FC Bayern Peps finale Mission: Warum alles an Thiago hängt

Thiago (r.) und Bayern-Coach Pep Guardiola Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Pep Guardiola startet in sein finales Halbjahr beim FC Bayern. „Er ist der beste Trainer der Geschichte“, lobt ihn sein Zögling Thiago. Für dessen Förderer zählt ab sofort nur noch die Champions League.

 

München - Als Pep Guardiola damals im Juli 2013 unweit des Ufers des Lago di Garda jenen oft zitierten Satz sprach, hatte er wohl selbst nicht im Sinn, dass diese Formulierung seine Zeit beim FC Bayern später einmal treffend zusammenzufassen würde. „Thiago oder nix“ – mit diesen Worten forderte Guardiola die Vereinsführung zum Kauf seines Wunschspielers auf. Und die Bayern folgten brav. So wie sie es in den zweieinhalb Jahren danach immer wieder taten, wenn der Trainer eine Idee hatte.

Thiago oder nix“ steht aber bis heute nicht nur für Guardiolas Einfluss bei den Bayern. Er ist auch eng verknüpft mit diesem einen großen Ziel, dass der zum Saisonende scheidende Trainer noch erreichen will, ehe er sein Deutschland-Projekt abschließt und weiterzieht: der Triumph in der Champions League. In den vergangenen beiden Jahren, die für den FC Bayern mit empfindlichen Niederlagen in den Halbfinalspielen gegen Real Madrid (2014) und Barcelona (2015) endeten, wurde Thiago immer wieder von Verletzungen gestoppt. Seine Topform erreichte der kleine Spanier nur selten, und wenn, dann nicht über einen längeren Zeitraum. Schon kam der nächste Rückschlag. Zum Leidwesen der Bayern.

Thiago lobt Guardiola

„Er hat diese Persönlichkeit für wichtige Spiele. In den wichtigsten Spielen ist er der Beste“, sagt Guardiola über Thiago. Übersetzt heißt das: Ohne Thiago kein Champions-League-Sieg, Thiago oder nix. Diese letzte Saisonhälfte unter Guardiola, die der FC Bayern am Montag mit einer öffentlichen Trainingseinheit begann, wird entscheidend davon abhängen, ob der kleine Spanier diesmal fit bleibt und in den großen Partien zu großer Form aufläuft. „Die Champions League nach München zu holen, wäre natürlich schon ein Traum“, sagte Thiago zu Saisonbeginn.

Nun, nachdem Guardiolas Abschied feststeht, scheint dieser Wunsch noch größer zu sein. Aus Thiagos Worten ist der Wille herauszuhören, seinem großen Förderer etwas zurückzugeben. „Er ist der beste Trainer der Geschichte“, sagte Thiago im Gespräch mit „goal.com“. Aber eben noch viel mehr: „Man weiß erst, wie ein Mensch wirklich ist, wenn man auch schlechte Momente mit ihm hat – und er war immer da.“ Guardiolas Abschied sei deshalb „schade. Die Dinge laufen gerade so, wie er sich das wünscht – wie wir uns das alle wünschen. Aber wir müssen seine Entscheidung akzeptieren.“

Wie aus dem Umfeld der Bayern zu hören ist, hat allerdings nicht jeder Spieler Guardiolas Entscheidung so verständnisvoll aufgenommen wie Thiago. Es soll durchaus Profis geben, die sich darüber wundern, von Guardiolas Abschied nicht direkt erfahren zu haben, sondern aus den Medien. Da besteht vor dem Abflug ins Trainingslager nach Katar am Mittwoch noch Gesprächsbedarf. Für Unruhe sorgt zudem, dass es ständig gesundheitliche Probleme gibt: Ein Umstand, der die Amtszeit von Guardiola begleitet wie ein Fluch. Und an dem der Coach alles andere als unbeteiligt ist.

Pep verheizt Ribéry

Als bislang letzten Star hat es Franck Ribéry erwischt, der mit einem Muskelbündelriss im Oberschenkel noch länger ausfällt. Guardiola setzte den 32-jährigen Franzosen, der trotz Verletzung mit ins Camp nach Katar fliegen soll, nach dessen Rückkehr im Dezember erstaunlich schnell – und offenbar gegen den Rat der Ärzte – wieder ein. Dreimal trainierte Ribéry mit der Mannschaft, dann nominierte ihn Guardiola für die Partie in Gladbach. Wenige Tage später stand der Flügelstürmer beim Champions-League-Spiel in Zagreb sogar in der Startelf – und verletzte sich prompt schwer.

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Darüber hinaus sind im Moment angeschlagen oder verletzt: Mario Götze, Arjen Robben, David Alaba, Juan Bernat, Philipp Lahm, Arturo Vidal, Medhi Benatia und Douglas Costa. Sie wird Guardiola brauchen, um die Champions League zu gewinnen.

Für dieses Vorhaben wird der Coach bis zum Vertragsende am 30. Juni noch schonungsloser agieren als bislang. Das zeigte der Fall Ribéry. Für das Mannschaftsgefüge könnte diese Ausgangslage durchaus problematisch werden. Rotation, nur um einzelne Spieler bei Laune zu halten, wird es in der Rückrunde nicht geben. Guardiola muss es nicht mehr kümmern, ob er Stars, die er nicht braucht, links liegenlässt. Dafür ist dann Nachfolger Carlo Ancelotti zuständig. Nur der 28. Mai, das Finale im Mailänder San Siro, zählt noch. Dann endet übrigens auch die Beziehung Pep/Thiago. Der 24-Jährige hat angekündigt, bei den Bayern bleiben zu wollen, er sei „unabhängig“ von Guardiola.

 

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