FC Bayern Ribéry: "Ich kann das Niveau von Messi erreichen"

Mit wieder erlangtem Selbstbewusstsein will der Filou Franck Ribéry zur Weltspitze à la Messi aufschließen. Das sei möglich, "wenn die Basis stimmt". Foto: dpa

Von seinem persönlichen Alptraum Louis van Gaal befreit und so fit wie lange nicht, knüpft Franck Ribéry an die Form seiner ersten Saison bei Bayern München an.

 

Valencia - Er habe einen „großen Traum“, berichtete Franck Ribéry vor einigen Wochen einer großen deutschen Sportzeitung. Den Traum, irgendwann in die Liga der ganz Großen aufzusteigen. Auf einer Stufe mit Zinedine Zidane, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi zu stehen. Der beste Fußballer der Welt zu sein.

„Wenn die Basis stimmt, kann ich das Niveau von Messi erreichen“, sagte er – und die Basis stimmt jetzt. Befreit vom persönlichen Alptraum Louis van Gaal und fit wie lange nicht erinnert er an den Ribéry der Saison 2007/08. Damals, in seinem ersten Jahr bei Bayern München, verzauberte Ribéry selbst die Fans, die Spieler des Rekordmeisters ansonsten gerne mal als Nachkommen leichter Mädchen beleidigen.

Am 18. August 2007 lupfte der Filou im Spiel bei Werder Bremen einen Elfmeter gegen den völlig verdutzten Tim Wiese ins Tor, sein Jonglier-Tänzchen gegen den bedauernswerten Christian Schulz im selben Spiel fehlte später in keinem Saisonrückblick. Die ganze Liga gratulierte dem FC Bayern zu diesem Ausnahmekönner, der in dieser Saison auf elf Tore und acht Vorlagen in 28 Spielen kam – und mit den Münchnern das Double gewann.

Wer Ribéry zu den Gründen für seine Klasse dieser Tage fragt, bekommt bald den Namen Ottmar Hitzfeld zu hören. „Er war der ideale Trainer für mich“, sagt er über den „General“, den er nie als solchen erlebte. Hitzfeld verabschiedete sich allerdings im Mai 2008, und nach einer ordentlichen Saison unter Jürgen Klinsmann und Interimscoach Jupp Heynckes (25 Spiele, neun Tore, elf Assists) ereilte Ribery das „Schicksal“ van Gaal.

Der Niederländer nahm dem Spaßfußballer von Beginn an die Freude am Spiel. Er fesselte den kreativen Geist mit sturem Positionsspiel, er kritisierte ihn öffentlich, und das Schlimmste: er sprach zu selten mit ihm. Verletzungen und die peinliche Rotlicht-Affäre taten ihr Übriges und Ribéry fiel in ein Loch. Nur noch vier Tore erzielte er 2009/10 (in 19 Spielen, fünf Vorlagen), sieben waren es in der vergangenen Saison (25 Spiele, 17 Assists).

In der aktuellen Spielzeit hat Ribéry nach fünf Begegnungen schon drei Treffer erzielt und zwei vorbereitet – beides Rekordwerte für ihn. Bei der Ursachenforschung für das neue Hoch kommt man schnell erneut auf den Trainer. Jupp Heynckes habe „die gleichen Stärken“ wie Hitzfeld, betont Ribéry. „Er spricht viel mit den Spielern und lässt ihnen auf dem Platz ihre Freiheiten. Das ist es, was ich brauche.“

Zwei Jahre – die Zeit unter van Gaal – habe er den Spaß vermisst, „und das geht nicht bei mir“. Jetzt aber geht es wieder – dank Heynckes. „Ich glaube, ich weiß, wie man mit ihm umgehen muss“, sagt der Coach. Heynckes tut Ribéry gut. Wie gut, das war jetzt in Valencia zu hören, als der Franzose die Pressekonferenz vor dem Spiel beim FC Villarreal störte. 'Gomeeez!", schrie er in den Saal, in dem sich Mario Gomez den Fragen der Reporter stellte. Ein typischer Kleine-Jungs-Streich a la Ribéry.

Heynckes hat es sogar geschafft, ihm die Diva-Launen auszutreiben. Er nennt den 28-Jährigen einen „Mannschaftsspieler“, das Wort Star hört er nicht gerne. Als Teamplayer habe Ribéry wie jeder andere defensive Aufgaben. „Früher drehte er nach vorne auf und nach hinten ab“, sagt Heynckes, das sei nun anders. Die Abwehrarbeit wird Ribéry dadurch erleichtert, dass er auf seiner linken Seite wieder mit Philipp Lahm zusammenspielen darf. Seit das so sei, „spüre ich wieder dieses Sensationsgefühl, das mich in meiner ersten Saison beflügelt hat“.

Außerdem ist Ribéry topfit, nach langer Zeit hat er im Sommer endlich mal wieder (fast) die komplette Vorbereitung absolviert. Das Niveau eines Messi mag unerreichbar scheinen. Doch der Franck Ribéry des Spätsommers 2011 macht wieder Dinge, wie nicht nur Sportdirektor Christian Nerlinger beobachtet hat, „die nicht viele Spieler auf der Welt können“. 

 

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