FC Bayern Pressekonferenz Sammer: "Jetzt wollen wir das Ganze nehmen"

Sportvorstand Matthias Sammer, von Mediendirektor Markus Hörwick liebevoll "Feierbiest" genannt. Foto: dpa

Auf der Pressekonferenz der Bayern am Dienstag sprach Sportvorstand Matthias Sammer über seine Gefühle nach dem Finale in London, die Bedeutung des Triples und die Menschlichkeit beim FC Bayern.

 

München Mit „Feierbiest“ begrüßte Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick am Dienstagmittag den Sportvorstand. Matthias Sammer lachte und sagte. „Du bist einer der wenigen, die das erkennen.“

Danach sprach Sammer auf der Pressekonferenz an der Säbener Straße über...

seine Stimmungslage: „Es fühlt sich traumhaft an – nach wie vor. Es ist etwas, dass man sein Leben lang im Herzen und in der Seele tragen wird. Mir geht’s so: es ist noch nicht richtig realisiert. Es fühlt sich selig an.“

die letzten Minuten des Finals: „Man konnte sehr über die Reife des Klubs und der Spieler erkennen. Aber das waren menschliche, keine sportlichen Probleme. Es war nicht auszulöschen, dass man zuvor zwei Spiele gegen Dortmund nicht gewinnen konnte. Die Führungsspieler haben erkannt, dass nur sie das Spiel gewinnen zu können. Neuer, Schweinsteiger, Lahm – sie haben es an sich gerissen. Diese Entwicklung ist ein Fortschritt dieser Mannschaft.“

die Momente des Siegtores: „Ich war völlig bedeppert, als das 2:1 fällt. Du weißt ja gar nicht, wo du hinrennen sollst. Dann habe ich an das Finale 2012 gedacht und zu mir gesagt: Jetzt bitte keine Fehler machen!“

seine Gefühle nach dem Schlusspfiff: „Tränen, unglaubliche Erleichterung. Ich freue mich, dass wir richtig sympathisch rüberkommen. Jeder hier hat einen Anteil am Erfolg. Dieser Klub strahlt etwas aus. Wir haben auf nichts reagiert, auf keinen der Angriffe. Wir sind ruhig geblieben – das habe ich aber nirgendwo gelesen.“

die Leistung des italienischen Schiedsrichters: „Ich finde, er war Weltklasse. Er hatte eine Linie, die hat er durchgezogen. Das hat er gut hinbekommen. Ich habe ihn sehr gut gesehen, auch wenn man diskutieren kann, ob das in der Szene mit Ribéry nicht vielleicht doch mehr war. Glückwunsch und Respekt – auch an dieser Stelle an Borussia Dortmund, sie haben uns sehr gefordert, auch emotional.“

das Pokalendspiel am Samstag: „Es geht darum: Diese große Emotionalität des Champions-League-Sieges darf nicht dazu führen, dass man im Pokalfinale eine historische Chance liegenlässt. Man muss jetzt einen gewissen Egoismus gegenüber der Historie dieses Klubs an den Tag legen.“

die Vergleiche mit den Teams der früheren Jahrzehnte: „Das ist sicher ganz schön, aber es piekst ja auch, wenn du hier ständig mit den Helden der 70er Jahre, mit den Beckenbauers, den Müllers, den Breitners, später den Kahns, Effenbergs, Matthäus konfrontiert wirst. Jetzt kannst du am Samstag, wenn du dieses Spiel gewinnst, dann kannst du einen Stempel draufdrücken und das erreichen, was hier noch nie einer erreicht hat. Sie werden dann immer als Erste mit einem Triple in Verbindung gebracht, sie können fast an die Spitze dieses Klubs treten. Das finde ich - boah!“

die Bedeutung des Stuttgart-Spiels: „Spieler wie Lahm und Schweinsteiger, die schon einiges gewonnen haben, müssen jetzt erkennen, was es für diese Spieler und diesen Klub bedeutet, diesen Pokal und damit das Triple zu gewinnen. Das ist eine historische Chance. Es geht um viel mehr als nur um ein Pokalfinale. Unsere Spieler wissen das und unser Trainer auch.“

die Frage nach der Verantwortung der Führungsspieler: „Wir haben den Spielern immer wieder das Gefühl gegeben, dass Führungsspieler zu sein, nicht bedeutet, herumzuschreien. Es geht um Inhalte, Kommunikation und Substanz. Die wichtigste Konstellation aber ist, dass die Spieler auf dem Platz die Verantwortung übernehmen, das man sie aber nicht erdrückt.

Schweinsteiger und Lahm: „Bastian ist in diesem Klub etwas ganz Besonderes. Philipp hat auch die Gabe, die Dinge hier zusammenzuhalten. Das hat etwas mit Führung und Erziehung zu tun, das haben die Spieler super verinnerlicht.

Ribéry und Robben: „Sie sind keine Führungsspieler, sind sind Freigeister, man darf sie nicht überfrachten, eine Mannschaft zu führen, auch wenn sie eine Meinung haben. Diese beiden Individualisten schreien nach Liebe. Sie hatten wohl trotz der Zuneigung der Fans: es fehlt ein bisschen. Plötzlich haben sie gemerkt. Wenn ich etwas mache, was nicht von mir erwartet werde, also defensiv mitzuarbeiten für die Gruppe, gegen den Ball. Dann ist es auch kein Zufall, dass er wunderbare Tore schießt und dann das Spiel entscheidet. Das war die Lösung. Jetzt haben Ribéry und Robben die Anerkennung bekommen, die sie früher nicht erhalten haben innerhalb der Gruppe aufgrund ihres Offensivspiels. Da haben sich die anderen gedacht: das können sie doch sowieso.“

Jupp Heynckes: „Er ist mit der Entscheidung, künftig nicht mehr Trainer zu sein, sehr stark umgegangen. Die Mannschaft nimmt wahr, wenn der Trainer zu Hause seine Pforten öffnet wie das letzten Samstag im Schwalmtal war. Er ist der Schlüssel und der Vater der Mannschaft. Er hat die Mannschaft aber nicht erdrückt. Bei uns menschelt's aktuell sehr, es darf aber nicht am Samstag zu einer zu großen Sentimentalität und Emotionalität führen – danach ja. Aber jetzt geht es um Professionalität.“

den Verzicht auf eine Feier letzten Sonntag nach der Rückkehr aus London: „Es geht jetzt darum, professionell zu planen. Es geht nicht darum, dass wir uns abschotten wollen, es geht darum, dass wir glaubwürdig sein wollen. Wir wollen jetzt das Ganze nehmen.“

die Wette mit Ribéry, ob er nach einem Pott-Triumph 100 Liegestütze macht: „Ich weiß gar nicht, ob ich 100 schaffe, obwohl ich gestern trainiert habe. Aber 100 sind schon ein bisschen viel. Franck übertreibt immer, er hat gesagt, er hätte im Bett mit dem Pokal und seiner Frau geschlafen (lacht).“

 

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