Tag versuchen, das Vertrauen des Trainers zurückzugewinnen. Gleichzeitig verlierst du deine Spielpraxis und bist ständig in Gefahr, vollends den Anschluss an die Mannschaft zu verlieren. Ersatzspieler zu sein, ist anstrengend! Viel anstrengender, als wenn du Stammspieler bist. Vor allem für den Kopf ist es nicht leicht.

Haben Sie je ans Aufgeben gedacht?

Ich denke, dass ich in den zwei Jahren, in denen ich nicht immer gespielt habe, sehr professionell mit der Sache umgegangen bin. Natürlich hatte ich die ganze Zeit keine Lust, auf der Bank zu sitzen. Aber richtig schlimm war es nur vor zwei Jahren...

...als Jürgen Klinsmann Trainer war...

..und ich das Gefühl hatte, belogen zu werden und dass der Trainer nicht ehrlich zu mir war. Klinsmann hat unter der Woche oft mit mir gesprochen, mir Mut gemacht, in Aussicht gestellt, dass ich spielen würde. Und am Samstag war ich wieder draußen. Ich wusste nie, woran ich bin. Das war nicht fair. Weder mir, noch der Mannschaft gegenüber.

Also kann sich Martin Demichelis glücklich schätzen, dass Louis van Gaal ihm klipp und klar erklärt hat, dass er ihn derzeit nur als Ersatz für Sie sieht?

Das ist viel besser. Eine Mannschaft merkt, wenn der Trainer ehrlich zu den Spielern ist und keine falschen Versprechungen macht. Außerdem hast du bei van Gaal immer eine Chance, zurückzukommen. Der Trainer belohnt Leistung.

Van Gaal hat am Freitag bereits angedeutet, dass auch Ihr Platz in der Mannschaft gefährtdet sein könnte, wenn Breno zurückkommt.

Klar, das kann passieren. Mit Demichelis und Breno sind wir vier Innenverteidiger, zwei würden also immer auf der Bank sitzen. Ich halte Breno für ein großes Talent, natürlich ist er auch ein Konkurrent für mich. Keiner kann sich bei van Gaal sicher sein, die ganze Saison über Stammspieler zu sein. Natürlich wäre es nicht einfach für mich, auf die Bank zu gehen. Aber ich bin sicher, dass der Trainer immer fair sein wird.

Sie sind vor etwas mehr als zwei Wochen zum ersten mal Vater geworden. Bekommen Sie noch genug Schlaf?

Es geht schon, Lou-Ann ist sehr brav. Und die Freude, dass es jetzt diesen Menschen in unserem Leben gibt, überstrahlt sowieso alles. Das Leben meiner Freundin (Celine, die Red.) und mir dreht sich momentan nur um die Kleine, unser ganzer Tagesablauf richtet sich nach ihr. Ich versuche wirklich, jede freie Sekunde mit meiner Familie zu verbringen. Essen gehen oder Shopping mit Franck und den anderen fällt zur Zeit flach. Aber das ist gut. Celine und ich haben uns bewusst entschieden, ein Kind zu bekommen. Wir waren bereit dafür und genießen jeden Moment mit Lou-Ann.

Können Sie Windeln wechseln?

Na klar! Das funktioniert ausgezeichnet und macht mir auch Spaß. Ich versuche Celine so gut es geht zu helfen – vor allem jetzt, wo noch alles neu ist für uns. Interview: F. Cataldo

 

0 Kommentare