FC Bayern Gegen Juventus Turin: Alles Sammer, oder was?!

Vor dem Rückspiel bei Juve hat Bayerns Sportchef gemahnt, gemotzt und alle Feiern verboten. Die AZ macht den Check: Welcher Star ist schon ein echter Sammer?

 

TURIN - Matthias Sammer war arbeitslos. Nichts mehr zu tun. Alles gesagt, alle gewarnt. Und so verzichtete der Sportvorstand des FC Bayern am Dienstagvormittag rund um die Anreise der Mannschaft per Sondermaschine nach Turin auf weitere Statements. Er hatte am Wochenende gesprochen: „Die Leistung von Frankfurt wird gegen Turin nicht reichen.“ Punkt. Als wäre es keine Meinung, sondern ein Fakt, hatte Sammer den Spielern nach dem Meister-Zieleinlauf durch das 1:0 in Frankfurt jene Warnung mit auf den Weg gegeben. Freude ja, Feier nein. Und im Zusammenhang mit dem Rückspiel im Viertelfinale der Champions-League bei Juventus Turin stellte der 45-Jährige die Charakterfrage: „Wir haben die Messlatte hochgelegt, uns gute Voraussetzungen geschaffen. Die Frage jetzt ist ganz einfach: Wollen wir Juve in Turin schlagen, oder ist uns eine Feier wichtiger? Das ist der Unterschied zwischen ganz groß oder nur groß. Sonst sind wir auch keine Top-Profis.“

100 Prozent? Für einen wie Sammer zu wenig. So einen wie ihn, als Spieler Feuerkopf getauft, und auch heute noch mit Ehrgeiz im Blut, haben sie gesucht beim FC Bayern. Und auch gebraucht. Sammers Credo: „Ich bin lieber ein unsympathischer Sieger als ein sympathischer Verlierer.“
„Meine Aufgabe besteht darin, Leistung zu organisieren“, sagte Sammer im „Focus“ und erinnerte: „Am Ende zählen nur Titel, und in 36 Jahren auf diesem Niveau ist ein Champions-League-Gewinn eindeutig zu wenig.“ 2:0 – das ist der Vorsprung aus dem Hinspiel. Ein Leichtes? Ein Risiko? Nur kein Leichtsinn, meint der Sportvorstand. Daher lautet das Motto: Elf Sammers müsst ihr sein. In Italien würde man sagen: Tutti Sammer.

Die AZ hat sich die Startelf der Bayern für das Rückspiel angeschaut und die Profis eingeteilt. Wer ist ein echter Sammerianer, wer (noch) nicht? Denn alle vier Typusse verkörpert Europas Fußballer des Jahres 1996, auch wenn man einen davon nicht glauben mag.

MAHNER: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger. Mit Worten den Spielern ständig auf die Nerven gehen, sie an ihre Aufgaben erinnern, das müssen die beiden Kapitäne. Oftmals würden sie gerne, können aber keine anderen Worte wählen. Es ist ihr Job. Kernbausteine für Warnungen: „Müssen hochkonzentriert sein“, „Müssen alles abrufen“. Oder auch: „Dürfen den Gegner nicht unterschätzen.“

MOTZKI:
Arjen Robben. Der Holländer weist stetig daraufhin, dass er sich aufstellen würde, dass er sich als Stammspieler sieht und zeigt seine Enttäuschung, falls nicht. So einer gefällt Sammer – wenn Robben es nicht übertreibt.

BEDENKENTRÄGER: Manuel Neuer, Javi Martínez, Daniel Van Buyten. Dem Defensiv-Verbund geht es um das Zu-Null-Spielen, um das Vermeiden von Eckballgegentoren, also werden sie gegenüber den Mitspielern oft zu Spaßbremsen, wenn die mal zu offensiv denken sollten.

SCHWEIGER: David Alaba, Mario Mandzukic. Was wiederum Sammer selten gelingt. Zu seiner Verteidigung: Er wurde als notorischer Antreiber und Querdenker geholt.

LEBEMANN:
Dante, Franck Ribéry, Thomas Müller. Ja, auch das ist Sammer! Einer, der gerne in geselliger Runde am Tisch sitzt, erzählt, lacht – aber erst, wenn alles, wirklich alles erledigt und gelungen ist. Dann wird er locker. Vielleicht auf dem Mitternachtsbankett in Turin. P. Strasser

 

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