FC Bayern Nachwuchs oder teure Stars? Münchner Zukunftsplanung

Der FC Bayern steht vor einem großen Umbruch. Foto: dpa

Eigene Jugend oder teure Stars? Der FC Bayern steht bei der Planung seines Kaders der Zukunft vor einer Richtungsentscheidung.

 

München - Carlo Ancelotti lächelt müde. Nein, über mögliche Zugänge für die kommende Saison will der Italiener dieser Tage nicht reden, "wir sind fokussiert auf die Spiele. Wir haben den ganzen Sommer, um über den Transfermarkt zu sprechen". Nach dem bitteren vorzeitigen Aus in der Champions League gegen Real Madrid ist davon auszugehen, dass es intensive Gespräche werden - Ancelottis FC Bayern steht dabei vor einer Richtungsentscheidung.

Teure Stars oder eigene Jugend?

"Super-Transfers passen nicht zu unserer Philosophie", hatte Michael Reschke, Kaderplaner des deutschen Fußball-Rekordmeisters, vor dem Aus gegen die Königlichen der spanischen Zeitung El País gesagt. Inzwischen wird die Frage "Eigene Jugend oder teure Stars" intern wieder heiß diskutiert.

Präsident Uli Hoeneß würde am liebsten auf selbst ausgebildete Kicker setzen. Die lange schwächelnde Nachwuchsarbeit ist längst Chefsache, das neue Nachwuchsleistungszentrum soll auch Hoeneß' Vermächtnis werden. "Es kann nicht der Sinn sein, dass wir Millionen in die Jugendausbildung investieren und den Talenten den Weg mit teuren Stars von außen verbauen", sagte er der Sport Bild.

Auf dem richtigen Weg

Der letzte Spieler, der es aus der Jugend bis zum Profistammspieler brachte, war David Alaba - "und das ist auch schon sieben Jahre her", klagte Hoeneß. Zwar hat sich einiges zum Guten gewandelt: Am vergangenen Wochenende wurde die U17 erstmals seit 2009 Meister in der Bundesliga Süd/Südwest, auch die U19 steht vor dem Titelgewinn. Das zeige, "dass wir mit unserer Jugendarbeit auf dem richtigen Weg sind", sagte Vorstandchef Karl-Heinz Rummenigge. Doch bis die Talente auf Profiniveau ankommen werden, dürften Jahre vergehen.

Der nächste Angriff auf Europas Fußball-Krone in der Saison 2017/18 kann deshalb wohl nur über Transfers zum Erfolg führen. Eine "Revolution" im Kader werde es zwar nicht geben, sagt Ancelotti. Doch die Hoffenheimer Nationalspieler Niklas Süle und Sebastian Rudy sind sicher nicht die letzten Zukäufe. Um auf das Niveau Real Madrid zu kommen, das es sich im Viertelfinal-Rückspiel trotz Verletzungen sogar leisten konnte, auf Top-Kräfte wie James Rodríguez oder Álvaro Morata zu verzichten, müssen die Bayern wohl ran ans mit fast 200 Millionen Euro gefüllte Festgeldkonto.

Martínez der teuerste Bayern-Transfer

Rummenigge aber beklagte zuletzt im Corriere dello Sport das "Problem, dass keine guten Spieler in diesem Markt verkauft werden" - zumindest nicht für jene Summen, die die Bayern bislang zu zahlen bereit sind. Noch immer ist Javi Martínez mit 40 Millionen Euro der teuerste Bayern-Transfer - eine Summe, über die Europas Elite lacht. Auch deshalb dürfte es unmöglich sein, Top-Stürmer wie Paulo Dybala, EM-Schützenkönig Antoine Griezmann oder dessen Landsmann Kylian Mbappé zu erwerben.

Als Ergänzung zu Robert Lewandowski wird daher Alexis Sanchez gehandelt, den Reschke zuletzt beobachtete. Der Arsenal-Profi könnte für 25 bis 30 Millionen Euro zu haben sein. Überdies suchen die Bayern wegen des Abschieds von Xabi Alonso im zentralen Mittelfeld, Marco Verratti gilt weiter als Ancelottis Wunschspieler. Und auch das Thema Rechtsverteidiger ist wegen des Karriereendes von Kapitän Philipp Lahm noch nicht vom Tisch. Klar ist: Billig wird der nächste Großangriff nicht.

 

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