FC Bayern Guardiolas Zukunft: Champions League oder nix

Guardiolas dritter Versuch mit den Bayern: Pep will den legendären Henkelpott holen. Das Champions-League-Finale findet in Mailand statt. Foto: dpa

Die Bayern starten am Mittwoch in Piräus in die Königsklasse. Der Titelgewinn ist für Guardiolas Zukunft mitentscheidend.

 

München - Wenn Dietmar Hamann beim FC Bayern Entscheidungen treffen dürfte, wäre die Sache ganz klar: Pep Guardiola, dieser angeblich so erfolgreiche Trainer, hätte sich längst einen neuen Arbeitgeber suchen müssen. Schließlich seien die Leistungen der Bayern unter Guardiola in der Champions League bisweilen „naiv“ und sogar „erschütternd“ gewesen. Zu diesem Schluss kam der frühere Bayern-Spieler nun in der TV-Sendung „Sky90“. Vor dem Auftakt in die neue Königsklassen-Saison am Mittwoch bei Olympiakos Piräus (20.45 Uhr, ZDF und sky) schoss Hamann erneut heftig gegen Guardiola. Er glaube, dass es „dem Verein nicht schlecht tun würde, wenn sie einen anderen Trainer holen“. Guardiola habe nur noch eine Chance: „Wenn er diese drei Jahre erfolgreich abschließen will, muss er die Champions League holen.“

Nun ist es so, dass Dietmar Hamann beim FC Bayern keine Entscheidungen treffen darf. Und man kann auch nicht davon ausgehen, dass seine oft übertriebenen Spitzen gegen Guardiola den Verein und seinen Trainer tatsächlich berühren. Und doch stimmen die Aussagen in einem Punkt: Guardiola braucht den Champions-League-Sieg, um als einer der ganz großen Trainer in die Klubgeschichte einzugehen. Und womöglich hat er dafür nur noch eine Gelegenheit.

Champions League oder nix – auf diesen Satz kann man die neue Spielzeit in der Königsklasse durchaus reduzieren. Guardiola pokert weiter um seine Zukunft, ein Ende der Zusammenarbeit nach dieser Saison wäre keine Überraschung mehr. Und bislang fehlt der silberne Cup mit den großen Ohren eben noch in Guardiolas Bayern-Bilanz. Zwei überlegen geholte Meisterschaften und ein Pokalsieg sind zwar alles andere als enttäuschend. Ganz zufriedenstellen dürften sie den erfolgsbesessenen Katalanen aber nicht.

Bei den Bayern wird Erfolg seit Jahren nicht mehr nur an nationalen Trophäen festgemacht. Guardiola weiß das natürlich. „Nur das Triple ist genug“, sagte er einmal in der vergangenen Saison. Das Selbstverständnis des Klubs sieht vor, dass man in jeder Saison um den Sieg in der Champions League mitspielt. Fünf Halbfinalteilnahmen in den vergangenen sechs Spielzeiten unterstreichen die Ausnahmestellung der Bayern.

Auch in dieser Saison gehört Guardiolas Team zu den Kandidaten auf den Sieg – oder, Jerome Boateng? Der Abwehrchef sagte am Montag im Pressetalk auf AZ-Nachfrage: „Barcelona ist der Top-Favorit, wer dahinter kommt, muss man sehen.“ Auch Thiago wollte keine Kampfansage formulieren: „Barcelona ist die Mannschaft, die es zu schlagen gilt.“ Zurückhaltende Töne, die aber nicht mit Furcht vor den Katalanen zu verwechseln sind. „Ich habe nie Angst, vor keinem Gegner“, sagte Thiago.

Karl-Heinz Rummenigge wird diese Einstellung freuen. „Ich träume davon, dass wir die Zyklen zwischen zwei Champions-League-Triumphen verkürzen“, sagte der Vorstandsboss einst. Zwölf Jahre wie bei den letzten Triumphen 2001 und 2013 soll es bitteschön nicht nochmal dauern. Vor allem deshalb wurde Guardiola geholt.

In Barcelona hatte es der Starcoach 2009 und 2011 geschafft, den wichtigsten europäischen Titel zu gewinnen. In München hingegen scheiterte er in den vergangenen beiden Jahren jeweils im Halbfinale, erst an Real und dann an Barça. Dass soll sich nun ändern. Über Piräus wollen die Bayern bis nach Mailand gelangen. Dort, im San Siro, triumphierten sie 2001. Ein gutes Omen für Guardiolas womöglich letzte Mission.

 

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