FC Bayern Müller: Schafkopf-Freuden und ein Appell an den BVB

Spaßvogel auf und neben dem Platz: Thomas Müller Foto: dpa

Die Frust-EM ist abgeschlossen für Thomas Müller. Im Supercup gegen Dortmund will er den ersten Titel – und einen fairen Empfang für Schafkopf-Kollege Mats Hummels: „Pfiffe wären völliger Quatsch."

München - Renato Sanches ist ein klasse Fußballer, zweifellos, auch Thomas Müller sieht das natürlich so. „Er ist sehr jung“, sagt Müller am Donnerstag, als er über den Youngster, dessen Talent und das Supercup-Duell gegen Borussia Dortmund (Sonntag, 20.30 Uhr) spricht, „er hat sich international schon bewährt.“ Und wie: Sanches war in Portugals Europameisterteam einer der Besten – mit gerade einmal 18 Jahren. Auf Platz eins von Müllers Lieblingsverpflichtungen in diesem Sommer wird es Sanches trotzdem nicht schaffen. Das liegt an Mats Hummels, dem anderen Neuzugang. Und an dessen besonderen Qualitäten, die Sanches nun wahrlich nicht vorweisen kann. Oder ist Schafkopfen auch in Portugal populär?

Müller schwärmt von Hummels

„Wir haben auf jeden Fall Druck gemacht aufgrund der Fehl-Transferpolitik der letzten Jahre“, scherzt Müller, „als uns ein Schafkopfspieler nach dem anderen abhandengekommen ist. Jetzt haben wir endlich den richtigen Weg eingeschlagen.“ Nach dem Wechsel von Bastian Schweinsteiger waren nur noch Müller, Kapitän Philipp Lahm und Manuel Neuer übriggeblieben, mit Hummels kehrt nun ein echter Münchner an den Zockertisch zurück. Aber natürlich nicht nur dorthin.

Müller schwärmt von den Qualitäten des Innenverteidigers, der künftig mit Philipp Lahm, Jérôme Boateng und David Alaba die wohl beste Abwehrkette Europas bilden wird. „Er hat sehr viel Erfahrung“, sagt Müller, „seine Zweikampfstärke und Spieleröffnung sind herausragend.“ Und er appelliert an die Dortmunder Fans, ihren Ex-Spieler am Sonntag fair zu behandeln. „Pfiffe wären aus meiner Sicht vollkommener Quatsch“, meint Müller und erinnert an Hummels’ Vergangenheit im BVB-Dress: „Er hat ich weiß nicht wie viele Jahre für Dortmund seine Knochen hingehalten. Er hat wirklich den Erfolg mit zurückgebracht als führende Figur, auch in den letzten Jahren. Man kann auch mal ein bisschen Dankbarkeit zeigen.“ Und falls nicht? Auch nicht schlimm. „Mats macht nicht den Eindruck, als ob er Angst hat vor der Situation“, sagt Müller.

"Müller: "Ich nene Ancelotti ,Mister’"

Er selbst sieht das Spiel um den ersten Pokal der Saison als „Zwischending von Testspiel und Titel“. Doch weil „die ganze Nation“ darauf schaue, sei es eben doch eine wichtige Partie: „Wir sind heiß und wollen das Ding auf jeden Fall gewinnen“, sagt er. Nach vier Wochen Urlaub fühlt sich Müller persönlich fit für das Prestigeduell, notfalls auch über die ganze Spielzeit. „Grundsätzlich sehe ich mich auch in zehn Jahren noch in der Lage, aus dem Urlaub heraus 90 Minuten zu spielen ohne Probleme. Das Wie ist vielleicht die Frage. Aber wenn ich nicht mehr 90 Minuten Fußball spielen kann, ist es an der Zeit zum Aufhören“, sagt er. Eines seiner Geheimnisse: „Ich bewege mich im Urlaub. Ich bin keiner, der vier Wochen Fast Food in sich reinschaufelt.“ Da wird Carlo Ancelotti, Müllers neuer Trainer („Ich nenne ihn ,Mister’“), beruhigt sein. Vom Italiener, der gutes Essen bekanntlich schätzt, hat Müller einen positiven ersten Eindruck: „Er ist sehr offen und hat immer ein Lächeln auf den Lippen.“

Nach einigen Patzern vom Elfmeterpunkt, zuletzt auch bei der EM in Frankreich, sieht sich Müller indes nicht mehr als Schütze Nummer eins bei den Bayern: „Falls es ein Elfmeterschießen gibt am Sonntag, ist die Gefahr groß, dass ich antrete. Wenn es einen Elfmeter im Spiel gibt, denke ich, wird das jemand anderes machen.“ Und wer? Vielleicht spielen sie es einfach beim Schafkopf aus.

 

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