FC Bayern "Gladiolen und tot" - Bayerns Reha ab Mitternacht

Pokal-Fight auf dem Acker: Die Bayern in Schalke Foto: firo/augenklick

GELSENKIRCHEN - Nach dem Einzug ins Pokalfinale schickt Trainer van Gaal die Bayern-Stars zur Erholung ins Eiswasser.Boss Rummenigge sorgt sich dennoch: „Wir können es uns nicht erlauben, Spieler zu schonen“

 

Dafür reichte die Kraft noch: Lautes Männergebrüll drang aus der Kabine der Bayern-Profis in der Veltins-Arena. Sie hatten den Kraftakt überstanden, das Pokalfinale in Berlin nach 120 Minuten Abnutzungskampf gegen Schalke erreicht. Schnell machte ein Witz im Dunst des Fußballerschweißes die Runde: „Jetzt haben wir die Gladiolen – und sind tot.“

Es war der zur Dramatik neigende Trainer Louis van Gaal, der die Woche mit einem markanten Spruch aus der holländischen Tradition eingeläutet hatte: „Wir bekommen die Gladiolen oder wir sind tot.“ Gemeint war: hopp oder top, Sekt oder Selters, Flaschen oder Pokale. Der erste Teil der Marathon-Prüfungswochen mit sechs Spielen in drei Wettbewerben innerhalb von nur 17 Tagen ist bestanden – der Dank galt Arjen Robben.

Direkt nach dem Schlusspfiff begannen daher die Reha-Maßnahmen. Schließlich lauert der ausgeruhte VfB Stuttgart nur darauf, den Bayern am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) im Südderby ein Bein zu stellen, um mit einem Prestige-Sieg aus einer missratenen Saison eine mittelmäßige zu machen. Also hieß es für die Bayern-Profis runter vom Platz, rein in die Regentonnen.

Fünf dieser Behälter hatte die Physio-Abteilung aus München mitgebracht. Das Eiswasserbad in auf fünf Grad gekühltem Wasser soll die Muskeln per Schocktherapie ad hoc erfrischen. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man so die erhitzte Muskulatur abkühlen kann“, sagte Thomas Müller. Daneben gab es sofort reichlich Kohlehydrate und Elektrolyth-Getränke für die ausgemergelten Körper. Erste Hilfe auf Schalke – per Reha ab Mitternacht.

„Es wird schwierig, in zwei Tagen physisch und psychisch wieder auf dem Platz zu stehen mit einer Mentalität, zu gewinnen“, betonte van Gaal. Die Spieler allerdings glauben, dass die Euphorie des Sieges und die Gedanken an das Pokalfinale in Berlin jegliche Blessuren und Wehwehchen hinfort wischen werden. Kapitän Mark van Bommel gab die Losung aus: „Wenn man gewonnen hat, ist es leichter zu regenerieren.“

Die Köpfe mögen frisch sein – und die Körper? „Wir können es uns bei unserer personellen Situation eben nicht erlauben, im Spiel gegen den VfB Spieler vor dem Duell gegen Manchester United zu schonen“, mahnte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Wenigstens sind die angeschlagenen Ivica Olic (Knöchel) und Bastian Schweinsteiger (Krämpfe) beim lockeren Auslauftraining samt Pflege am Donnerstagnachmittag an der Säbener Straße wieder guter Hoffnung gewesen, am Samstag einsatzfähig zu sein.

Der Pokalkampf, der lange Zeit eher an einen Henry-Maske-Boxabend erinnerte, hatte Spuren hinterlassen. Stilistisch schön anzusehen, aber ohne große Höhepunkte. „Es war kein Spektakel“, sagte van Bommel und fügte hinzu: „Aber dazu braucht man zwei Mannschaften.“ Ein letztes Nachtreten. Auch Spitzen geben Kraft.

Patrick Strasser

 

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