FC Bayern gegen BVB Pokalfinale: Es geht ums Ganze

Pep Guardiola und Jürgen Klopp (r) Foto: sampics / Augenklick

Im Duell zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund geht es nicht nur um den Pokal – sondern auch um Trainer, System und Stimmung.

 

München - Sie haben sich ja eigentlich doch ganz gern. Pep Guardiola und Jürgen Klopp, Kontrahenten am Samstag im DFB-Pokalfinale in Berlin, zum ultimativen Schlusspunkt dieser Saison, von dem doch so viel abhängt.

Beide fußballverrückt, ballfanatisch, schwer erfolgreich und im jungen Alter schon Trainer-Ikonen. Zum Auftakt der Pokalwoche schoben sich die beiden nun in einem Interview mit „dfb.de“ freundschaftlich die Bälle zu. Viel Respekt voreinander schwang da mit, echte Sympathie. „Ich habe die Karriere von Pep schon als Spieler verfolgt“, sagte Klopp, „also sicher länger als umgekehrt.“ Und gab dem Gegenüber als Gedankenstütze mit: „Ich habe mein erstes Zweitligator für Mainz 05 im Jahr 1990 im Heimspiel gegen Hannover 96 geschossen.“ Pep antwortete lachend: „Danke für die Information, Jürgen! Im Ernst: Er ist ein außergewöhnlicher Trainer, keine Frage. Was er in Dortmund erreicht hat, ist großartig, seine Mannschaft trägt deutlich seine Handschrift. Ich freue mich darauf, ihn in Berlin wieder zu sehen.“

Dann wird’s mit den Freundlichkeiten schnell vorbei sein. Zu viel steht auf dem Spiel, vor allem für den Bayern-Trainer. Denn das vierte Duell mit dem BVB diese Saison wird darüber entscheiden, ob es eine guter Saisonschlussspurt war – oder eben einer, in der man „nur“ das Mindestziel, die Meisterschale, abgestaubt hat. Was beim Pokalfinale für Bayern auf dem Spiel steht:

Die Pep-Reputation: Das 0:3 gegen Dortmund und das 0:4 gegen Real waren Guardiolas höchste Niederlagen als Coach. Die Kritik: Sein System sei entschlüsselt. Er selbst hält aber weiter daran fest, kann nicht anders. „Ich liebe es, den Ball zu haben.“ Verliert Bayern auch in Berlin, leidet sein Image als Gewinner-Typ, obwohl er in fünf Amtsjahren nun 17 von 24 möglichen Titeln gewonnen hat. Er sagt: „Wenn wir nicht gewinnen, wird der Sommer schwierig.“

Das Spielsystem: Peps Maxime, sechs Offensivspieler statt wie Heynckes fünf spielen zu lassen, hielt in den Topspielen nicht stand. Experte Günter Netzer kritisiert: „Guardiola ist kein Anhänger des typisch deutschen Fußballs. Aber es gibt Elemente im deutschen Fußball, die man nutzen kann und die das Problem der geringen Effizienz beseitigen.“ Lothar Matthäus meint im Falle einer Niederlage gegen den BVB: „Dann wird es ernste Gespräche geben.“

Die Einkaufspolitik: Je schlechter die Bilanz nach dem Finale ausfällt, desto größer wird der Einschnitt im Kader, der noch nicht perfekt auf Peps Bedürfnisse zugeschnitten ist. Mit Robert Lewandowski kommt ein Stoßstürmer, den Pep seiner Spielphilosophie nach eigentlich nur für Plan B braucht. Auch Sebastian Rode genügt noch nicht den höchsten Ansprüchen. Will Pep weiter seinen Spielstil beibehalten, braucht er aber vor allem ballsichere Mittelfeldspieler, Innen- und Außenverteidiger. „Pep braucht die richtigen Spieler für sein System, es sieht aktuell manchmal nicht so rund aus“, sagt Experte Stefan Effenberg. Der Bayern-Vorstand hat bereits signalisiert, dass Pep im Sommer beinahe jeder Wunsch erfüllt wird.

Die Stimmung für die WM: Könnte nach einer Niederlage rabenschwarz sein. Franz Beckenbauer sagte schon nach der Real-Pleite: „Ich kann mir vorstellen, dass die Spieler in ein kleines Loch fallen und erst einmal Leere verspüren.“ Bei einer Pokalpleite wäre die Situation für die Bayern-Spieler vergleichbar mit 2012, als man nach drei zweiten Plätzen auch bei der EM im Halbfinale scheiterte.

 

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