FC Bayern Sir trifft Gott

Sir Alex Ferguson ist seit mehr als 20 Jahren ManU-Trainer. Foto: dpa

Wieso Bayerns van Gaal neidisch auf ManU-Kollege Ferguson ist – und was die beiden Startrainer dennoch gemeinsam haben.

 

MÜNCHEN Louis van Gaal ist eifersüchtig auf Sir Alex Ferguson. Das hat er am Montag zugegeben. Eifersüchtig jedoch nicht auf den Titel „Sir", den der Coach von ManU trägt, seit er im Juli 1999 von Queen Elisabeth II zum Ritter geschlagen wurde. Der Neid bezieht sich auch nicht auf „Rock of Gibraltar“, das Rennpferd, das Ferguson (68) als Miteigentümer besitzt.

Nein, es geht um Fußball. Um das Spielsystem, um die Ordnung, die Taktik. „Die Ordnung bei Manchester United ist immer gut, darauf bin ich eifersüchtig“, meinte der 58-Jährige am Tag vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den englischen Meister.

Louis van Gaal hatte gute Laune, sprach über eine halbe Stunde mit den Reportern in der Allianz Arena. Er hatte Spaß auf dieser großen, internationalen Bühne. „Es ist ein großes Spiel – für die Spieler, auch für die Trainer“, sagte van Gaal und erklärte, warum es für ihn eine besondere Partie ist: „Wir spielen gegen das Niveau eins, das ist eine große Herausforderung für uns. Unter die letzten Acht in Europa zu kommen, war unser Ziel, das hat mir der Vorstand gesagt. Aber ich will mehr – und meine Spieler auch."

Das Halbfinale als Traumziel – was wohl nur zu erreichen ist, wenn Arjen Robben, der beste Bayer des Jahres 2010, am Dienstagabend spielen kann. Beim Abschlusstraining fehlte er, es bleibt dabei: Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, ob der Holländer spielfähig wird. Beim 1:2 am Samstag gegen Stuttgart hatte van Gaal den Linksfuß erst nach der Pause ins Spiel gebracht, gegen Ende konnte sich Robben kaum noch bewegen, die linke Wade war gezerrt.

„Ich habe am Samstag Arjen geschützt", sagte van Gaal, „ich dachte, es wäre besser, er fängt nicht an. Aber Arjen und der Doktor (Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, d.Red.) haben gesagt, dass er spielen kann. Wir müssen aber immer vorsichtig sein, mit einem Spieler, der so viele Tempodribblings macht. Er ist eigentlich nicht verletzt, aber sein Muskel ist müde. Wir tun alles, um ihn fit zu bekommen." Massagen, Spritzen, leichtes Lauftraining.

Da auch Franck Ribéry nicht wirklich fit ist und im Mittelfeld Bastian Schweinsteiger gesperrt fehlt (er wird wohl durch Danijel Pranjic ersetzt), setzen die Bayern auf Robbens Heilfleisch. Van Gaal: „Es ist ein großes Spiel, da brauchen wir einen wie Robben. Aber da reichen 80 Prozent Fitness nicht. Wenn Robben nicht zu 100 Prozent fit ist, spielt er nicht." Thomas Müller wäre die Alternative auf links, Ivica Olic würde hinter der einzigen Spitze Miroslav Klose spielen. Van Gaal bestätigte, dass Mario Gomez nach seinem auskurierten Muskelfaserriss als Joker auf der Bank sitzt.

Ob mit oder ohne Robben – dieses Viertelfinale ist auch ein Trainer-Duell. Ein Sir trifft auf Gott. „Ich sehe aus wie ein Gott“, soll van Gaal während der Wiesn über seinen Look in Lederhosen geflachst haben. Die beiden Trainer haben fast alle Titel gewonnen, selbst die Champions League. „Ferguson spielt mit seinem Team ein ähnliches System wie ich", sagte van Gaal. Und doch, einen Unterschied fand er: „Er ist 28 Jahre beschäftigt mit ManU, ich erst acht Monate mit Bayern" Wobei, das war zu viel des Neids: Ferguson ist erst seit 1986 Trainer bei ManU, vier Jahre weniger als van Gaal dachte.

Patrick Strasser

 

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