FC Bayern Gomez: "Wenn du triffst, bist du Gott"

Bayern-Stürmer Mario Gomez. Foto: Perenyi/Augenklick

Torschützenkönig Mario Gomez, der noch vor einem Jahr vor dem Abschied stand, hat sich beim FC Bayern unverzichtbar gemacht. Sogar die Kritik nach vergebenen Chancen prallt an ihm ab.

 

Zürich - Ein Jahr? Tatsächlich. Nur ein Jahr. Wenn sich die Welt komplett dreht, fühlt es sich wie eine Ewigkeit an. Es war Ende August 2010, als Mario Gomez weg wollte. Weg von Louis van Gaal, der ihm eröffnet hatte, er sei nur noch Stürmer Nummer vier. Weg vom FC Bayern wollte der Mittelstürmer nicht. Er fühlte sich zur Flucht gezwungen, der FC Liverpool wollte ihm für ein Jahr Exil gewähren. Die Bosse lehnten ab. Gomez wurde Torschützenkönig mit 28 Ligatreffern. Und glücklich.

August 2011: Mario Gomez ist gesetzt, Stürmer Nummer eins. Und hat keine Konkurrenz mehr. Miroslav Klose ist zu Lazio Rom gewechselt, Ivica Olic hat sich beim 5:0 am Samstag gegen den HSV einen Sehnenriss in der Hüfte zugezogen, er fällt bis zu acht Wochen aus. Und Thomas Müller, der Offensivalleskönner, wird von Jupp Heynckes nicht als Stoßstürmer gesehen – bleibt Neuzugang Nils Petersen, doch außer zwei Kurzeinsätzen als Joker hat der Ex-Cottbuser noch keine Bundesliga-Erfahrung. Gomez ist der Mann, auf den es in den nächsten Monaten ankommt, nicht nur im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation beim FC Zürich (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht angepfiffen, d.Red.). Sollte er sich verletzten, hätten die Bayern wirklich ein Problem. Das hätte sich Gomez vor einem Jahr nicht träumen lassen.

Jupp Heynckes war auch Stürmer und sagte, wenn ihn ein aktueller Angreifer an seine eigene Karriere erinnere, dann Gomez. Kann es besser laufen? Das unsichtbare Band von Ex-Stürmer zu Stürmer. Man versteht sich. „Weil er es selbst erlebt hat. Er kennt die Situationen ganz genau”, erzählte Gomez dem „Playboy”. Und zwar: „Du machst ein gutes Spiel, aber triffst die Kugel vor dem Tor nicht. Und dann hast du Phasen, in denen du saumäßig spielst, machst aber die Dinger am laufenden Band. Das soll noch einer verstehen.” Gegen Gladbach, in Wolfsburg, gegen Zürich – kein Gomez-Tor. Eine Krise? Da kann der 26-Jährige nur lachen, er kennt das Geschäft mittlerweile. Gegen den HSV versenkte er das schwierigste Ding und versemmelte den einfachsten Ball. Stürmerschicksal.

„Du musst charakterlich stark sein”, sagt er, „wenn du triffst, bist du Gott. Wenn du vorbeischießt, heißt es, schau dir den Blinden an.” Es macht ihn nicht mehr nervös. Gomez ist als Stürmer gereift, hat sich spielerisch an das Bayern-System gewöhnt. Und, geboren im oberschwäbischen Riedlingen, an das Schickimicki-Gehabe der Großstadt. An die Modeticks der Säbener-Kicker.

Er selbst liebt es schlicht. „Unkompliziert, ich mag ein gewisses Understatement”, sagte er dem „Playboy”, „also: Schwarz, Weiß und Grau. Ich bin zwar farbenfroh, aber nicht, was die Kleidung betrifft. Ich bin ein bequemer Typ, ich bevorzuge die locker sitzende Jeans und das T-Shirt.” Er braucht keine Designer-Shirts mit übergroßen Motiven. „Ich finde das furchtbar., wenn vorne ganz groß draufsteht, von welchem Designer das jetzt ist. So entsteht dann der Touch, dass Fußballer nur teure Klamotten tragen.”

Sein bester Kumpel in der Mannschaft ist Bastian Schweinsteiger, ihre Freundinnen Silvia und Sarah unternehmen gemeinsam etwas, sie ticken modemäßig ähnlich – die Damen wie die Herren. Einen Spruch aber konnte sich Gomez nicht verkneifen: „Wobei Basti großes Glück hatte, dass er Sarah kennen gelernt hat, weil die ihn auf die richtige Fährte gebracht hat. Davor hat er auch mal gern was Plakatives getragen.”

 

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