FC Bayern Maskenmann gegen Boxerface: Demichelis patzt

Der Maskenmann: Martin Demichelis Foto: APN

MÜNCHEN - Ein schlimmer Aussetzer des mit Gesichtsschutz spielenden Argentiniers ermöglicht Rooneydie frühe Führung. Matthäus wundert sich,ein Arzt erhebt schwere Vorwürfe gegen Bayern.

 

Zwei Minuten genügten, zwei ganz schwarze Minuten. Und das nicht in der Nachspielzeit, sondern unmittelbar nach Anpfiff – und schon hatte Martin Demichelis das Duell gegen Wayne Rooney verloren. Überschrieben war der Fight mit: Der Maskenmann gegen das Boxerface – der erste Wirkungstreffer ließ nicht lange auf sich warten, es war eine Einladung, sie kam Demichelis teuer zu stehen. ManU führte 1:0, nach 64 Sekunden.

Und das kam so: Anpfiff, der erste Angriff von Manchester United. Nani läuft über rechts an der Seitenlinie Richtung Eckfahne, erste Annäherungen, mal schauen, was so geht in München. Demichelis will gleich mal zeigen, wer Herr im Hause Fröttmaning ist. Er stellt Nani nicht, er grätscht den Ball nicht ins Seitenaus, er grätscht einfach Nani um. Fehler eins: Foul, Freistoß. Fehler zwei: Nach der abgefälschten Hereingabe steht Demichelis völlig falsch, rutscht aus und kann auf dem Boden liegend nur zusehen, wie Rooney frei im Fünfmeterraum eindrückt. Der Torjäger muss sich vorgekommen sein, als wäre er in einem überfüllten Pub der einzige, der an der Bar ein Bier bestellen möchte.

Stadion-Augenzeuge Lothar Matthäus, in Zweikämpfen erprobter Ex-Libero, meinte: „Das war absolut unnötig. Wenn Demichelis richtig hingeht, gibt es Einwurf und keinen Freistoß. Dass er dann ausgerutscht ist, war nicht das Problem, das war absolut falsches Stellungsspiel.“ Und der schlechtest mögliche Start. Für Rückkehrer Demichelis und die Mannschaft, die ein Spiel in Rückstand beginnen musste.

Doch warum spielte Demichelis überhaupt? Und das mit dieser furchterregenden schwarzen Maske, die sein Gesicht nach den fünf Knochenbrüchen, erlitten am 3. März beim Länderspiel der Argentinier gegen Deutschland, schützen sollte. Trainer Louis van Gaal hatte eine seiner Maximen über den Haufen geworfen. Die besagt: Spieler, die zurückkehren, erst nach angemessenem Trainingspensum wieder aufzustellen. Wer verletzt war, muss Einheiten nachholen. Erst am Donnerstag hatte der Argentinier wieder mit der Mannschaft trainieren können, viele echte Einheiten waren es also nicht bis gestern, abgesehen vom Zehn-Minuten Einsatz gegen Stuttgart (1:2). Doch van Gaal setzte, so Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, „auf Erfahrung“.

Demichelis hatte große Schwierigkeiten, auch im Laufe des Spiels – man hatte den Eindruck, als sei sein peripheres Sehen durch die Maske beeinträchtigt. In Minute 39 unterlief er eine Flanke, nur Keeper Butt bewahrte Bayern vor Rooneys zweitem Treffer. Am Boden war Demichelis okay, in der Luft ein stetes Risiko – eine „bestia negra“ in der eigenen Elf.

Sein frühes Comeback hatte Donato Villani, den Arzt der argentinischen Nationalelf, verärgert: „Ich bin überrascht, dass die Bayern die Gesundheit des Spielers nicht an erster Stelle sehen.“ Ein Verzicht auf Demichelis wäre wohl die bessere Lösung gewesen. ps

 

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