FC Bayern gegen Real Duell der Regisseure: Zauberfuß Thiago gegen Metronom Kroos

Stehen am Mittwoch im Viertelfinal-Knallöer der Champions League im Fokus: Thiago (FC Bayern) und Toni Kroos (Real Madrid). Foto: Rauchensteiner,firo/Augenklick

Das Gigantenduell zwischen dem FC Bayern und Real Madrid ist auch das zweier Regisseure: Toni Kroos und Thiago prägen das Spiel ihrer Mannschaften. Kroos kehrt als Triumphator an seine alte Wirkungsstätte zurück.

 

München - Karl-Heinz Rummenigge hält Cristiano Ronaldo "nach wie vor" für die "größte Attraktion" bei Real Madrid. Mit 19 Saisontreffern in der Primera División ist der Weltfußballer wie auch in den vergangenen sechs Jahren der beste Torschütze der Königlichen.

Doch die Zweifel am Portugiesen wachsen. Der frühere Real-Coach Bernd Schuster vermisst beim Superstar spätestens seit dem EM-Triumph 2016 den "absoluten Hunger", wie er der Zeitung Die Welt sagte: "Er versiebt unglaublich viel."

Es mag sich für viele bei Real noch immer alles um Ronaldo drehen, doch wenn der spanische Rekordmeister am Mittwoch (20:45 Uhr/ZDF und Sky sowie im AZ-Liveticker) bei Bayern München zum Viertelfinal-Kracher der Champions League antritt, steht aus deutscher Sicht ein anderer Spieler im Fokus: Toni Kroos - und sein Duell mit dem Münchner Zauberfuß Thiago.

"Toni", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge dem spanischen Sportblatt AS, "war bereits hier ein sehr guter Spieler und ist bei Real zu einem Weltklassespieler gereift." Dass Rummenigge dem 27 Jahre alten Weltmeister, der München 2014 für vergleichsweise läppische 30 Millionen Euro Ablöse verlassen hatte, trotzdem nicht nachtrauert, hat vor allem mit Thiago zu tun.

90 Millionen für Thiago

"Thiago kann alles, 6, 8, 10, und überall im Mittelfeld spielen", sagte Bayern-Coach Carlo Ancelotti zuletzt über den Fußball-Künstler, "einen der besten Mittelfeldspieler der Welt". Der FC Barcelona bereut längst, ihn 2013 für ebenfalls lächerliche 25 Millionen Euro abgegeben zu haben.

"Würde er wieder bei Barça spielen, wäre das eine tolle Nachricht", sagte Barcelonas Mittelfeldstar Andres Iniesta kürzlich über Thiago. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dass die Katalanen unlängst wegen einer Rückholaktion angefragt hätten. Das Preisschild über 90 Millionen Euro, das die Münchner ihrer "Seele des Spiels" umgehängt haben sollen, sei als höfliche, aber bestimmte Absage interpretiert worden.

Zwar war es Pep Guardiola, der Thiago an die Isar geholt hatte, doch erst unter Ancelotti zeigt er sein wahres Talent. Thiago ist in der Bundesliga der Profi mit den mit Abstand meisten Ballaktionen (im Schnitt 118 pro Spiel), sein Vertrag soll wie der anderer wichtiger Stars bis 2021 verlängert werden.

"Brillanter Fuß" Kroos

Auch in der Mannschaft kommt er an, am Dienstag beim Abschlusstraining sangen ihm seine Kollegen ein Ständchen zum 26. Geburtstag. Wie wichtig der Spanier ist, zeigte sich zuletzt, als Ancelotti ihn in Hoffenheim für die Hits gegen Dortmund und Real schonte - die Bayern verloren prompt.

Auch Kroos' wahre Bedeutung für Real erschließt sich oft dann, wenn er nicht (mehr) spielt. Sowohl im Champions-League-Finale 2016 als auch am Samstag jeweils gegen Stadtrivale Atlético nahm ihn Coach Zinedine Zidane beim Stand von 1:0 vom Feld. Das Ergebnis nach 90 Minuten in beiden Fällen: 1:1.

Trotzdem ist das Verhältnis zwischen Zidane und Kroos sehr gut. "Er gibt mir das Gefühl, wichtig zu sein", sagte Kroos über den früheren Weltstar, der vom "brillanten Fuß" des besten Vorlagengebers der Primera División (zwölf Assists) schwärmte und sein "Metronom" im Mittelfeld schon Ende 2015 adelte: "Wir lieben ihn", sagte Zidane damals.

"Cooles Los"

Kroos, der sich auf ein "besonderes Spiel" freut, hat die Champions League übrigens anders als Thiago bereits als Stammspieler gewonnen. Als sich Barcelona 2011 den Pott holte, spielte Thiago nur eine Nebenrolle. Jetzt, betonte er, "möchte ich fühlen, dass ich den Titel verdiene". Am Mittwoch kann er im Duell mit Kroos vorlegen.

Wenn Toni Kroos zur Eckfahne läuft, springen stets Tausende Fans von ihren Sitzen auf, um den Deutschen zu bejubeln. "Herr der Standards" nennt die Zeitung Marca den Mittelfeldregisseur. Nicht nur wegen seiner gefährlichen Eckbälle und Freistöße ist der Weltmeister zu einem der beliebtesten Profis des Starensembles avanciert.

Der 27-Jährige kehrt als Triumphator erstmals an die alte Wirkungsstätte zurück. Dem besonderen Duell blickt Kroos ohne Angst, sondern mit großer Vorfreude entgegen. "Ich dachte mir sofort: cooles Los! Ich mag Herausforderungen", sagte er der Bild.

Die (gespannte) Vorfreude ist auch auf einem Foto von der Abreise nach München zu sehen, das Kroos am Dienstag auf Twitter postete.

 

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