FC Bayern Ribérys Reise in die Vergangenheit

"Wir haben einen gewissen Druck auf den Schultern“, sagte Franck Ribéry deshalb, bevor er in Richtung seiner alten Heimat abhob. Foto: sampics/Augenklick

Der FC Bayern ist am Montagmorgen in Richtung Lille zum Champions-League-Gruppenspiel aufgebrochen. Für Franck Ribéry wird es eine Reise in die Vergangenheit.

 

München - Hier eine Fratze, dort ein kleiner Streich: Franck Ribery war gut drauf, als er am Montagmorgen das Terminal 2 des Münchner Flughafens betrat. Champagner im Flugzeug erlaubte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenige zwar auch zwei Tage nach dem eindrucksvollen 5:0 gegen Fortuna Düsseldorf nicht, der Franzose hatte aber auch so genug Grund zu Freude: In Topform, mit dem Startrekord und der komfortablen Tabellenführung in der Bundesliga im Rücken soll Ribery dafür sorgen, dass Bayern München auch in der Champions League wieder auf Kurs kommt.

Denn gelingt dem Rekordmeister am Dienstag (20.45 Uhr) beim OSC Lille kein Sieg, dürften sowohl die Begeisterung über den nationalen Erfolg als auch Riberys gute Laune im Nu verflogen sein. „Wir haben einen gewissen Druck auf den Schultern“, sagte der 28-Jährige deshalb, bevor er in Richtung seiner alten Heimat abhob. Die Bayern reisten ohne Verteidiger Daniel van Buyten (Rippenstauchung) nach Nordfrankreich. Dafür kehrte Claudio Pizarro in den Kader zurück, der nach seinen Länderspielen mit Peru wegen Jetlags nicht mit nach Düsseldorf gefahren war.

Drei Punkte haben die Münchner vor dem Duell mit der bisher sieglosen Mannschaft von Trainer Rudi Garcia in der vermeintlich leichten Gruppe F auf dem Konto. „Es ist alles gut, wie es ist. Aber wir dürfen und werden den Gegner nicht unterschätzen“, sagte Rummenigge: „Die Franzosen werden ihre letzte Chance in der Champions League suchen.“ Sportvorstand Matthias Sammer warnte mit Blick auf Tabellenplatz drei noch eindringlicher: „Was bisher war, nehmen wir mit – aber dafür kriegen wir keinen Bonus. Es geht bei null los!“ Denn alles andere als der Gruppensieg wäre für die Bayern eine Enttäuschung.

Die Hoffnungen im neuen Grand Stade Lille Métropole ruhen nach dem Gala-Auftritt in Düsseldorf mal wieder auf Dribbelkünstler Ribery. „Er ist im Moment überragend. Wenn das so bleibt, wird es schwer, uns zu stoppen“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Die bisher gelungene Woche mit dem starken 1:1 gegen Spanien und drei Assists
gegen Düsseldorf möchte der französische Nationalspieler nun ausgerechnet vor den Augen zahlreicher Freunde und Verwandter in seiner alten Heimat krönen. Dass der nach wie vor verletzte Arjen Robben derzeit als Partner fehlt, fällt ob Riberys bestechender Verfassung und dem ebenfalls überzeugenden Thomas Müller so gut wie
nicht auf.

Vier Jahre lang hat Ribery als Jugendlicher beim nordfranzösischen Klub das Fußballspielen gelernt und zählt die Zeit zu „einer der wichtigsten meiner Karriere“. Das Fußballinternat von Lille musste er als 16-Jähriger verlassen, weil die Schulnoten zu wünschen übrig ließen. Trotzdem freut er sich auf die Rückkehr an den Ort, an dem sein Traum vom Fußballprofi einst begann und fast geendet hätte. „Ich kann es kaum erwarten, dort einzulaufen“, sagt Ribery.

Auch die Familie wird da sein, um diesen ganz besonderen Abend in der Karriere des Franck Ribery zu genießen. Nichts erinnert mehr an den traurigen Menschen und Fußballer, der privat und auf dem Platz schwierige Zeiten durchleben musste. Der Flügelspieler versprüht derzeit genau die wohlige Freude, die er braucht, um überragend Fußball zu spielen. Er ist links, er ist in der Mitte, er ist rechts - der Düsseldorfer Abwehr dürfte noch heute schwindelig sein, und Ribery will alles dafür tun, dass es der Defensive von Lille ähnlich ergeht.

Der Meisterschafts-Dritte der vergangenen Saison trifft als Tabellenelfter der Ligue 1 nicht mit sonderlich viel Rückenwind auf den Gruppenfavoriten aus München. Immerhin hat das Team in Salomon Kalou einen Mann im Kader, der im vergangenen Jahr mit dem FC Chelsea gegen die Bayern im Finale der Königsklasse triumphierte.

 

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