FC Bayern Pep Guardiola setzt gegen Manchester United alles auf Rot

Meiter ist er schon - aber gewinnt er auch die Champions League? Trainer Pep Guardiola. Foto: dpa

Trainer Pep Guardiola weiß, dass die Bewertung seiner ersten Saison beim FC Bayern vor allem von der Champions League abhängt. Dafür geht er Risiko – doch was, wenn der Schuss nach hinten losgeht?

 

München – Ungeschlagen-Serie vorbei? Egal. Häme aus der Liga, der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung? Prallt an ihm ab. Pep Guardiola wusste genau, was er tat, als er am Samstag beim 0:1 in Augsburg ein verbessertes Reserveteam auf den Rasen schickte. „Du kannst nicht immer nur gewinnen“, meinte er hinterher lapidar, „das ist Fußball, das ist Sport.“ Das war Taktik.

Die Aufstellung gegen Augsburg war Peps Antwort auf eine Fifty-Fifty-Frage: A-Elf oder C-Elf? Wäre es besser für die Elf, die am Mittwoch im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Manchester United (20.45 Uhr/Sky und ZDF) aufläuft, gewesen, sich gegen Augsburg einspielen zu können? Oder war es eben doch besser, sich auszuruhen, Körner aufzusparen für den heißen Tanz mit den Red Devils in der Allianz Arena?

Pep Guardiola setzte alles auf Rot, auf die zweite Variante, volle Power gegen Manchester. Weil ihm das Training wichtiger war als ein Bundesligaspiel. „Es war wichtig, vor so einem Spiel gute Trainingseinheiten zu haben“, sagt Mario Götze. „Ich denke, dass das entscheidend ist – und nicht, dass unser Spielrhythmus gestört wurde.“

Augsburg – es taugte in Peps Augen eben nicht als Manchester-Klon, als Generalprobe, ja Blaupause für das Topspiel. Das nahm er lieber selbst in die Hand: In Geheimtrainings am Freitag und Montag versuchte er, den Schlüssel zu finden, den Bayern in Manchester fehlte. Das Angriffsspiel im letzten Drittel zu entkrampfen, Lösungen gegen einen verdammt tief stehenden und grimmig verteidigenden Gegner zu erarbeiten. „Wir werden sicher wieder viel den Ball haben, das steht fest.

Und Manchester wird wieder hinten kompakt stehen, auf Konter lauern und auf Standards setzen“, erwartet Jérôme Boateng, gibt dabei zu: „Für uns ist es schwer, wenn der Gegner zu neunt im Sechzehner steht. Wir müssen ein bisschen schneller spielen, vielleicht mehr aus der Distanz schießen.“ Aber: Es ist auch ein Risiko, das Guardiola damit eingeht. Wehe, wenn der Schuss nach hinten los geht, die Bayern ausscheiden. Umbauen im Vergleich zum Hinspiel muss er, Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez fehlen bekanntlich gesperrt.

Im zentralen Mittelfeld – dem Mannschaftsteil, auf den es bei Guardiola am meisten ankommt – werden voraussichtlich Philipp Lahm, Toni Kroos und Mario Götze (siehe auch Seite 23) auflaufen; diese Kombination gab’s noch nie, wird ein Novum sein. „Klar tun uns die Ausfälle weh“, sagt Boateng, „aber wir haben einen qualitativ guten Kader, der das auffangen muss.“ Muss!

Trotz der Mini-Krise mit drei Spielen ohne Sieg: sie bleiben siegesgewiss. Wie jemand, der beim Roulette alles auf eine einzige Option setzt. „Das beunruhigt niemanden, ist schon abgehakt“, sagt Boateng zur letzten Woche. „Das Selbstvertrauen ist groß, wir wissen, dass wir mit einer guten Leistung weiter kommen. Jetzt gilt’s gegen Manchester. Das ist wie ein Finale.“ Alles ausgelegt auf den Triumph über Manchester.

„Wir müssen voll auf Sieg spielen. Wenn wir auf ein 0:0 gehen, werden wir am Ende verlieren“, sagt Dante: „Wir müssen von Beginn an mit viel Aggressivität attackieren und versuchen, Tore zu schießen.“ Kommt Bayern weiter, spricht niemand mehr über den Lapsus von Augsburg. „Wenn wir in der Champions League weiter kommen“, sagt Thomas Müller, „dann haben wir alles richtig gemacht.“

 

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