FC Bayern: PK im Trainingslager Guardiolas Regierungserklärung am Gardasee

An Tag eins des Trainingslagers am Gardasee äußert sich Bayerns neuer Trainer Pep Guardiola erstmals konkret über Inhalte, Ziele und Vorstellungen seiner Arbeit. Wie er das Team behutsam umkrempeln will, auf welche Dinge er Wert legt – und was er absolut hasst.

 

Riva del Garda - Um kurz nach 13 Uhr fuhr der Bayern-Bus auf den Parkplatz des 5-Sterne-Hotels "Lido Palace" in Riva, direkt am Nordufer des Gardasees gelegen. Hotelangestellte bereiteten der Bayern-Delegation einen Empfang.

Für Pep Guardiola hieß es nach dem Flug von München nach Verona und der eineinhalbstündigen Busfahrt: schnell umziehen, ab zur Pressekonferenz ins "Palazzo Congressi" direkt nebenan. Der 42-Jährige wählte ein Garda-Outfit: ein weißes Hemd, Bluejeans. Cool. Smart. Lässig, aber kein Urlaubs-Style.

Danach verriet der Spanier seine Ziele für die acht Tage Trainingslager bis zur Abreise nächsten Freitag. Und das in einem souveränen Sprachen-Hopping. Deutsch? Englisch? Spanisch? Italienisch für die einheimischen Reporter? Nessun problema! Als wären die Sprachen Fahrspuren, die man mal so eben wechselt. In manchen Sätzen fuhr er zweigleisig.

"Alle Bayern-Mitarbeiter sind meine Lehrer, meine neuen Spieler, das ist der beste Deutsch-Unterricht", sagt er, "alle helfen mir, neue Sätze und Worte zu finden." Die Deutsch-Lehrerin aus New York hat ausgedient. "Ich habe keine Zeit mehr", sagt Guardiola und entschuldigt sich: "Tut mir leid. Der Tag hat nur 24 Stunden." Selbst für Pep.

Als ein Reporter das Sprach-Tempolimit in einer Frage missachtete, ermahnt der Bayern-Trainer ihn höflich-lächelnd: "Bitte nächstes Mal langsamer!"

Schneller als Guardiola hat nie ein Coach Deutsch gelernt. Nur elf Tage nach seiner Präsentation kann man sich kaum vorstellen, dass es Trapattoni-Momente ("Flasche leer!") in Peps' Amtszeit geben wird. Bis 2016 hat er unterschrieben. Guardiola: "In einem großen Verein hast du keine Zeit. Du musst von Anfang an gut arbeiten. Der FC Bayern ist nicht der beste Ort für Nicht-Gewinnen."

Es folgte in einer fast einstündigen Fragerunde eine Art Regierungserklärung seiner Arbeit, ein detaillierter Blick in seine Pläne.

Die Themen:

Seine Riva-Pläne: "Die Hauptsache ist, dass wir uns kennenlernen. Ich habe viele Ideen, muss meine Spieler überzeugen. Alles ist wichtig, die Taktik, die Kondition." Viele Gespräche sollen zwischen den zwei Trainingseinheiten pro Tag geführt werden.

Sein Geheim-Training: "Ich brauche meine Ruhe, wenn ich mit meinen Spielern spreche. Nachmittags mag ich in Ruhe arbeiten." Ab Freitag bleiben Fans in Arco außen vor.

Seine Philosophie: "Ich mag den Ball. Ich mag nicht, wenn der Gegner den Ball hat." Tja, so einfach kann man das Wesen des Fußballs erklären. Guardiola weiter: "Ich habe großen Respekt für die Zuschauer, die Eintritt zahlen. Meine Idee ist es, so viele Tore wie möglich zu erzählen." Gute Sache! Und er kommt den Spielern entgegen, nimmt ihnen Angst: "Ich hoffe, dass wir viele Fehler machen. Denn nur so können wir von den Fehlern lernen."

Seine Varianten: Der Coach spricht von einem "wunderbaren Kader", er sagt: "Ich kann verschiedene Systeme spielen – auch mit echtem Stürmer oder mit falschem Stürmer." Also etwa mit Mario Götze, Thomas Müller oder Franck Ribéry ganz vorne drin. Weiter: "Es ist gut für mich, die Spieler in anderen Rollen und Positionen zu sehen. Wenn die großen Wettbewerbe starten, kann ich das nicht machen, denn die sind zu wichtig." Erster Beweistermin seines Könnens: der Supercup gegen den BVB am 27. Juli in Dortmund. Er will "Informationen sammeln", es ist ein Test, wie flexibel seine Profis sind, etwa Ribéry. Guardiola: "Ich will in Freundschaftsspielen sehen, welche Spieler auch auf anderen Positionen spielen können."

Sein Teamgeist-Gedanke: Neben Bastian Schweinsteiger und Götze, die im Reha-Training sind, ist sogar Holger Badstuber (zweiter Kreuzbandriss im Mai) mit am Gardasee. Guardiola: "Er ist ein super, super Spieler. Leider ist er verletzt, aber es ist gut für ihn, hier mit seinen Kameraden zusammen zu sein." Das Wir-Gefühl ist ein wesentlicher Pep-Faktor. Seine Ziele: "Ich bin hier, um meine Spieler zu unterstützen. Ich will hier lange, lange Zeit bleiben. Ich wünsche mir, eine gute Arbeit zu machen. Ich will lernen. Daher sind ich und meine Familie nach München gekommen." Na, dann.

 

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