FC Bayern Sammer und Heynckes: Samma wieder guad?

Beim souveränen 2:0 gegen Hoffenheim nähern sich Sammer und Heynckes wieder an: „Wir haben ein sehr gutes Arbeitsverhältnis.“

 

Wird Zeit, dass Fotoapparate auch Audio-Dateien speichern können. Kurz vor Anpfiff hätte man gern in die Kameras gelauscht, als sich die Bildfabrikanten vor der Bayern-Bank aufbauten, um das Ende der Kurzzeit-Eiszeit zwischen den sportlichen Leitern zu dokumentieren. Da lehnte sich Matthias Sammer vor den zurückweichenden Puffer-Co-Trainern Gerland und Hermann zu Jupp Heynckes rüber, erzählte einen Jokus, auf dass der Coach ganz arg lächeln musste. Schon gut, Botschaft angekommen: ’Eine Harmonie haben wir hier, der Wahnsinn! Samma wieda guad!’ Wirklich?

Motzki Sammer, vor Wochenfrist in Bremen noch die Spaßbremse („nicht gallig, lätschern“), ist beim 2:0 gegen Hoffenheim zum Softie mutiert. Nach Franck Ribérys Führungstreffer sprang er wie Heynckes auf, klatschte ihn ab und versuchte so etwas wie eine Umarmung. In die Augen sahen sie sich dabei nicht. Eine auf Außenstehende zumindest hölzern wirkende Geste. Ein ähnliches Bild nach dem Abpfiff: Sammer legt mit breitem Strahlen beide Arme um Heynckes, dessen obere Extremitäten eher defensiv reagieren. Später sagte Heynckes: „Wer mich kennt, weiß, dass ich so etwas überhaupt nicht mag. Auf der Trainerbank bin ich immer sehr zurückhaltend.“

Für Ex-Real-Trainer Bernd Schuster hat Sammer nichts auf der Bank verloren: „Er gehört da nicht hin! Dafür ist der Trainer da. Es gibt so viele Situationen im Spiel, da fühlst du dich beobachtet. Auf die Bank gehört ein Trainer – sonst niemand!“

Zum Thema der Woche meinte Heynckes: „Wenn ich sage, dass wir uns gut verstehen und optimal zusammenarbeiten, dann ist das so. Das ist nicht aufgesetzt, das ist die Wahrheit. Wir haben in den letzten zwei Tagen zusammengesessen, diskutiert, uns über Fußball ausgetauscht. Matthias und ich haben ein sehr gutes Arbeitsverhältnis. In der besten Familie kommen Unstimmigkeiten vor. Das ist ad acta gelegt. Gemeinsam gehen wir Richtung Erfolg, lassen uns nicht auseinanderdividieren.“ Sammer wollte diesmal nicht sprechen, eilte durch die Mixed Zone und wünschte: „Schönen Abend.“

Mediator Karl-Heinz Rummenigge berichtete derweil vom Krisengipfel Mitte der Woche: „Wir hatten ein sehr gutes, sehr offenes, sehr ehrliches Gespräch. Intern ist das kein Thema mehr.“ Dass das Duo Heynckes/Sammer die Sollbruchstelle des Klubs sein kann, ist dem Vorstandsvorsitzenden bewusst: „Die sportliche Führung besteht aus Sportdirektor und Trainer. Es ist wichtig, dass die beiden harmonisch, vertrauensvoll und ehrlich miteinander umgehen. Und ich habe den Eindruck, dass das nach diesem Gespräch der Fall ist.“

Im Interview mit dem „Spiegel“ stellte Uli Hoeneß klar, dass Sammer weder Heynckes’ Zuarbeiter noch sein Vorgesetzter ist: „Er ist sein Partner.“ Um alle Spieler samt Berater zu betreuen, brauche der Trainer einen Sportdirektor, der ihm „den Rücken frei hält. Natürlich muss er auch vorbehaltlos hinter ihm stehen“.

Die vergangenen Wochen erklärt der Bayern-Präsident so: „Anfangs haben die Medien den neuen Sportdirektor ganz besonders hofiert. Darum hat sich Heynckes mal zu Wort gemeldet, aber schnell gemerkt: Ach, das habe ich eigentlich gar nicht nötig.“ Bei Sammer sieht Hoeneß jedoch noch Verbesserungspotenzial: „Er hat ‚lätschern‘ gesagt statt ‚lätschert‘ - das war also nicht korrektes Bairisch. Er wird das noch lernen.“

 

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