FC Bayern Paul Breitner: „Uns schlägt keiner!“

Ex-Bayern-Profi Paul Breitner wurde Welt- und Europameister, arbeitet nun als Markenbotschafter des FC Bayern. Foto: dpa

Paul Breitner spricht vor dem Supercup-Duell mit dem BVB über die bayerische Dominanz, Innovationen unter Guardiola, die Stammelf-Debatte – und sagt: „Bayern könnte 2014 Weltmeister werden“

 

AZ: Herr Breitner, haben Sie beim 2:0 gegen den FC Barcelona Ihren FC Bayern eigentlich wiedererkannt? Den Triple-Sieger, nun generalüberholt vom neuen Trainer Pep Guardiola?

PAUL BREITNER: Ich find’s klasse, bin begeistert. Pep Guardiola ist dabei, das letzte halbe Jahr, diese fantastische Rückrunde, noch zu verfeinern und die Mannschaft weiterzuentwickeln. An der Stelle muss ich noch einmal Jupp Heynckes erwähnen: Er hat Pep das große Tor geöffnet, er hat ihm quasi einen roten Teppich zum Erfolg ausgelegt, eine Ära begründet. Und jetzt hat Pep die Chance, eine Ära zu schaffen, wie es sie noch nie in der Historie des FC Bayern gegeben hat.

Und das durch Innovation, durch Veränderung: das Training, die Taktik, die Systeme – alles neu. Gibt es da nicht Spieler, die sagen: Moment, Señor, wir sind Triple-Sieger!
Das ist ja gerade die Gefahr! Dass Spieler sagen könnten: wir sind die Besten und jetzt lassen wir’s zwei, drei Jahre so laufen. Den Fehler hat Barcelona gemacht: Sie dachten, sie könnten den Fußball ihrer Prägung auf ewig so weiterspielen, dabei haben sie ihr Tiki-Taka nicht weiterentwickelt. Nun haben wir Barça locker überholt. Bei denen herrscht Stillstand.

Vermutlich hat auch Pep Guardiola diese Entwicklung erkannt und hat sich 2012 vom FC Barcelona verabschiedet. Nun mischt er Bayern auf.
Gut so! Pep kam und sagte sich: So, jetzt würfeln wir das Ganze mal richtig durcheinander. Schon als er mit seiner Familie in New York war, hat er sich ein halbes Jahr intensiv mit dem FC Bayern beschäftigt, alle Spiele angeschaut.

Und nun probiert er sich aus. Philipp Lahm als Teilzeitkraft im Mittelfeld, Thomas Müller in der Sturmspitze, Arjen Robben mal ganz vorne. . .
Das ist super! Das bringt die Mannschaft weiter! Pep geht auf jeden Spieler individuell zu, sagt ihm: Ich werde dir helfen, noch mehr aus deinem Talent und deinem Können herauszuholen. Unangenehm kann es nur werden, wenn einer denkt, er sei schon der Beste, der Größte. Ich behaupte mal: Keiner unserer Spieler ist vom Leistungsniveau her komplett ausgereizt.

Das heißt alles nichts Gutes für die Konkurrenz.
Aber für unsere Spieler. Was Pep jetzt macht, ist unbezahlbar. Eine Art Fortbildung auf anderen Positionen. Ob Robben, Ribéry oder Müller, die plötzlich in der Spitze auftauchen. Das hilft ihnen, das ganze Spiel besser zu verstehen, ein anderes Gefühl für die Räume zu entwickeln. Andere Beispiele: Pep gibt Lahm endlich die Chance, sein Spiel von hinten heraus nach vorne zu bereichern. Oder Alaba, der sich im linken vorderen Mittelfeld ausprobieren darf. Damit schärft Pep das Bewusstsein der Spieler für die Aufgaben der anderen; sie haben nun mehr Verständnis füreinander. Das kann nur helfen.

Und ab wann soll sich eine Stammelf finden? Sportvorstand Sammer behauptete, diese Zeiten seien vorbei.
Am Ende der Vorbereitung spielt der Beste auf der jeweiligen Position, nicht der Zweitbeste – das war beim FC Bayern schon immer so. Meine Erfahrung aus 43 Jahren Profifußball sagt mir: Jeder Trainer hat seine Top-Elf im Kopf oder zehn bis zwölf Feldspieler, Neuer im Tor ist ja eh fix. Pep wäre der Erste, der das nicht so handhabt. Ich kann mich gerne täuschen, aber ich glaube das einfach nicht.

Am Samstag geht’s nach Dortmund zum Supercup. Hat der BVB eine Chance?
Es hat in der Bundesliga überhaupt keiner eine Chance. Uns schlägt keiner!

Wird’s also langweilig ab Saisonbeginn 9. August?
Ach, der Punkteabstand am Ende ist mir wurscht, selbst mögliche Rekorde. Ich stelle nur fest: Wir haben jetzt den besten Kader weltweit. Neulich habe ich gesagt, was ich hier gerne wiederhole, auch wenn’s nur Theorie ist: Mit der Qualität dieses Kaders könnte Bayern 2014 in Brasilien Weltmeister werden.

 

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