FC Bayern II gegen TSV 1860 II Amateur-Derby: Bald Fußball ohne Zuschauer?

1000 Polizisten im Einsatz, ein gigantischer Aufwand für das Derby des FC Bayern II gegen den TSV 1860 II. Die Bilder... Foto: dpa

Das Amateur-Derby zwischen Bayern und 1860 sorgt für einen Großeinsatz der Polizei. KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle: "Die letzte Konsequenz wäre Fußball ohne Zuschauer"

 

München - Mit einem normalen Fußballspiel hat das schon lange nichts mehr zu tun. Wenn die Bayern und die Münchner Löwen aufeinander treffen, dann brennt selbst bei einer Viertligabegegnung die Luft – und das nicht nur im Stadion.

Morgens um zehn Uhr treffen sich bereits die ersten Löwenfans in den Kneipen rund um das Grünwalder Stadion. Die Stimmung ist mies. Nach der Heimpleite der ersten Mannschaft am Ostersonntag im Kellerduell der Zweiten Liga gegen Erzgebirge Aue, hoffen alle auf einen Sieg gegen den Erzrivalen FC Bayern in der vierten Liga. „Giesing gehört uns, die Roten sollen nur kommen“, schimpft eine Löwen-Fan und spült seinen Frust mit einem Schluck Augustiner Hell runter. Die Stimmung ist aufgepeitscht.

„Wir begleiten beide Lager hauteng“, sagt der Einsatzleiter

Ein paar Kilometer weiter in der Altstadt versammeln sich die Bayern-Fans. „Löwen in den Zoo“, grölen sie und „Tod und Hass dem TSV“. Die ersten Böller krachen vor Burger King und McDonald’s. Das Bier fließt trotz eisiger Temperaturen in Strömen. Die ersten Flaschen gehen zu Bruch. Auch im Tal ist die Polizei seit dem Morgen mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz.

„Wir begleiten beide Lager hauteng“, sagt Einsatzleiter Polizeivizepräsident Robert Kopp, „auch wenn das dem einen oder anderen Fan überhaupt nicht passt.“ Randale liegt in der Luft. Die Stimmung beginnt sich immer weiter anzuheizen, die Sprechgesänge werden aggressiver.

Auch rund ums Stadion ist die Polizei längst in Stellung. Am Löwenbräu-Biergarten gegenüber stehen Absperrgitter bereit. Auf der Candidstraße stehen den gesamten Berg runter Einsatzfahrzeuge. Ein VW-Bully reiht sich an den anderen, Stoßstange an Stoßstange. „Hier kommt keine Maus durch und erst recht kein Löwe“, verspricht einer der eingesetzten USK-Kräfte der Polizei.

Inoffiziell ist von 1200 Polizisten die Rede

Das Präsidium hat am Ostermontag insgesamt 1000 Beamte im Einsatz, inoffiziell ist sogar von 1200 Polizisten die Rede. Zur Verstärkung sind zehn Beamte der Reiterstaffel hoch zu Ross und zwölf Hundeführer mit Schäferhunden rund ums Stadion unterwegs.

Zum Vergleich beim Champions League-Finale im Mai 2012 zwischen dem FC Bayern und FC Chelsea waren es in der Spitze über zwei Tage verteilt rund 3000 Beamte.

Der Aufwand um das Münchner Derby sprengt inzwischen alle Relationen. „Ein Ende der Spirale ist langsam erreicht“, sagt KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. „Der Aufwand, den Stadt und Polizei betreiben müssen, wird immer größer.“

Und alles nur wegen einer Hand voll Leute, denen es beim Lokalderby weniger um Fußball als viel mehr um Randale geht. Die Polizei schätzt, dass beide Lager am Ostermontag jeweils rund 300 gewaltbereite Anhänger aufgeboten haben. „Denen geht es nicht um Sport, sondern um die Vorherrschaft in Giesing“, betont Polizeihauptkommissar Klaus Röschinger, der die Fanszene in der Stadt seit Jahren genau beobachtet. Die, denen es nur um Randale geht, sieht man nicht im Stadion, dafür aber, wenn es im Umfeld Ärger gibt. „Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen auch gegenüber uns Polizisten“, bestätigt Polizeidirektor Achim Scheil.

Die Vereine hätten doppelt so viele Karten verkaufen können

Die rund 12 500 Karten für Spiel im Grünewalder Stadion waren im Handumdrehen weg. Die Vereine hätten vermutlich doppelt soviel Karten verkaufen können, wenn genügend Platz gewesen wäre.

Normalerweise kommen zu Begegnungen in der vierten Liga im Schnitt gerade Mal 800 bis 1000 Zuschauer ins Grünwalder Stadion.

Doch die Rivalität zwischen den Blauen und den Roten verändert alles. Die Ultras in beiden Lagern haben ihre Anhänger mobilisiert. Fans aus Nürnberg, Karlsruhe, Bochum und Kaiserslautern an.

Wie schnell die Lage kippen kann, zeigt sich beim Marsch von gut 2000 Bayernfans vom Tal zum Sendlinger Tor. In der Menge explodieren immer wieder Chinaböller und ein paar Rauchbomben. Mal zieht roter Qualm über die Köpfe hinweg, dann wieder weißer.

Am Rindermarkt ist Schluss. Die Polizei stoppt den Zug. „Macht so weiter und ihr werdet das Stadion nicht sehen“, kommt die Durchsage via Lautsprecherwagen. Sofort heizen einige in der menge die Stimmung an. „Das sollen die sich nur trauen, die mischen wir auf“, droht ein Fan in Schwarz.

Die Vernünftigen unter den Fans behalten schließlich die Oberhand. Mit der U-Bahn geht es raus zum Stadion. Die Blauen warten bereits am Giesinger Grünspitz auf die Bayernfans. Die, so heißt es, werden an der U-Bahnstation Silberhornstraße aussteigen und dann direkt an den Löwen vorbeimarschieren: 2000 Rote gegen 1000 Blaue – eine absolut brenzlige Situation. „Wenn die aufeinander losgehen, kann man sie nicht mehr stoppen“, sagt der Leitende Polizeidirektor Günter Süßbrich. Deshalb ließ er die Bayern-Fans erst eine Station später am Wettersteinplatz aussteigen. Die Löwen warteten vergebens.

Im Stadion hatten die Hitzköpfe keine Chance mehr, aufeinander loszugehen. Die Fanblöcke sind mit meterhohen Metallzäunen voneinander getrennt. In speziellen Pufferzonen dazwischen sind mehrere Dutzend Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken postiert.

„Es ist jedes mal ein gigantischer Aufwand“, sagt KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. „Die letzte Konsequenz wäre Fußball ohne Zuschauer“. Doch das kann keiner ernsthaft wollen – am allerwenigsten die Fans.

 

48 Kommentare