FC Bayern Schweinsteiger: Wie ein Co-Trainer

Er war irgendwie alles am Mittwoch: Bastian Schweinsteiger, der Rückkehrer, Erlöser, Spielmacher, Torschütze. Foto: Tobias Hase, dpa

Bastian Schweinsteiger trifft gegen das Chelsea-Trauma – und wächst wieder in die ihm angedachte Rolle als Chef auf dem Platz. Auch dank Nebenmann Javi Martínez

 

MÜNCHEN - Er hat dem Schicksal die Zunge rausgestreckt. Als Bastian Schweinsteiger losrannte, um seinen Treffer zum 1:0 gegen Valencia zu feiern, schien es, als wolle er den Fußball-Gott derblecken.

Er hat sich selbst befreit. Ein Tor als Eigentherapie. Gegen die Erinnerung, gegen die bösen Geister vom Mai diesen Jahres. Gegen diese ewigen Fragen nach seinem Pfosten-Elfmeter im Finale der Champions League gegen den FC Chelsea. Und so war der 28-Jährige auch recht kurz angebunden, als er nach dem 2:1 gegen die Spanier auf die Schicksalsnacht des 19. Mai angesprochen wurde.

"Das ist Schnee von gestern. Dass man es nie vergessen wird, ist klar. Aber es hat nichts mit dem Auftreten gegen Valencia zu tun”, betonte er im ZDF. Schwamm drüber? Das wird nicht gelingen.

"Im Grunde steckst du sowas gar nicht weg”, meinte das ManU-Opfer Oliver Kahn, "wenn du mich nach ’99 fragst – das hab ich bis heute nicht richtig weggesteckt, da denk ich immer noch dran. Das steckt noch in dir. Und jetzt haben sie 2010 das Finale verloren und 2012, das muss man erst einmal verarbeiten.”

Am besten häppchenweise. Damit’s ja keine Blockade wird. Die nächste Herausforderung ist die schwerste. Schweinsteiger wollte seine Story ganz bewusst nicht in den Vordergrund rücken, sein Thema war: die Mannschaft.

Und in erster Linie sein neuer Nebenmann Javi Martínez. Der Vizekapitän sieht es als seine Aufgabe, dem Spanier zu helfen. Kurze Absprachen, Abklatschen, aufmunternde Worte, ständiger Blickkontakt. Schweinsteiger macht Martínez besser – und umgekehrt. Bayern wächst.

Früher musste sich der Oberaudorfer um seine Nebenleute kümmern, Fehler beheben. Dank des Basken kann er sich nun mehr auf sich konzentrieren und nebenbei lenken, dirigieren, ansagen. Dank des Duos Schweinsteiger/Martínez ist Toni Kroos in seiner favorisierten Rolle als Zehner beinahe unverzichtbar.

"Bastian ist ein Spieler, der eine wahnsinnig gute Spielübersicht hat”, lobte Trainer Jupp Heynckes, "er hat strategische Fähigkeiten und kommt auch langsam physisch in den Zustand, den er vielleicht vor einem Jahr gehabt hat.” Fit für seinen Nebenjob. Schweinsteiger, der Co-Trainer.

Dank seiner Autorität und seiner Position auf dem Platz ist er Hauptansprechpartner für Trainer Heynckes. Und nach den Spielen hört man aus Schweinsteiger bereits den Coach in spe heraus: "Wir müssen insgesamt harmonieren – wer spielt, macht keinen großen Unterschied”, sagte er und nannte explizit Luiz Gustavo und Anatoliy Tymoshchuk, "wichtig ist, dass sich alle verstehen und ein gutes Bindeglied zwischen Angriff und Abwehr bilden.”

Er hat ein Ziel im Auge: endlich diesen Henkelpott gewinnen. Darauf richtet er alles aus. Unruhe im Kader, ausgehend von unzufriedenen Ersatzspielern, beugt er vor: "Wir haben eine gute Harmonie in der Mannschaft. Wer spielt, gibt Gas. Und wer auf der Bank sitzt, ist nicht böse.” Damit das klar ist. Widerrede zwecklos. Der Vize-Kapitän hat gesprochen.

Herrlich für Heynckes, wenn ihm Arbeit abgenommen wird.

 

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