FC Bayern Spekulationen um Transfer: Wenn der Käpt’n von Bord muss!

Auf dem Boden der Tatsachen: Noch-Bayer Mark van Bommel Foto: dpa

Mark van Bommel nennt seinen möglichen Abgang im Winter „kurios“. Doch dass Spielführer ausrangiert werden, hat Tradition.

 

MÜNCHEN Drei Tore hatte Mario Gomez beim VfB Stuttgart erzielt. Nur mal rein theoretisch: Zieht man den Dreierpack ab, hätte der FC Bayern 2:3 verloren. So unwichtig war sein Auftritt also nicht. Kurz bevor der Torjäger in den Bus stieg, wurde er nach dem drohenden Abschied von Mark van Bommel zum VfL Wolfsburg befragt. Seine Antwort: „Er ist unser Kapitän und wichtigster Spieler.“ Ende der Durchsage.

Und Ende der Zusammenarbeit. In der Winterpause wird sich van Bommel wohl verabschieden (müssen), die Bayern wollen sich verjüngen auf der Position im defensiven Mittelfeld. Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick bestätigte nun „ein offiziell hinterlegtes Interesse von Bayern“ an Luiz Gustavo. Zuletzt hatte er einen Wechsel des Brasilianers noch als „Blödsinn“ abgetan, nun kommentierte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp die Gerüchte so: „Ich sage nicht, dass das nicht Charme hätte.“

Wenig Charme hätte der plötzliche Abgang des Holländers, seit 2008 der erste Ausländer der Klubhistorie in diesem Amt, er selbst nennt es „kurios“. Van Bommel hat sich aber wohl mit einem Abschied abgefunden, nachdem ihm kein neuer Vertrag ab Sommer von Vereinsseite angeboten wurde, nun forciere er einen sofortigen Abgang.

Sein letztes Spiel: das DFB-Pokal-Achtelfinale am Mittwoch (20.30 Uhr, ZDF live) in Stuttgart. Nicht das erste unschöne, unfreiwillige Lebewohl eines Bayern-Kapitäns. Ein Blick in die Geschichtsbücher:

Stefan Effenberg 2002: Auch sein Vertrag sollte nicht verlängert werden, Trainer Otmar Hitzfeld nahm ihn nach und nach aus dem Team. Am letzten Spieltag fehlte er wegen einer Sehnenscheidenentzündung (angeblich eine „genommene Verletzung“). „2001 ist unvergessen – danke Effe“ hieß es auf einem Plakat, es mischten sich aber auch viele Pfiffe unter den Jubel im Olympiastadion. Die Bosse waren spätestens seit seiner Aussage im „Playboy“ („Runter mit der Stütze“) auf Distanz gegangen, nach einem Mannschafts-Essen im „Käfer“ tanzte er mit seiner damaligen Frau Martina bis früh um halbsechs in der Nobel-Disco „Maximilians“ – ohne die Kollegen.

Thomas Helmer 1999: Dass die Partie gegen Bochum am 22. Mai 1999 sein letzter Einsatz war, konnte er nicht wissen. Vier Tage später erlebte Helmer seine bittersten Karriere-Momente auf der Ersatzbank des Camp Nou. Hitzfeld wechselte statt Helmer Fink ein, der Noch-Kapitän zeigte dem Coach den „Stinkefinger“. Den Bossen war er spätestens seit seiner aufmüpfigen Brandrede als Ersatz-Kapitän in Göteborg 1995 suspekt.

Lothar Matthäus 1997: Der ewige Streit mit Dauerrivale Jürgen Klinsmann und die Veröffentlichung seines „Tagebuches“ kostete ihn unter Trainer Giovanni Trapattoni das Kapitänsamt. Matthäus war in großen Teilen der Mannschaft nicht mehr vermittelbar. Helmer übernahm, Matthäus ging im März 2000 nach New York.

Raimond Aumann 1994: Jahrelang hatte er sich mit Jean-Marie Pfaff um die Nummer eins im Tor duelliert, war schließlich auch dank seiner Jugend als Sieger hervorgegangen. Bei den Fans war „Raimondo milanese“ seit dem Wunder von San Siro 1988 ein Held. Doch als die Bosse für den Sommer 1994 den Karlsruher Oliver Kahn als Keeper Nummer eins verpflichteten, flüchtete Aumann beleidigt zu Besiktas Istanbul.

Klaus Augenthaler 1991: Der bayerische Mannsbild-Kapitän wurde ausgerechnet von seinem Körper zur vorzeitigen Aufgabe gezwungen. „Ich wollte nicht als Invalide aufhören“, sagte er nach seinem letzten Spiel im Juni 1991, zuvor hatte ihm Trainer Jupp Heynckes Stefan Reuter als Libero vorgezogen. Zu den Kollegen sagte „der Auge“ ironisch: „Ich ärgere mich jetzt nicht mehr mit euch rum.“

Sepp Maier 1979: Seine Ära fand ein tragisches Ende. Als er am 14. Juli 1979 mit seinem Jaguar einen schweren Verkehrsunfall verursachte, trug er mehrere Rippenbrüche, einen Armbruch, eine Gehirnerschütterung und einen Zwerchfell-Riss davon. Er kämpfte ums Comeback, Neu-Manager Uli Hoeneß riet ihm, die Invaliditätsversicherung anzunehmen, Walter Junghans wurde neuer Torwart.

Gerd Müller 1979: Der „Bomber der Nation“ war zwar nur einige Wochen Kapitän, doch sein Abgang spektakulär. Am 3. Februar 1979 wurde der Torjäger vom damaligen Trainer Pal Csernai gedemütigt, in Frankfurt trotz Rückstands erstmals in seiner Karriere ausgewechselt. Drei Tage später unterschrieb er im Zorn einen Vertrag bei Fort Lauderdale in Florida.

Franz Beckenbauer: Sieben Jahre war er Kapitän, sein Abgang kam einer Flucht gleich. Die Liaison mit der Fotografin Diana Sandmann und steuerliche Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass er 1977 in einer Blitzaktion nach New York zur Star-Truppe Cosmos wechselte.

Einzig Oliver Kahn (erhielt zwei Jahre vor seinem Abschied noch einen lukrativen Zweijahresvertrag bis 2008), Karl-Heinz Rummenigge (sanierte den Verein 1984 mit seinem Wechsel zu Inter Mailand) und Werner Olk (1970) bekamen einen ehrenvollen Abschied.

Patrick Strasser

 

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