FC Bayern Mario Gomez und der Kumpel: Zurück aus der Grube

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Nach seinem Dreierpack gegen Hannover grüßt Bayerns Stürmer mit der 33 die Kumpel in Chile:„Es wurden 33 gerettet, das muss Schicksal sein.“Rummenigge glaubt nun an „Tore am Fließband“

 

MÜNCHEN Am Tag danach setzte Mario Gomez die Bälle wieder in den Sand. Nein, nein, kein Vorwurf, keine Häme – die Bayern-Profis durften zur Entspannung eine Partie Beachvolleyball auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße spielen. Im Nieselregen. Mit Mütze.

Gomez war’s egal. Er ist Stürmer. Er hatte am Samstag beim 3:0 gegen Hannover endlich wieder seinen Job gemacht, das Tor getroffen. Und das gleich drei Mal. Dreierpack, Matchwinner, Held des Tages. So schnell kann’s gehen. Von Torjubel zu Torjubel realisierte der 25-Jährige mehr und mehr, was da passierte. Nach dem wunderbaren Flugkopfball schaute er drein, als könne er es selbst nicht fassen. Auf Tor zwei, dem Slalom mit Linksschuss, „einem Gomez-Tor, das ist seine Qualität“ (Trainer Louis van Gaal), folgte sein altes Torero-Ritual, nach Tor drei, dem überlegten Kopfball zählte er für alle sichtbar: Eins, zwei, drei und legte die Handflächen als Trichter hinter die Ohren: Mehr Jubel, bitte. War ja lange her. Seinen letzten Bayern-Treffer hatte er am 13. Februar beim 3:1 gegen Dortmund erzielt. Seitdem war sein Torinstinkt verschüttet. 245 Tage lang.

Zwei Regionen waren für die Bergung maßgeblich: Kasachstan und Chile. In Astana traf Gomez beim 3:0 der Nationalelf zum 2:0, in der Atacama-Wüste Chiles wurden ab Mittwoch die verschütteten Bergleute gerettet. Für Gomez eine Inspiration, da ein Namensvetter darunter war. „Ich möchte viele Grüße nach Chile schicken“, meinte der Nun-Wieder-Torjäger. „Einer, der gerettet wurde, hieß ja Mario Gomez. Insgesamt wurden 33 gerettet, das musste Schicksal sein. Als ich das mitbekommen hatte, war mir klar, dass das Spiel für mich laufen musste. Der Rest war Hokuspokus.“ Eben seine drei Tore mit der Rückennummer 33. Gracias, Chile. Nun ist auch der Bayern-Gomez zurück aus seinem Loch, zurück aus der Grube.

Mit Ironie. „Ich habe einfach einen der 6000 guten Ratschläge von meinen Super-Kritikern der letzten Monate beherzigt. Und es hat wunderbar funktioniert.“ Die Lobeshymnen ließen nicht lange auf sich warten. „Das wird ihm Vertrauen geben“, meinte van Gaal, „ich denke, dass wir in den nächsten Wochen einen sehr guten Mario Gomez sehen werden.“ Eben weil er nun einen Stammplatz hat.

„Ich halte Mario für den komplettesten Stürmer, den wir haben, ich habe immer an ihn geglaubt“, sagte Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und sagt: „Er wird nun Tore am Fließband schießen.“ Wenn’s denn so einfach wäre.

Nach dem Abpfiff war Gomez sofort Richtung Kabine gegangen, ohne sich wie die Kollegen vor den Kurven feiern zu lassen. Nach dem Motto: Nein, Freunde – nicht mit mir. Zu viele Pfiffe und Schmähungen hatte es in den letzten Wochen und Monaten gegen ihn gegeben, daher verzichtete er. „Jedem macht Fußball nur Spaß, wenn man auch spielt“, sagte er, „jetzt bin ich wieder mitten drin, das genieße ich.“ Er kennt die dunklen Stunden. Patrick Strasser

 

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