FC Bayern in der Krise Niko Kovac schon angezählt? "Kenne die Mechanismen"

Kam von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern: Niko Kovac. Foto: dpa

Trainer Niko Kovac wirkt nach dem Debakel des FC Bayern gegen Gladbach völlig konsterniert und niedergeschlagen. Ob sein Job bereits in Gefahr sei, schließt der Kroate nicht aus.

 

München - Bedient, konsterniert, niedergeschlagen - Niko Kovac verschwand nach dem Abpfiff direkt im Spielertunnel. Das heftige 0:3 (0:2) seiner total verunsicherten Bayern-Elf im Bundesliga-Klassiker gegen Gladbach bringt den 46 Jahre alten Trainer bereits vor Ablauf der ersten 100 Tage im Amt in arge Bedrängnis. Womit rund um den FC Bayern noch vor zwei Wochen sicher kaum jemand damit gerechnet hätte.

Niko Kovac in Bedrängnis

"Ich kenne die Mechanismen im Fußball und in der Bundesliga. Ich weiß, dass die Zeit bei Bayern München anders läuft", sagte Kovac wenig später in der Pressekonferenz. (Hier alle Stimmen zum Spiel)

Die Frage, ob die Bayern-Bosse nervös werden könnten und ob er sich Sorgen mache, dass auch sein Job in Gefahr geraten könnte, könne er nicht beantworten. Kovac verwies lieber auf die Siegesserie zu Beginn der Saison. "Wir haben gezeigt, dass wir es besser können. Das werden wir auch wieder tun. Und ich werde meinen Teil dazu beitragen."

Nach dem vierten sieglosen Spiel ist der Serienmeister jedoch in die Herbst-Krise gestürzt. Der Oktoberfestbesuch am Sonntag sollte eigentlich ein gemütlicher Bayern-Familientag werden. "Das ist nicht Bayern, und das ist auch zu wenig", sagte Torwart Manuel Neuer im Interview mit dem TV-Sender Sky, dessen Experte Lothar Matthäus die Bayern nach dem Mutlos-Auftritt in einer knallharten Analyse regelrecht zerlegte.

Verunsicherung beim FC Bayern

Die von Rückkehrer Lars Stindl angeführte Borussia hatte die allgemeine Münchner Verunsicherung konsequent ausgenutzt. Torjäger Alassane Plea mit seinem schon fünften Saisontreffer (10. Minute) und Kapitän Stindl (16.) bei seinem bemerkenswerten Liga-Comeback nach einer schweren Fußverletzung entschieden die Partie frühzeitig mit einem Doppelschlag.

Kurz vor Schluss sorgte der eingewechselte Patrick Herrmann (88.) für noch schlechtere Stimmung unter den Bayern-Fans, bis auf die Südkurve, die die Spieler nach Spielschluss trotzdem feierte.

"Ich bin froh, dass ich auch meinen Teil dazu beitragen konnte. Es ist eine schöne Momentaufnahme vor der Länderspielpause", sagte Stindl. Die Münchner begünstigten die ersten beiden Gegentore mit schlimmen individuellen Fehlern von Niklas Süle beziehungsweise Thiago. Nach langer Zeit pfiffen die Bayern-Fans in der mit 75 000 Zuschauern ausverkauften Arena ihre Lieblinge mal wieder aus.

"Ich bin nicht ratlos, weil ich weiß, warum es passiert ist", meinte Kovac. Er monierte Fehler bei allen Gegentoren und die Arbeit als Einheit auf dem Platz. Sein Team kämpfte, spielte aber nicht gut. "Die Niederlage tut weh - aber sie ist real", sagte er und wirkte dabei völlig bedient.

Die Bayern begannen entschlossen, der Ball lief gut. Aber der Anfangselan verpuffte. Die Gladbacher pressten viel, mit Stindl als hängender Spitze im Zentrum hatte Hecking einen guten Einfall. Das 0:1 ging mit einem unnötig verlorenen Zweikampf von Süle in Höhe der Mittellinie gegen Stindl los. Nach Doppelpass mit Jonas Hofmann platzierte Plea den Ball bei seinem Schuss wunderbar im langen Eck.

Niko Kovac unter Druck

Bevor sich die Bayern von dem Schreckmoment erholt hatten, stand es 0:2. Thiago nahm einen Abstoß von Manuel Neuer zu lässig an. Stindl bestrafte den Ballverlust mit einem ebenfalls feinen Flachschuss. Ein weiterer Distanzschuss des guten Plea rauschte am Tor vorbei (23.).

Die Bayern versuchten zu reagieren. Arjen Robben versprang der Ball im Strafraum (32.). Robert Lewandowski zielte aus der Drehung genau auf Torwart Yann Sommer (35.). Kovac reagierte zur Pause, nahm die wirkungslosen Robben und Thomas Müller raus. Er brachte Franck Ribéry und Serge Gnabry als Flügelzange. Nach einer Verletzung von David Alaba musste er weiter umbauen: Joshua Kimmich musste auf die linke Abwehrseite wechseln, Leon Goretzka übernahm für ihn rechts hinten.

Bayern hatte den Ball, aber damit kaum Ideen. James versuchte es mit einem Seitfallzieher (63.). Lewandowski flog an einer Flanke vorbei (65.). Ins Bild passte, dass Lewandowski bei seinem Tor im Abseits stand (67.). Herrmann besiegelte die heftige Münchner Heimpleite ,- die nun Kovac nach kurzer Zeit in München ordentlich unter Druck setzt.

 

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