FC Bayern Kalle fordert: Zum Geburtstag Platz 1

Habenein kompliziertes Verhältnis: Trainer Louis van Gaal und sein Superstar Franck Ribéry. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: „Die Meisterschaft ist ein Muss!“ Zudem will er rote Sitze in der Arena und sagt über die Löwen: „Ich habe mir, was 1860 betrifft, eine ignorante Gelassenheit angewöhnt“

 

AZ: Herr Rummenigge, rechtzeitig zum 110. Geburtstag hat der FC Bayern eine Art Vereinsbibel herausgebracht, ein Büchlein mit dem Titel „Mia san mia.“ Bisher haben es Spieler, Trainer, Angestellte. Ab wann ist es für die Fans zu erwerben?

KARL-HEINZ RUMMENIGGE: Es wäre ein schönes Geschenk an unsere Mitglieder für die 22. Meisterschaft die wir hoffentlich in diesem Jahr mit unseren Anhängern feiern dürfen. Als Zeichen unserer Dankbarkeit an die Fans.

Das „Mia san mia“ könnte ein richtiges Brand werden, wie Werber sagen, etwa wie ein Slogan einer Marke.

Ich finde das immer toll, wenn sich der FC Barcelona „mes que un club“ nennt: mehr als ein Klub. Wir haben lange überlegt, für den FC Bayern einen Slogan zu kreieren bis wir auf den naheliegendsten Spruch gekommen sind. Dieser Ausspruch spiegelt die Philosophie des FC Bayern perfekt wieder.

Auch der Spielertrakt im Leistungszentrum hat eine andere Optik erhalten, unter anderem wurde ein großes Bild mit den neuen 16 Leitsätzen der Mia-san-mia-Regeln aufgehängt.

Wir haben dort einige Fotos an den Wänden ausgetauscht. Jetzt hängt da ein Franz Beckenbauer, ein Gerd Müller oder ein Bild wie ein Sepp Maier durch die Luft fliegt – als Zeichen an die aktuellen Spieler, damit sie sehen, was es bedeutet, sich mit dem FC Bayern zu identifizieren.

Welche Bilder wurden ausgetauscht? Relikte aus Klinsmann-Tagen?

Bilder aus anderen Sportarten, etwa aus der Formel 1 oder Bergsteiger. Die haben wir ausgetauscht.

Am Sonntag empfängt der FC Bayern den HSV. Seit 57 Runden war man nun nicht mehr auf Platz eins der Tabelle. Wird Zeit, oder?

Mein großer Wunsch wäre es, am Sonntag die Tabellenführung zu übernehmen – das würde wunderbar zu unserem Geburtstag passen. Wir respektieren Leverkusen, vor allem Jupp Heynckes. Wir brauchen da keine Scharmützel (schmunzelt), auch Jupp kann sein Pfeifen im Walde einstellen.

Leverkusen und Jupp Heynckes sind hartnäckig, sie haben sich noch nicht von der Tabellenspitze verdrängen lassen.

Ich glaube nicht mehr, dass wir schwächeln. Diese Phase ist vorbei. Wir hatten ja mal acht Punkte und zehn Tore Rückstand, jetzt ist es nur noch ein Törchen. Die Mannschaft und unser Trainer sind hartnäckig, sie wissen: Die Meisterschaft ist dieses Jahr ein Muss.

Lassen Sie über die andere Marke der Stadt, über „Einmal Löwe, immer Löwe“, also über den TSV 1860 sprechen. Wie ärgern Sie sich über die streitfreudigen Nachbarn?

Ich ärgere mich nicht mehr über 1860. Das habe ich mir abgewöhnt.

Weil es zu viel Energie kostet? Nichts bringt?

Ich habe mir was 1860 betrifft, eine ignorante Gelassenheit angewöhnt. Die haben so viele eigene Probleme und versuchen nur, von diesen Problemen abzulenken. Wir alle hier sehen das mit totaler Gelassenheit. Uli Hoeneß hat es ja gesagt, wenn die mit dem Wunsch kommen, als Mieter aus dem Stadion auszuziehen, werden wir das wohlwollend prüfen. Wir wollen rote Sitze im Stadion haben, dieses Silber war ja nur ein Kompromiss damals, als wir gemeinsame Gesellschafter waren.

Und die gerichtliche Auseinandersetzung am 24. März?

Da machen unsere Anwälte ihren Job und ich habe totales Vertrauen, dass am Ende des Tages nur ein Urteil beschlossen werden kann. Alles, was da von der Gegenseite behauptet wird, halte ich für sehr eigenartig und irritierend.

Gibt es denn überhaupt eine außergerichtliche Kommunikation?

Nein.

Haben Sie im Nachhinein bereut, 2006 dem TSV 1860 die Stadionanteile für elf Millionen Euro abgekauft und damit wohl vor der Insolvenz bewahrt zu haben?

Diese elf Millionen Euro war eine Preisforderung von 1860 und kein Angebot von uns. Dann zu behaupten, wir hätten sie über den Tisch gezogen, halte ich für eine Unverschämtheit. Außerdem basierte der Preis auf einer Bewertung der damaligen Stadionanteile. Ich weiß, dass man bei den Löwen-Fans Beifall bekommt, wenn man Uli Hoeneß oder mich oder den FC Bayern kritisiert, aber man sollte irgendwann auch bei den Fakten bleiben.

Wie ist der Stand der Dinge bei den Vertragsgesprächen mit Franck Ribéry? Real Madrid, das nach dem 0:1 in Lyon zum sechsten Mal in Serie im Achtelfinale der Champions League zu scheitern droht, hat weiter Interesse.

Unsere absolute Priorität, ist es, mit Franck den Vertrag zu verlängern. Wir haben einiges zu bieten. Ich bin optimistisch, dass wir gute Chancen haben. Und unterm Strich: Was hat Real Madrid mehr zu bieten als der FC Bayern? Für mich ist es nur eins: In Madrid ist besseres Wetter.

Höchstens Glamour.

Ja, sicher. Real ist großer Glamour.

Interview: Patrick Strasser

 

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